Alles oder Nichts

Es gibt einfach Tage, die sind so ergiebig, dass ich selbst als Atheist geneigt bin, an etwas Übernatürliches zu glauben.  Dabei biedern sich diese Tage nie an. Es kommt einfach, ohne dass man es gedacht hätte und plötzlich wird aus einem vermeintlichen Fehltritt, ein unerwartet großer Gewinn. So ging es mir heute morgen.

Ich hatte die Nacht über durchgeschrieben. Gegen zwei Uhr versuchte ich zwar kurz einzuschlafen, was mir aber nicht gelingen wollte. Vor allem deshalb, da ich diese Sache mit meinem Vater immer noch nicht geklärt hatte. Nennen wir es Ram Dösigkeit, oder geben wir dem Unvermögen eine andere Bezeichnung; unterm Strich läuft es aufs Selbe raus.  Es ist wie es ist. Ich hatte im Laufe des vorherigen Jahres circa zwanzig Briefe an meinen Erzeuger geschrieben, die so in etwa zwischen “soll der Teufel Dich holen” und “ich grolle Dir nicht, werde mich aber nicht mehr mit Dir herum schlagen”, lagen. Abgeschickt hatte ich jedoch keinen von Ihnen.

Denn das ist nun einmal ein wirkliches Problem. Wenn man offen die Beziehung mit jemandem beendet und ihm gerade noch zum Abschied eins mit auf den Weg gibt, dann sollte man sich sicher sein, nicht einige Zeit später den Schwanz einzuziehen. Das wäre als drohst du jemandem ihm aufs Maul zu hauen und versuchst Dich dann mit einer Verwechslung heraus zu reden. 

Lass es bleiben. Das wird Dir, so oder so, nicht bekommen. Wenn du deine Waffe ziehst, dann drück auch den Abzug. Ansonsten laß sie stecken und mache bloß nicht die Pferde scheu; sie könnten schließlich durchgehen.

Gegen sieben Uhr war es dann soweit. Ich hatte das Schreiben Nummer 23, oder so, fertig und einen Moment den Arsch zusammen gekniffen und das Ding per Mail raus gehauen. Puh, weg war der Dreck. Aber was hatte es mir so schwer gemacht? Schließlich hatte ich den großen Teil meiner Kindheit damit verbracht, mir jeden Abend beim Einschlafen, wie ein Mantra, zu schwören ihn zu töten, wenn ich alt genug dafür sei. Alleine schon um diese Zitteranfälle los zu werden, die jedes mal von mir Besitz ergriffen, wenn ich ihn, in seinem beschissenen VW Käfer kommen hörte. 

So machen als ob ich schlafe. Dann den Moment hinter mich bringen, wenn er in unser Zimmer kommt um gute Nacht zu sagen. Spar Dir Deine gute Nacht. Verrecke Du dämlicher Wichser!

Dabei war das noch Jahre vor dem Vorfall gewesen als er mich zum ersten Mal mit einer seiner Dienstwaffen bedroht hatte. Ich hinterlistiger Verbrecher hatte 50,- DM gefunden und diese behalten und noch dazu mit größter Lust und keinerlei schlechtem Gewissen verbraten,  anstatt in die Schule zu gehen. 

Also, wenn man solch einem hoch kriminellen Stück Scheiße wie ich es damals schon war nicht einmal gepflegt die Knarre an den Kopf halten konnte, was durfte man denn dann sonst noch tun? Gerade unter der Prämisse, dass mein Vater nicht irgendwer, sondern eine hohe Respektsperson im Dorf war. So gesehen hatte er ja förmlich die Pflicht dies zu tun. Koste es was es wolle. Und wenn die kleine Drecksau dabei drauf geht; er hat es schließlich darauf angelegt.

-Schieß gefälligst auch, wenn Du die Knarre ziehst –

Es ergaben sich zwei weitere Gelegenheiten. Diesmal war seine Walther Pistole das Mittel der Wahl. Gute deutsche Qualitätsarbeit. PPK. Polizei Pistole Kriminal. Dabei war der Typ doch gar kein Bulle. Man sollte meinen, dass diese Dinger so präzise wären, dass man gar nicht damit vorbei schiessen kann. Insbesondere wenn man direkt vor dem Übeltäter steht. Aber auch diese beiden Male hatte er komplett versagt und nicht einmal das hinbekommen.

  • SCHIESS GEFÄLLIGST AUCH; WENN DU DIE KNARRE ZIEHST –

Was ich damals so Schlimmes ausgefressen hatte, weiß ich nicht mehr. Irgendeine dreiste Lüge meinerseits, oder so. Und jetzt habt Ihr mich an der Backe! Man sollte doch meinen, dass solch ein Versagen, dazu gleich dreiMal begangen, es einfach machen müsste, solch einen nutzlosen Versager in die Wüste zu schicken. 

Tja Scheiße, es ist jetzt 17:34 Uhr, ich habe immer noch nicht geschlafen und meine Rache fühlt sich ziemlich hohl an. Aber ich habe es eben auch mal wieder vergeigt. Wäre ich ein paar Jahre früher dran gewesen, dann wäre seine Tat noch nicht verjährt. Nun aber, nachdem ich endlich meinen nutzlosen Schmarozerarsch hoch bekommen habe, ist die Rache nicht süß, sondern widerlich abgestanden. Wie ein schales Bier nicht mehr erfrischen kann, die Party ihren Höhepunkt weit hinter sich gelassen hat, wenn die Lampen angehen und die Typen mit den Besen kommen und wie ein Wal zum Kotzen stinkt, wenn es ihn an Land getrieben hat und der Blubber aus ihm heraus zu quellen beginnt.

  • schiess gefälligst auch, wenn du die knarre ziehst –

Wenn ich schon nicht schlafen konnte, am frühen morgen. Und wenn die Rache zwar zu spät, aber immerhin überhaupt einmal kam. Dann konnte ich die Zeit auch nutzen etwas Werbung für meinen Blog zu machen. Denn ja, während ich über 30 Jahre alles weg geschmissen habe, kaum dass ich damit fertig war, hat mich der Wahnsinn nun vollends ereilt und dazu geführt, dass ich diesen gemeingefährlichen Scheiss nicht nur unter die Leute bringe, sondern auch noch bewerbe. Wie kann man nur seine Werte so sehr mit Füßen treten? Schließlich war ich mir doch sicher gewesen den Fehler Kafkas nicht zu wiederholen. 

  • Traue niemandem, wenn Du willst dass Deine Bücher vernichtet werden. Verbrenne sie selbst  –

Verbrennen ist ja heute nicht mehr. Eine Festplatte brennt ganz beschissen. Kein lustiges Hakenkreuz Vergnügen. “Wollen sie wirklich löschen?” Verdammt, wie unromantisch ist das denn??? 

Als ich mit Anfang 20 alle meine bis dato geschriebenen Gedichte verbrannte, brauchte ich noch eine ganze Weile dazu. Eben weil es viele waren. Heute passen nahezu unendlich viele davon auf eine durchschnittliche HD und alles ist mit maximal 2 klicks gelöscht. 

“Äh, Chef?! Die Daten sind schon alle gelöscht.”

“Wie, die Daten sind schon alle gelöscht??? Aber wir sind doch noch gar nicht durch. Da kommen doch noch Sieben.”

“Tja, das tut mir ja wirklich leid, aber so ist die moderne Technik.”

“Aber irgendwas muss doch noch da sein, dass wir löschen können?!”

“Nein, ich befürchte es ist alles weg.”

“Diese ganzen schändlichen Schriften in gerade mal zehn Sekunden?”

“Offen gesagt hat es sogar nur 3 Sekunden gedauert. Ich hatte mich nur zuerst nicht getraut etwas zu sagen”

“3 Sekunden?”

“3 Sekunden!”

“Kein Irrtum möglich?”

“Ich befürchte nicht”

“Und was sollen wir jetzt den Leuten sagen? Ich meine, wir haben einen ziemlichen Aufriss wegen dieser Sache veranstaltet. Ob der Führer davon weiß?.”

“Unwahrscheinlich. Der kann keine externe Festplatte anschließen. Sie wissen schon, dass Alter.”

“Oh ja, ich verstehe. Ist eben eher was für junge Leute.”

“Ähm, stimmt wohl.”

“Dann war es das jetzt hier?”

“Sieht ganz so aus. das heisst, wir hätten, streng genommen, noch eine HD mit Ausgaben des Stürmers drauf. Ist dem Müller Franz seine. Hat er sich vom Huber Klaus kopiert.”

“Aber merken die dass denn nicht. Sind doch tausende Leute da. Alle richtig schön aufgeheizt. Nicht das die uns durchdrehen, wenn sie den Schwindel mitkriegen.”

“Ich glaube die Gefahr ist größer, dass sie durchdrehen, wenn wir jetzt die Party beenden. Außerdem kann sowieso keiner von denen lesen.”

“Echt, die können alle nicht einmal lesen? Das kann doch gar nicht sein?!”

“Würden die sonst diese Bücher löschen wollen? Wer löscht denn “Im Westen nichts Neues”, wenn ihm dafür nur sowas wie der Stürmer bleibt?”

“Analphabeten. Im Stürmer gibts Bilder.”

“Sag ich doch”

“Also, her mit dem anderen Ding. Wir löschen jetzt einfach irgendwas. Hauptsache Horroshow.”

“Sie wissen wie man eine Party feiert.”

“Ich bin auch in der 8 Generation Deutsch.”

“Kein Wunder.”

Ach, Festplatten verbrennen ist Scheisse. Das wäre wie die Kreuzigung Christies als CGI Animation. Irgendwann muss auch mal Schluß sein. Sonst wird man am Ende nicht mal mehr ernst genommen. Und das will ich mir gar nicht erst vorstellen. Ein Wichtigtuer den keiner ernst nimmt. Das wäre ja wie ein Intellektueller ohne schwarzen Anzug. Das geht nicht. Das darf nicht. Das ist nicht. Hat nicht zu sein. Nein!

Zurück zur Werbung, es muss leider sein. Schließlich sind wir doch alle brave NeoNeoNazis. Volk und Heimat ersetzt durch Leistung und Produktivität. Der selbe Wahnsinn mit anderen Vorzeichen. Damals ging es um die Rasse, heute darf sich niemand mehr aus dieser Sache raus halten. Egal ob er aus dem Kongo oder aus Luxemburg stammt. Für das 4. Reich sind Rassen nur Ballast. Jeder der Leistung bringen kann, kommt an die Front. Alle anderen werden nun nicht mehr vergast. Zu teuer. Beschissene Public Relation. Lieber diffamieren, ausgrenzen und seine Menschlichkeit in den Vordergrund rücken. Diese erbärmlichen Arbeitslosen Wichser. Eigentlich gehören sie in die Kammern. Aber wir sind ja jetzt zivilisiert. Da wird man sensibler in solchen Dingen. 

Die ärmsten haben natürlich Corona am meisten am Arsch und es wäre am günstigsten Diesen etwas zuzustecken. Drauf geschissen. Die Wirtschaft hat Hunger. Das 4. Reich fordert seinen Tribut. Diese elenden Nestbeschmutzer machen es sich zu einfach. 

  • Dieser arme, menschliche Abfall soll gefälligst froh sein, dass er nicht verhungern muss. Ist doch völlig egal, dass andere gar nichts mehr wissen wohin mit ihren Überschüssen. Hier zählt das Leistungsprinzip und nicht dieser beschissene Humanismus. Der hört sich gut an. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch schön. Vor zwei Monaten hatte ich ganze 2 Wochen nichts zu essen. Kann aber nicht sein. Irgendein Heidrich Nachfolger hat es doch genau ausgerechnet. War sowieso viel zu fett. Am oberen Ende des Idealbereichs. Ich sollte dankbar sein. Fasten ist Kur. Die Würde des Menschen ist unantastbar und Friedrich Merz erhält ein Durchschnittseinkommen. 

Dirty Harry hat recht. Ich habe es zu lange nicht verstanden. Der Zyniker weiss dass alles vor die Hunde geht, steht aber mit einer unbändigen Lebensfreude auf.

Es geht los. Ich beginne den Groove zu fühlen. Und jetzt auf zur Mobilmachung. Irgendwie etwas Geld zur Seite bringen. Dann fliegen. So viel man kann. Aber nur mit den ganz alten Maschinen. Je höher der Verbrauch, desto größer die Freude. Leidensgenossen einsammeln. Aluhüte aufsetzen. Scheißegal unser Vermögen ist, dass wir nichts mehr zu verlieren haben. CDU wählen. Oder besser noch FDP. Völlige Freiheit für den Wirtschafts Apparat. Keine Auflagen. Scheiß auf die Umwelt. Die wird dieses kleine Intermezzo überleben. Aber das Gesicht der Vielfraße, wenn die Flut an ihre fetten Waden klatscht. Panik sich breit macht. Und die unbarmherzige Einsicht: Scheiße auch wir sind nur bescheuerte Menschen und wenn der Planet abschmiert, schmieren wir mit. Die größte Show der Menschheitsgeschichte bloß nicht verpassen. Kurz vor 12 anheuern bei einem der Völler. Hauptsache Job, keine Entlohnung nötig. Ich möchte nur sehen wie ihr ebenfalls verreckt. Ist mir bezahlung genug. Ich soll Dir Deinen dreckigen Arsch sauber lecken? Hast Dich vor Angst ganz stinkig gemacht? Kein Problem, ich bin für Dich da. Und da kommt die Flut und sie steigt. Erst die fetten Füße, dann die häßlichen Waden. Keine Sorge, das ganze Gummi in den Titten sorgt für Auftrieb. Kannst Du die Show noch was länger genießen. Noch eine Portion mehr Panik? Gerne doch. Ist reichlich da. Dieses Mal wird wirklich jeder satt. Die Würde des Menschen ist unantastbar.

  • Der Mensch muss sich seine Würde erst einmal leisten können. Keine Leistung, keine Würde. Die schönen Worte gibts gratis. Balsam für die Seele. Lenkt einen Moment ab vom hungrigen Bauch.

Keine Ahnung wie viele alleine in Berlin von der Tafel abhängig sind. Corona hat es unterbunden. Irgendeiner dieser professionellen Lügenbarone steht vor der Kamera. 

“Die Menschen müssen hier nicht hungern. Alles Unsinn. Heidrich der Neue hats berechnet. Zudem ist die Würde des Menschen unantastbar. Unser wunderbares Grundgesetz. Bla, bla, bla…”

Kein amerikanischer Präsident hat so viel für die Schwarzen getan wie Donald Trump. Wieso die Wirklichkeit bemühen wenn sowieso alles vollkommen egal geworden ist. Es funktioniert doch offensichtlich auch so. Als ob wir hier nicht am großen Finale beteiligt wären. Wir legen aber Wert auf Stil. Wenn schon zum Klo runter, dann wenigstens gut gekleidet.

“Hier muss niemand hungern.” Scheiße muss ich dämlich sein. Gerade mal zwei Wochen her, dass der Teller voll war und ich verspüre welchen. 

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Scheiße, jetzt habe ich mir vor lauter lachen in die Hose gepisst. Ich liebe unser Grundgesetz. Diesem Schriftstück ist nicht einmal ein Tucholski gewachsen. Erzähl mir mal einen Witz mit sechs Worten.

Verdammt, bin ich jetzt ein Terrorist? Hab ich gerade wirklich gegen den ersten Paragraphen des Grundgesetzes gewettert. 

DER LIEBE GOTT HAT MARIA GEFICKT. JOSEPH IST EIN CUCKOLD

Scheisse, hilft alles nichts. Alles zu spät. Gott darf tot sein. Das Grundgesetz aber kein Witz. Das geht nicht. Immerhin gehe ich schon nicht mehr wählen. Ist das denn nicht genug Schändlichkeit auf einmal? 

Ob es was hilft wenn ich nochmal hingehe? Ob ich damit was raus reißen kann? Gab es da nicht einmal ein Feld dass man frei ausfüllen konnte? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich war erst einmal wählen. Zu lange her. Am Stammtisch, der Abend zuvor. “Hast DU schon DAS gehört? In der Bild stand dass … Freie Meinungsbildung abgeschlossen. Ab zur Wahlkabine. Kreuz machen. Man hat sich seine Meinung gebildet. Was will man mehr? 

  • Ein Hoch auf die Demokratie!!!

Wir müssen sie schützen, mit allem was wir haben.

Aber was schreib ich rein, falls es das  Feld noch gibt? Addi 2.0 HURRA!!! Bin ich dann ein Nazi. Hab schließlich schon kurze Haare. Ist kein weiter Weg; von dort aus. 

Ist so eine  blasphemische Scheiße durch die Kunstfreiheit gedeckt? Oder muss sich die Kanzlerin jetzt schon wieder für einen ihrer freien Bürger beim Irren vom Bosporus entschuldigen. 

“Ja, ich weiß schon. Dass mit der Kunstfreiheit ist so ein Ding hier. Aber ist am Ende wie das Ding mit der Würde. Hört sich gut an. Muss man es sich aber leisten können. Ebenso wie sein Recht. Ist natürlich auch alles fair. Macht keinen Unterschied ob man mit einem guten Anwalt, oder alleine in den einen Anzug eingeklemmt kommt. Oder gar in Jogginghosen. 

Bei uns sind natürlich nicht alle gleichberechtigt. Jedem der bereit ist bis zwei zu zählen fällt das sofort auf. Es macht sich nur kaum einer die Mühe. Also nicht so eng sehen. Wie wärs mit ner neuen Fuhre Leopard? Natürlich nur für humanistische Zwecke. Stecken Sie doch eine Blume ins Kanonenrohr. Oh Mist, das war zuviel. Hab mir gerade in meinen Schlüpfer gestrullert. Wo war nochmal das Klo?”

Die arme Merkel. Und das alles nur wegen mir. 

Ich fordere die Todesstrafe für mich. Kann man danach ja wieder abschaffen. Zählt eh keiner mit und die die es doch tun, erkennen sehr schnell: Ein armes Schwein weniger. Was soll die Aufregung? 

Aber hey, zurück zum Hauptstrang der Geschichte. Marketing, Blog, Literatur, Erfolg, Kohle, geile Weiber, mannigfaltige Urlaube. Endlich jemand sein. Einer der Guten. Leistungsbereit.

LEISTUNG HEIL!

In einem Literaturforum angemeldet. Jeder kann seinen Senf dazu geben. Der Text wurde nicht anerkannt. Zu viele Fehler. Inhalt nebensächlich. Zu schwer zu lesen. Mehr Gefälligkeit, bitteschön. Wir sind hier schließlich in Deutschland. Führen zwar nicht mehr die weltweite Literaturszene an, aber wenn schon belangslos, dann wenigstens ohne Fehler. 

Was habe ich meinem Werk nur angetan? Hab die Einfachste geschickt. War zu schwer. Hätte einen Text wie den hier schicken sollen. Inklusive meiner Adresse. Würden dann wahrscheinlich schon mit brennenden Fackeln und Teer vor meiner Tür stehen. 

“Da ist er, der Frevler. Holt Euch die Sau! Der Typ scheißt auf Rechtschreibung”

Verdammt, ich hätte es verdient. Bin ganz freundlich geblieben. Dabei hätte sich die Erde dort extrem zum verbrennen geeignet. Schwerstgradige Beleidigungen.

“Ich habe eine Eurer Geschichten überflogen. Keins der Worte wert. Scheißegal ob Fehlerfrei. Ihr armseligen Arschkriecher. Content Deppen. Ein feiger Schriftsteller ist ein beschissener Autor. Wenn er sogar schon vor dämlichen möchtegern Deutschlehrern den Schwanz einzieht.”

Statt dessen ein Haufen verlogener Nettigkeit. “Löscht doch bitte mein Konto bei Euch. Hab die Funktion auf Eurer Seite nicht finden können. Danke und noch alles Gute.”

Aber selbst dran Schuld. Was hab ich mir auch nur dabei gedacht. Veröffentlichen muss doch nicht gleich bedeuten, dass man bis zum Dünndarm eindringt. Du dämlicher Wichser. Stell Dir mal vor, sie hätten die Geschichte veröffentlicht?! 

“Ich finde das ..” “Und ich denke dass jenes” “Aus meiner Sicht …”

Wäre cool gewesen. Wie lange hätte ich es geschafft Gefällig zu sein? Wann hätte ich die Nerven verloren und wäre den Idioten dort an den Hals gegangen? Schwerste Beleidigungen! 

“Ich habe Überschriften, die sind mehr wert als all Eure einfältige Kacke zusammen.”

Scheiße, war das jetzt richtig geschriében? Mache ich es vielleicht irgendjemandem zu schwer? Zu ungewohnt? Zuviel Blasphemie dem Produkt gegenüber? Nicht genug gebuckelt für den Applaus? 

Was soll ich mit Applaus? Was soll der Drang nach Zuspruch? Habe ich nicht gerade deshalb nie etwas veröffentlicht? Selbst damals, als ich ein Angebot eines Verlages hatte? Weil mir klar war, dass der Applaus die Droge sein würde, die mich vollends vereinnahmt und süchtig macht? Gefällig macht? Flach macht? Belanglos macht? Hab ich mir nicht geschworen, dass ich entweder der wichtigste deutsche Schriftsteller sein will, oder in Schimpf und Schande unterzugehen bereit bin? 

Was war da noch mal, und vor allen Dingen: Wer hat das gerade gesagt? War ich das? Derjenige, der all seine Werke verbrannt hat, obwohl er noch furchtbar jung ein Angebot hatte, dass er hätte nicht ablehnen dürfen? Und das nur, weil er gemerkt hat, dass sein Stil schon von einem Anderen vollendet worden war? Hatte ich nicht die wichtigste Förderung meines Bundeslandes mit Füßen getreten, weil sie sich erdreisteten mich um eine Veröffentlichung zu bitten? 

“Wie, Du bist nicht von Suhrkamp? Dann verpiß Dich! Was willst Du von mir?”

Grenzenloser Größenwahn. Irre. Anmaßend als wenn es eine Medaille dafür gäbe. 

Hieß nicht das Credo: Ich gegen die ganze Welt? Und bin ich nicht endlich wieder an dem Punkt angelangt, dass ich mich diesem Wahnsinn zu übergeben bereit bin?

Alles oder Nichts und auf keinen Fall etwas dazwischen!

Ich bin endlich wieder Ich. Jahrzehnte mit dieser furchtbaren Krankheit. Die mich Tag ein Tag aus gequält hat und mir ein Leben nur unter ständigem Einfluss billiger Drogen ermöglichte.

Ja, ich bin wohl wieder da. 

Ist mir offen gesagt scheiß egal, ob Dir mein Text zu schwer zu lesen ist. 

Wenn dem so ist, dann geh woanders hin.

Hier bist Du direkt an der Frontlinie. Eines Spinners der zerschunden ist und pleite. Seit Jahren Arbeitslos und für nichts zu gebrauchen, als sich auf die Suche nach der Essenz des Wahnsinns zu machen, der uns umgibt.

Das hier ist alles. Nur nicht der Ort der schönen Worte und der wird es auch niemals werden.

Eine Quantengeschichte

Es ist absolut dunkel hier. In den Raum dringt kein Teilchen Licht ein und auch keine Welle. Dieses verdammte weis in weis brennt mir meine Augen weg. Läßt sie förmlich in meinen Augenhöhlen verdampfen. Hier ist alles und Nichts. An jedem Ort, zu jedem Moment. 

Es war einmal ein König der gerne tanzte. Nur leider fand sich niemand, der diese Lust mit ihm teilte. So tanzte er ausschließlich mit sich selbst und lernte seine Bedürfnisse zu verachten.

Es kommt nicht darauf an wie er heißt, wie er oder andere ihn nennen. Sein Schwert ist alles worauf es ankommt. Und das braucht irgendetwas, dass es bewegt.

Ich suche mich mit meinen Händen in diesem Raum hindurch. Nach einer Tür, einem Spalt, irgendetwas und wenn es nur eine kleine Unebenheit in der Wand ist. Nur wenn ich diese finde, kann die Geschichte beginnen. Bis dahin ist zwar alles möglich, aber nichts davon prägt sich aus.

Wer kann denn schon mit Sicherheit sagen, warum Elefanten grau sind. Vielleicht sind es Beamte und sie verfügen nicht über die notwendige Fantasie für Farbe. Wer weiß, vielleicht brauchen sie es ja einfach nicht. Und ihre plumpen Füße reichen ihnen um damit auf der Erde zu stehen. Zumindest fliegen sie so nicht einfach davon, wohin sie ihre Gedanken tragen.

DIESE GANZE SCHEISSE ERGIBT DOCH ÜBERHAUPT KEINEN SINN HIER!!!

Muss es ja auch nicht. Von welchem Sinn sprichst Du, wenn Du Dich daran klammerst? So als ob dies irgendetwas ändern würde. Du bist jetzt hier an diesem Ort und nichts weiter.

Der tanzende König hatte einmal einen Hofnarren. Der hielt ihm immer einen Spiegel vors Gesicht. Doch irgendwann konnte er sein Spiegelbild nicht mehr ertragen und erschlug den Narren. Seitdem tanzt er, was sollte er auch ansonsten tun.

Dieses satte Geräusch, wenn die Tür des Wagens zufällt. Es kein Schmatz und auch kein Saug. Vielleicht ein Schmatzsaug, wenn es so etwas gäbe. Vielleicht ist es aber auch nur der Wächter des Neuwagengeruchs. Der diesen drinnen halten will, so lange wie es eben möglich ist.

Ich bin kein großer Künstler. Nur irgend so ein Typ, der gerade in seinem Bett liegt und schreibt. Diese ganze Welt um mich herum scheint mir alles, jedoch keinen Sinn zu ergeben. Also setzte ich mich an die Tastatur und gebe ihr einen. Aber einen den sie nicht dechiffrieren kann. Denn Auslösung bedeutet immer auch Leid. Wenn die Sicherheit entsteht, die einen davor bewahrt sich zu hinterfragen. Und die aus dem Nichts heraus Regel in den Raum wirft, denen sich alles andere unterzuordnen hat.

Morgen wird der Affe schon Ruhe geben. Man muß ihn nur so lange füttern, bis er einschläft. Dann wartet man, bis er wieder erwacht und füttert ihn weiter. Immer und immer weiter. Bis ans Ende aller Zeit.

Wozu sollte man sich eine Uhr anschaffen, wenn es gar keine Zeit gibt? Vielleicht um vorbereitet zu sein, falls sie kommen sollte. Wenn sie dann doch nicht kommt, hat man wenigstens ein Ticken. Ein gefrorenes Klack oder Klick, je nachdem wie diese Uhr entstanden ist. 

Der Raum ist jetzt plötzlich weg. Zwar ist er noch da, jedoch hat er sich in ein offenes Feld gewandelt. Und plötzlich kann ich alles ganz deutlich vor meinen Augen sehen. Jeden Sinn, jedes auch noch so kleine Ereignis. Ab hier kann alles endlich sein. Dafür das hier nichts ist. Das ist der Preis.

Ich denke oft an Dich, meine Liebe. Ich dachte immer mal wieder das ich Dich gefunden hätte. Das Du in dem jeweiligen Gegenüber stecken würdest. Aber es waren immer nur Bruchstücke von Dir, die mich an Dich erinnert haben. Nachdem mir dies bewußt geworden ist, gab ich die Suche auf. Da ich wusste, dass es nicht lohnt etwas zu suchen das ist. Warum sollte man auch suchen, was es schon gibt. 

Am großen Schwert klebt dieser Krieger. Er ist … er war … gerade löst er sich auf. Auch das Schwert bleibt nicht zurück. Oder tut es dies doch? Wer kann das schon sagen, wenn niemand hier ist, der es sehen könnte. Wenn niemand hier ist für den dies eine Rolle spielen könnte. Wenn niemand nirgendwo ist. Wenn das irgendwo, nirgendwo ist. Wenn nichts ist das ist. Wenn ist ist das ist. Wenn wenn wenn wenn. IST ist ist ist.

Plötzlich Stille. Auch wenn ich unentwegt vor mich hin raune. Was sind das hier nur für Zeichen an der Wand. Ist dies der erhoffte Anfang? Aber wenn es so wäre, dann wäre doch alles schon viel weiter. So wie es war, als dieser Raum um uns herum entstand. Der plötzlich da war, völlig ohne Grund und Anlaß. 

GERADE DESHALB IST ER DOCH GERADE GEKOMMEN. MAN EMPFÄNGT DOCH KEINEN BESUCHER WENN ES DA NIEMANDEN GIBT, DEN MAN BESUCHEN KÖNNTE. WARUM DU GEKOMMEN BIST? WAS SPIELT DAS DENN FÜR EINE ROLLE?

Jeder einzelne Atemzug ist plötzlich etwas ganz besonderes. Vorher ergaben sie alle nicht den geringsten Sinn. Vielleicht weil es zu viele von ihnen waren. Ob sich der Atem durch Überlagerung selbst auslöschen kann? Und was geschieht dann hinter der Wand? Die an der einen Stelle Löcher trägt und an der Anderen Schlitze? 

Das Schicksal der Lachse

“Du musst verrückt geworden sein!” In ihrem Gesichtsausdruck liegt eine Mischung aus Sorge und Verärgerung. “Du musst ja wohl wirklich gegen jeden Strom schwimmen, den du finden kannst. Was versprichst du dir nur davon?”

Ich könnte ihr jetzt näher bringen, dass es mir um meine Integrität ginge. Aber dieses Argument würde ebenso im Sand verlaufen, wie es sich schon so oft darin verloren hat. Sie kann das einfach nicht begreifen und ich mache ihr auch keinen Vorwurf daraus. Aus ihrer Perspektive betrachtet würde es mir auch nicht anders gehen. Schließlich liegt ihr etwas an mir und sie macht sich Sorgen um mich. 

Das ich jedoch gerade dieser unverbesserliche Lachs bin, als den meine Taten mich erscheinen lassen, kann ich ihr nicht nahebringen. Schon alleine deswegen nicht, da die sich daraus ergebenden Konsequenzen sie zu sehr erschüttern.

Für sie besteht das Glück des Lebens darin es sich gut gehen zu lassen. Nicht auf eine radikal hedonistische art und weise, das wäre ihr allein schon zu extrem, sondern auf die art, dass ihr unvorstellbar ist, warum man seine Möglichkeiten nicht dafür nutzen sollte sich angenehm im Leben einzurichten.

Dafür ist sie wohl, schlicht und ergreifend, zu pragmatisch veranlagt. Ich überlege wie es jemandem wie Buddha ergangen sein musste. Ob dieser Beziehungen zu normalen Menschen unterhalten hat, bevor er sich entschloss auf den Berg zu gehen um das Geheimnis des Daseins zu ergründen? Wenn dem so gewesen sein sollte, dann hat er bestimmt auch die Erfahrung gemacht das seine Liebsten ihn davon abhalten wollten. 

Letzten Endes bleibt mir nur, ehrlich zu mir selbst zu ein. Der Rest wird sich dann ergeben. Ich habe mich schon zu lange versteckt und so getan als sei ich jemand anderes. Aber ich bin nun mal ich, was immer der Grund hierfür sein sollte. Also lieber loslassen als nicht zu sein. 

Würde ich mich einer anerkannten Glaubensgemeinschaft anschließen und beispielsweise ins Kloster gehen, wäre dies für die Menschen in meiner Umgebung auch nicht einfach zu verdauen. Aber sie könnten sich zumindest auf etwas stützen dass sie zwar nicht verstehen, dass aber zumindest eine ihnen bekannte Historie aufzuweisen hat, an die sie sich anlehnen können. Das könnte sie beruhigen. So aber bleibt ihnen nichts, als mir zu vertrauen. Und das können sie nicht, da ich mich aus ihrer Sicht selbstzerstörerisch verhalte.

Vielleicht wird mich mein Weg irgendwann einmal an einen Punkt führen, an dem vermittelbare Effekte eintreten. So wie ein buddhistischer Mönch eine tiefe Ruhe ausstrahlt die man in einem gewissen Sinn greifen und damit irgendwie auch begreifen kann. Das ist möglich und es ist beileibe nicht so, dass ich den Weg der vor mir liegt als Einen wahrnehme, der ins Verderben führt. Jedoch kann ich auch nicht erkennen, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Ich kann vielmehr gar nichts erkennen. Die Zukunft ist ein undurchdringliches Nichts, dass sich erst noch zu einer Form zusammenfinden muss. Wie sich diese Form dann ausgestalten wird, steht offen. Das einzige das Sicher ist, ist das am Ende der Tod auf mich warten wird. So wie er auf uns alle wartet. Aber es scheint den meisten meiner Mitmenschen ratsamer zu sein, diesen Umstand zu verdrängen. Und letzten Endes spielt es auch keine Rolle. Verpassen werden sie ihn nicht.

Ich habe viele Jahre damit gehadert ich zu sein. Schon seit ich ein Kind war, war ich immer irgendwie anders und ebenso wie sich meine Freundin nun um mich sorgt, haben sich auch meine Eltern und wahrscheinlich mein ganzes Umfeld um mich gesorgt. 

“Aus dir wird nie etwas werden, weil du ein Träumer bist.” Diese Aussage einer entfernt Befreundeten ist irgendwie in meinem Gedächtnis hängen geblieben. Lange Zeit hat mich dies auf eine gewisse Weise wütend gemacht und ich dachte, dass ich es ihr schon irgendwann einmal zeigen würde. 

Ja, ich war schon immer ein Träumer. Mit dieser Einschätzung hatte sie durchaus recht. Ich habe bis heute jedoch noch nicht verstanden was so schlecht daran sein soll und warum Träumerei als etwas so destruktives verschrien ist. Ich denke es liegt daran, dass der Umstand dass es Menschen gibt die sich zu ihren Träumen bekennen, all jenen die es nicht tun, deren Unvermögen vor Augen führen. Denn letzten Endes sind wir wohl alle Träumer. Zumindest waren wir es gewesen als wir noch unbefangen und leichtfüßig die Welt erkundeten. Damals, als wir noch Kinder waren. 

Aber irgendwann muss einmal Schluss damit sein und man muss sich dem Ernst des Lebens stellen. Andernfalls bleibt man verhaftet in einem Zustand der mit jedem Jahr das voranschreitet, einen immer infantiler erscheinen läßt. 

Was soll eigentlich dieses Erwachsen sein, von dem alle reden und dass so wichtig zu sein scheint, dass sich niemand dem entziehen soll? Wir können doch alle tagtäglich sehen, dass unser Gebaren nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann. 

Wir leben in einer überbevölkerten Welt. Das ist vielen von uns durchaus bewusst. Und trotzdem übergeben wir uns dem Drang nach Fortpflanzung, so als ob diese Dinge nicht am Rande etwas miteinander zu tun hätten. 

Bedeutet Erwachsen zu sein am Ende vor allen Dingen sich den Diskrepanzen zu ergeben, die unsere Herangehensweise ergeben? Nicht zu bezweifeln, was zweifelsfrei nicht passt? 

Ich kann es nicht wirklich sagen. Es ist meine Vermutung und wer bin ich denn schon. Ein weltfremder Spinner der vor sich hin träumt und der nichts vorzuweisen hat, als eine Sehnsucht die ihn leitet und der er sich nie entledigen konnte.

Was ich durchaus versucht habe. Immer und immer wieder und beinahe daran zerbrochen wäre. Was dazu führte, dass ich mein Leben nur betäubt durch Drogen ertragen konnte, die mich so sehr in einen Umhang aus Watte schlossen, dass ich die meisten meiner Tage nur vor mich hin vegetierte. Und wenn es nicht die Drogen waren, dann war es mein Medienkonsum, oder sexuelle Ablenkung, hinter der ich mich verkroch. Oft kamen diese Dinge zusammen und ergaben eine unglückselige Melange aus Hoffnungslosigkeit. Wie viele Jahren waren es letzten Endes, in denen ich mich jeden Tag dafür verfluchte diesem als so elend empfunden Leben kein Ende bereiten zu können.

Ich habe jetzt endlich Abstand von dem alltäglichen Konsum von Drogen finden können. Auch gibt es immer mehr Tage, an denen es mir gelingt mich nicht diesem Irrsinn an Unterhaltung zu ergeben, mit dem ich mich immer so sehr von mir selbst abgelenkt habe. 

Wenn ich gerade nicht die Kraft finde mich mit etwas Konstruktivem zu beschäftigen, lese ich gute Bücher und achte darauf, mich ausreichend zu bewegen. Was jedoch durchaus nicht destruktiv ist. Es lässt sich nur nicht monetär verwenden. Aber wer weiß. Vielleicht ergibt sich ja über die Zeit etwas, dass in der Lage ist meinen Lebensunterhalt zu sichern und für das ich mich nicht verleugnen muss. Schließlich habe ich bisher durchgehalten und schlimmer als dass allein der Freitot einen Ausweg zu bieten scheint, kann es letzten Endes nicht werden.

So fühlt sich gerade jeder Tag für mich an, als wenn ich nach einem schweren Erdbeben aus meinem Keller emporsteigen würde. Benommen und zerzaust, aber erleichtert, dass ich das Chaos überstanden habe.

So gesehen, meine liebe Freundin, mach Dir keine Sorgen um mich. Die Zeit in der dies angebracht gewesen wäre liegt jetzt hinter mir und du hast es zumeist nicht einmal bemerkt, dass ich mich in diesem Zustand befand. Versuche Deiner Wahrnehmung nicht allzuviel Gewicht zu geben und halte dir den Umstand vor Augen, dass sie sich am Ende nur aus Bildern zusammensetzt die an dich herangetragen werden.

Mehr kann ich dir leider nicht bieten. Aber immerhin ist es diese kleine Etwas. Auch wenn dies vielleicht nie erkennbar für dich werden wird.

Ich mache mich nun auf wieder gegen den Strom zu schwimmen. Angezogen von etwas von dem ich nicht sagen kann was es ist. Nur das meine Sehnsucht mich dorthin treibt. Einer Sehnsucht der ich mich nun endlich, mit Haut und Haaren auf Gedeih und Verderb ergeben werde.

Der Virus hat uns bei den Eiern. Was für eine Gnade.

Wir befinden uns, wahrscheinlich, am Anfang der Corona Krise, oder Covid 19, wie der Virus mit Vornamen zu heißen scheint. Von jetzt auf gleich ist so viel Ruhe in unser Leben getreten, wie ich dies zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Dabei hat sich für mich nur wenig verändert. Mein Leben ist nur sehr am Rande davon betroffen. Ich bin schon vorher meinen Mitmenschen lieber aus dem Weg gegangen. Zumindest wenn sich eine Chance dafür bot. 

Aber jetzt scheinen alle Anderen meinem Beispiel zu folgen. Sie treibt jedoch nicht die Vernunft, sondern nur eine diffuse Panik vor sich her. Es ist gerade einmal wenige Wochen her, da wurde uns noch eingebläut, dass rein gar keine Gefahr bestehen würde. Und kurze Zeit später verbreiten die gleichen Quellen eine Panik, als ob die Welt untergehen würde. 

“Macht Euch mal nicht zu viele Sorgen, Unkraut vergeht nicht so schnell”, möchte ich meinen Mitmenschen zurufen. Aber einen Schrei der so laut wäre, dass ich Diese erreiche, bringe ich nicht hervor. 

Im Grunde genommen könnten wir die Gelegenheit als Chance nutzen unser angeschlagenes System auf Vordermann zu bringen. Aber ich hege keinen Zweifel daran, dass bei der erstbesten Gelegenheit alles so weitergehen wird wie bisher. Die selben offensichtlichen Schwachstellen, das gleiche verlogene Gehabe. Der Mensch wird sich leider treu darin bleiben ein Vollidiot zu sein. Schließlich kann man schon jetzt sehr genau beobachten wie sich wieder die Hyänen der politischen Kasten in Stellung bringen, um ihren Vorteil aus dem Trubel zu ziehen. Die selben unfähigen Egoisten, denen wir es zu verdanken haben, dass es überhaupt soweit gekommen ist, haben sich, zumindest zu Teilen schon, als Retter inszeniert. Und die die dies noch nicht getan haben werden folgen.

Eins und Eins ergibt, gerade im politischen Umfeld, erschreckend selten Zwei. Und auch im wirtschaftlichen Bereich sieht es nicht besser aus. Irgendjemand wird auch hier profitieren. Vom mannigfaltigen Zergehen, dass gerade ansteht.

Selbst in der letzten großen Finanzkrise wurden manche Taschen gefüllt, als ob es eine Zeit des unglaublichen Aufschwungs wäre. Irgendwer frisst immer und irgendwer wird immer gefressen. Diesbezüglich sind wir sehr natürliche Wesen. 

Da sie gerade dringend gebraucht werden, wird zur Zeit ein Hohelied auf die Pflegekräfte gesungen. Vorher konnten sie sehen wo sie bleiben und ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass sie es danach auch wieder werden tun können. Dankbarkeit ist ein sehr vergängliches Gefühl. Und Respekt eine reine Notwendigkeit. 

“Nach dieser Krise wird nichts mehr so sein wie zuvor!” 

Echt jetzt? Und was wird sich ändern? Werden wir aufhören uns wie Vollidioten aufzuführen? Ich würde ja gerne lachen, aber das bleibt mir in diesem Kontext im Hals stecken. Sobald die Scherben zur Seite gekehrt sein werden, wird alles irgendwie wieder beim Alten sein. Zwar werden die einen Pleite gehen, dafür werden andere umso reicher werden. Und es wird  immer noch dieselbe art von Mensch sein, die sich über die Anderen erhebt und mit ihnen Schlitten fährt. 

Dafür bräuchte es schon weit mehr, als ein paar tausend Tote. Selbst die Millionen des letzten Weltkrieges haben nicht im Ansatz gereicht, den Menschen nachhaltig friedlich zu bekommen. Er eignet sich offensichtlich nicht dazu, die Vernunft vor die Gier zu stellen. Sättigung ist ein Zustand, der nur sehr temporär eintritt. Und wenn alle Stricke reissen, dann wird sich eben der Finger in den Hals gesteckt und weiter gehts.

Nun fangen sie an für ihre Freiheit zu demonstrieren. Was für ein erbärmlicher Witz. Sie kennen nur die Freiheit des Konsums und der oberflächlichen Zerstreuung. Echte Freiheit fängt im Kopf an und hört dort auch wieder auf. Alles andere ist hedonistisches Gehabe. Eine einzige makabere Show der inhaltsleeren Eitelkeiten. 

Guten Morgen Mensch, erwache. Und kehre zurück in dein profanes Nichts. Das am Ende doch nur aus Fressen und Scheissen besteht und aus einem Orkan an Getöse, der von diesem Umstand abzulenkt. Wer braucht denn schon Vernunft, wenn ihm die Ohren klingeln? Wenn die Eier zum bersten gefüllt und die Mäuler weit aufgerissen sind? 

Der Mensch braucht kein Grundrecht auf Freiheit. Er braucht nur den Hunger, der niemals gestillt wird und der ihn ausreichend von sich selbst ablenkt. 

Macht Euch keine Sorgen da draussen. Ihr werdet morgen die gleichen Arschlöcher sein, die ihr gestern ward. Darauf dürft ihr vertrauen, wie auf das Amen in der Kirche. Solange wie auch noch der letzte Tropf in Versuchung geführt werden kann, wird er dieser erliegen. Bereitwillig und anbiedernd, frei von jeder wirklichen Nachhaltigkeit. 

Auch Du Greta wirst älter werden. Und die Wahrscheinlich dass Du nicht Deine Ideale für Deinen persönlichen Vorteil über Bord werfen wirst, ist verschwindend gering. Wir wollten alle die Welt von Unbill befreien und sind am Ende an uns selbst gescheitert. Erst erhoben wir unsere Finger, dann fingen wir an sie abzuschlagen. 

Wo Resignation zur Vernunft wird, entsteht aus einem Kind ein mündiger Mensch. Der sich damit abgefunden hat, dass es Kohle immer nur für Gehorsam geben wird. Tja meine Liebe, das wird auch Dein Schicksal sein, wenn Du Dich fragen wirst, warum ausgerechnet Du verzichten solltest, wenn andere dies nicht tun.

Nein, der Virus hat uns bei den Eiern. Genießen wir die Ruhe vor dem nächsten Sturm.

Grabenkämpfe

Die Alte geht mir auf den Sack! Und wie sie mir auf den Sack geht. Ich höre mir nun schon seit über einer Stunde ihre Cliches zum Thema Geschlechterkampf an und der einzige Grund warum ich nicht schon längst weg bin, ist eine art von verquerer Ansicht von Kinderstube, derer ich mich gerade nicht entledigen kann. Zuhören tue ich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Ich nicke, stimme ihr zu und denke währenddessen an die süße Kellnerin, die hin und wieder vorbeikommt um zu fragen, ob wir noch etwas haben wollen.

“Ja, da gäbe es schon etwas. Haben Sie zufällig eine überdimensionierte Fliegenklatsche zur Hand? Mir sitzt solch ein penetrantes Exemplar gegenüber und raubt mir den letzten Nerv”, möchte ich ihr gerne sagen. Aber ich schüttle natürlich meinen Kopf und verneine höflich. Nein, alles noch zum Besten.

Schade dass ich nicht mehr trinke. Heute wäre der ideale Zeitpunkt sich so richtig weg zu schießen. Aber ich habe kein Interesse die folgenden Tage mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Irgendwann muss sich die Alte sich ja mal ausgepowert haben. Außerdem schätze ich, dass sie morgen arbeiten muss. Das scheint mir der kleinere Schmerz zu sein.

Ich verfluche, dass ich keine dieser Apps installiert habe, die auf verdeckten Druck einen Scheinanruf initiieren. 

“Sorry, war die Firma. Sie brennt. Ich muss da dringend hin. War wirklich interessant, laß uns ein anderes Mal weiter machen.” 

Dann Nummern austauschen. Natürlich die Falsche. Aber nur eine Zahl verdrehen, damit ich mich rausreden kann, wenn sie es gleich an Ort und Stelle probiert. Oh Mann, das wäre jetzt was. Aber ich habe leider keine solche App, da ich nicht damit gerechnet habe sie zu brauchen.

Die muss doch irgendwann mal fertig werden mit dem Unsinn den sie von sich gibt. 

Ich würde sie am liebsten so laut anschreien wie ich nur kann. Ihr sagen, dass ich im Gegensatz zu ihr  noch die Zeiten mitbekommen habe, wo Frauen nur die Rolle als Heimchen am Herd zugedacht war. Nicht weil ich schon so alt wäre, sondern weil ich aus einem Kaff komme, indem sich Hund und Katz gute Nacht sagen. Und wie mich dieser Umstand früher angekotzt hat. Und das ich so ziemlich der Einzige war den ich kannte und dem es so ging. Weil die Herde der Schafe immer erst retrospektiv ihr Geblöke zum Besten gibt. Die Frauen selbst hatten mich zu der Zeit meist blöde angesehen, wenn ich ihnen vorsichtig auf den Zahn zu fühlen versucht habe, wie sie die beschissenen Umstände nur ertragen können und warum sie nicht einfach in das Essen ihrer bescheuerten Männer rein scheissen oder es, noch besser, gleich vergiften.

Nein, diese Form der Unterdrückung hat diese blöde Kuh nie erlebt. Sie weiss noch einmal am Rande wovon sie spricht. Das zeigen auch ihre Argumente. Manchmal denke ich mir, dass ich der oder dem welcher mir als Nächstes mit der Leier kommt, dass Frauen signifikant in Führungspositionen unterrepräsentiert wären, die Zähne ausschlage. Ein überraschender Haken und dann nachsetzen was das Zeug hält. Als ob diese Idioten jemals in die Verlegenheit kämen von diesem Dilemma betroffen zu sein. Trotzdem machen sie sich zum Erfüllungsgehilfen der Eliten denen sie sowieso scheißegal sind. Ob diese nun weiblichen oder männlichen Geschlechts sind. Schlagt ihnen alle die Köpfe ab, dann ist Ruhe. Das ist, was ich zu der Sache zu sagen habe. Ob ein Arschloch eine Votze oder einen Schwanz hat. Wo soll denn da der Unterschied sein? Worauf spekulieren die? Auf einen weiblichen Hitler? Sollten die sich nicht eher darüber freuen, dass es wahrscheinlich weniger weibliche gemeingefährliche Irre gibt als männliche? Nein, sie fordern lieber aus Prinzip die Quote ohne ihren Verstand zu nutzen.

Wenn ich mir alleine vor Augen führe, dass diese Dorfdeppin mit Titten die mir da gegenüber sitzt so sehr geschminkt ist, dass ich nicht mit Sicherheit sagen kann, welche Hautfarbe sie hat und dass sie an ihren Füßen Schuhe trägt die jeden Gehapparat alleine schon vom Anschauen ruinieren, dann wird mit bei so viel unverfrorener Unreflektiertheit regelrecht schlecht. 

“Wie wärs denn wenn Du zumindest mal aufhören würdest Dich selbst zum Objekt zu machen, du dämliche Kuh”, würde ich ihr am liebsten sagen. Aber die verlogene Antwort die mich auf diese Frage erwarten würde kenne ich zur Genüge. Letzten Endes läuft es immer darauf hinaus, dass mir jemand die Quadratur des Kreises für möglich erklären will.

HERRGOTT LASS HIRN VOM HIMMEL REGNEN ODER SCHICK UNS ZUMINDEST ENDLICH EINEN ASTEROIDEN DER SCHLUSS MACHT MIT DIESEM UNSINN. DU SIEHST DOCH DASS WIR ES NICHT AUF DIE REIHE KRIEGEN!!!

Aber stimmt ja nicht. Schließlich sind wir gerade innig damit beschäftigt uns selbst aus der Welt zu schaffen. Was habe ich nur verbrochen hier eingeklemmt zwischen gehirnamputierten Machos und nicht minder dämlichen pseudo Emanzen zu stecken? Wo zum Teufel ist der Sack in den man die alle rein stecken kann, damit sie sich gegenseitig ihre Köpfe einschlagen und somit das Problem aus der Welt räumen. Weiblich, Männlich, Rechts, Links, Gläubig, Atheistisch, Weiß, Schwarz. Ich bin umringt von Gräben, voll gepackt mit Wahnsinnigen die sich keine Gelegenheit entgehen lassen, sich gegenseitig an den Hals zu gehen. Ich hätte meinen Kindheitstraum wahr werden lassen sollen. Ich alleine irgendwo in einem Wald im tiefen Kanada, hunderte Kilometer um mich herum kein anderer Mensch.

Aber dafür hat mir offensichtlich das Rückgrat gefehlt. Bei wem will ich mich also beschweren? 

Endlich ist sie soweit und will gehen. Ich seufze so laut, dass sie mich ganz verwundert ansieht. Ich ziehe mir irgendeine Ausrede aus den Fingern, die ich in dem Moment schon wieder vergesse, indem ich sie hervorgebracht habe. 

Dann stehen wir vor der Tür. “Und jetzt?”, säuselt sie mich an und macht ein Gesicht, als hätte sie zu viele billige Romanzen konsumiert.

Was jetzt? Du denkst doch hoffentlich nicht wirklich dass ich mit dir ins Bett steige. Selbst wenn es nur für einen Abend sein sollte, was zum Teufel sollte ich spätestens dann tun, wenn sich das verwendete Gummi als eines derjenigen herausstellen sollte, die dann doch nicht so zuverlässig gewesen waren. Ganz abgesehen davon, dass ich mir moralisch Unbedenklicheres vorstellen kann als in diese beschissene Welt ein Kind zu setzen. Nein danke, kein Bedarf ich bin schon satt was das angeht. 

Bei der Gelegenheit muss ich daran denken, dass ich es immer noch nicht auf die Reihe gebracht habe eine Vasektomie bei mir vornehmen zu lassen und beschließe dies mit dem Vermerk DRINGEND auf meine Liste der mittelfristigen Aufgaben zu setzen.

“Tja, das wäre wirklich verlockend. Aber ich muss morgen sehr früh raus”, lüge ich sie an. “Lass uns das doch auf ein anderes Mal verschieben.”

Ob es denn ein weiteres Mal gebe? Natürlich, war doch so schön gewesen. 

Und dann vergisst sie wirklich den Austausch unserer Nummern. Ich gehe normal bis zur nächsten Straßenecke und fange zu rennen an. Wer weiß, vielleicht fällt es ihr noch auf und sie kommt mir hinterher gedackelt. Ihre Mailadresse kann ich ganz einfach in meinen Spamordner schieben, dann habe ich Ruhe. Ich weiß schon warum ich um soziale Medien einen weiten Bogen mache. “Wie ist Dein Facebook Name?” Ich habe kein Konto. Was für eine Gnade.

Die Will Maschine

Die Will Maschine hält mich fest in ihrem Griff. Sie hat mich vollends in Besitz genommen. Wo ich anfänglich dachte, sie würde ihre Umarmung lockern, wenn sie gesättigt ist, merke ich immer deutlicher, sie wird niemals satt sein. Dies ist das Grundprinzip der Maschine. 

“Aber hast Du mich denn jemals mit irgendetwas von diesem ganzen Zeug wirklich glücklich gemacht?”, möchte ich sie anschreien und ihr all die Besitztümer um mich herum entgegenschleudern die sich immer mehr ansammeln und zu keinerlei Ziel führen. 

“Diese ganzen Klamotten, die nur dafür gesorgt haben, dass ich mir besser vorkam als viele der Anderen und die am Ende dazu führten, dass sich Jene von mir lösten die ich aufgrund schnöder Bekleidung verachtete und mir Solche ließ, die sich ebenso verirrt hatten wie ich?”

“Oder diese dämliche Scheißkarre, die mir so sehr zu Kopf gestiegen ist, dass ich den Annoncen viel zu junger Mädchen Glauben schenkte und nicht sah, dass es nur der Status war, den dieses beschissene Stück Blech versprach und der ihr Interesse weckte. Das am Ende dazu führte, das meine wirkliche Liebe mich nicht mehr ertrug und sich von mir löste?”

“War es dieses, aus jeder vernünftigen Fuge geratene Haus, das so herrschaftlich und mondän über allem schwebt und jedem der es sein Eigenen nennt eine Unvergänglichkeit vorgaukelt, die es überhaupt nicht geben kann und das dazu führte dass ich ernstlich am Ende mehr Angst davor hatte, dass es jemand anderem ins Auge fallen würde, der es mir nehmen könnte, als dass ich es genoß?”

“Oder all die Zahlen auf meinem Bankkonto die nie groß genug sein konnten und denen ich hinterher jagte, während das einzige Leben das ich hatte an mir vorüber zog?”

“Du kannst sie haben diese ganze Scheiße! Nimm sie zurück und gib mir dafür mein Leben und meine Lieben, deren Verlust der Preis dieses Besitzes war und der mir nichts dafür hinterließ, dass mir Halt geben kann. Nichts dass auch nur irgendwie einem Traum gleich kommt, sondern nur allgegenwärtig verführerischer Albtraum ist. Nimm all die Dinge und entlasse mich aus diesem Irrsinn, denn ich bereue meinen Weg!”

So schreie ich meine Verzweiflung heraus. Aber da ist niemand, der mir etwas das Eine nehmen könnte um mir das Andere dafür zu geben. Die Maschine hat keine Seele und keine Gestalt. Sie lauert ständig ohne jemals zu sein. Je mehr sich mein Schmerz ins Unermessliche steigert, desto klarer wird mir dieser Umstand. Ich sitze hier inmitten meines Vermögens und bin doch zu nichts in der Lage.

Es gab Zeiten, da war ich glücklich. Hoffnungsfroh weil ich ein Ziel hatte und eine Liebe, mit der ich dieses teilen konnte. Obwohl wir nicht mehr hatten, als es für den Monat gerade so von Nöten war, waren wir erfüllt. Ergriffen von uns und den Möglichkeiten die vor uns lagen. Als dann unsere Tochter auf die Welt kam, vermeintlich viel zu früh und ungeplant, da war es, als könne sich nichts diesem Segen in den Weg stellen, als würden wir ein Spiel spielen, bei dem es nur zu gewinnen gab.

Aber mit den Schritten auf dem Weg zum Erfolg schlich sich irgendetwas ein, dass wir anfangs gar nicht wahr nahmen. Es sei nur eine kurze Periode, durch die wir hindurch müssten, das sagten wir uns immer wieder. Wie ein Mantra beschworen wir es. Solange bis wir fest daran glaubten und den Blick dafür verloren, wohin es uns trieb. 

Und mit dem Erfolg kam die Versuchung, entstand dieser Hunger der so anders war, wie jeder Hunger den wir zuvor gekannt hatten. Es entstand eine pochende Sehnsucht die sich selbst genügte und immer mehr ein Eigenleben zu entwickeln begann. Aber wieder schoben wir alle Bedenken zur Seite und dachten das es sich um einen Preis handeln würde, der nur temporär zu zahlen sei. 

Dies ging so lange, bis wir uns soweit voneinander entfremdeten und damit auch jeder von sich selbst, bis es kein Zurück mehr gab. Keine Paartherapie oder Urlaub oder sonst irgendwas das daran etwas ändern konnte. Daran, dass wir uns auf diesem Weg selbst verloren hatten und das es war, als wären wir von einer hohen Klippe gesprungen und nun verzweifelt versuchten den freien Fall zu bremsen indem wir wie wild mit unseren Armen ruderten. 

Als sie dann auszog und unsere Tochter mit sich nahm, war mir dies sogar ganz recht. Meine Liebsten erschienen mir schon seit längerer Zeit mehr als Belastung denn als Zugewinn und schienen meinem Glück im Wege zu stehen. Natürlich gab es immer wieder Streit, da die Karriere auf der einen und meine Familie auf der anderen Seite an mir zogen. Das Gefühl das es mich dazwischen zerreißt, wurde immer übermächtiger und es entstand eine Belastung der ich mich zunehmend weniger gewachsen fühlte. Als sich dieser Gordische Knoten dann löste, weil meine Frau ihn durchschnitt, war ich froh darüber. Der Druck wich und ich war endlich nicht mehr hin und her gerissen zwischen unvereinbaren Positionen. 

“Dann ist es also eben meine Karriere, die das zentrale Element in meinem Leben ist. Familie ist doch vor Allem eine biologische Falle die uns festhält und verhindert, im Wahn gefangen, immer mehr von uns in die Welt zu setzen, auch wenn wir offensichtlich schon zu viele sind.”

So ging ich auf im Streben nach meiner persönlichen Erfüllung. Und da diese Zeit sehr schnelllebig war und das was laut tönt dazu neigt alles andere zu überdecken, fiel mir gar nicht auf, wie ich mich immer weiter aushöhlte beim Versuch meinem scheinbaren Glück habhaft zu werden. Dabei geriet völlig aus meinen Augen, dass ich mich nur selbst verlor. 

Nun sitze ich hier, inmitten all der Errungenschaften die mir mein Lebensstil ermöglicht und mir wird immer bewusster, dass ich rein gar nichts besitze das von Wert ist. Das Meiste von dem das mich umgibt war nie gedacht dafür die Zeiten zu überdauern und wird nach mir nur die Müllberge mehren die wir vor uns her tragen und die unsere Umwelt belasten. Als Mahnmal eines Wahnes, der sich selbstständig gemacht hat und der nun, im wahrsten Sinn des Wortes mit uns Schlitten fährt. Dabei reden wir uns ein, dass wir obenauf sitzen würden und merken nicht, wie eine Idee Besitz von uns ergriffen hat, die über kein eigenes Wesen verfügt und die deshalb auch niemals inne halten wird. Getrieben von unserer Gier und der wahnhaften Vorstellung dass es immer nur das weitere Paradies hinter dem nächsten Hügel ist, dass uns unser Glück bringen kann.