Kein Loch im Kopf

Die Suppe läuft an mir herunter. Die Waffe in meiner Hand wackelt, da ich wie Espenlaub zittere.

Abdrücken, fertig, gut!

Einfach gesagt. Aber warum zittere ich dann so sehr? Ich schiebe mir das Ding in meinen Mund. Gerade hinein, so tief ich es bekomme. Mein Finger geht zum Abzug. Greift nach ihm. Richtet sich aus. Ist bereit. 

Wenn ich so schiesse, tritt die Kugel am Ende nur am Hals aus. Schlägt ein Loch in die Wand hinter mir. Hinterlässt mich verletzt, aber nicht tot.

Entweder verrecke ich dann langsam, oder irgendein Nachbar ruft Hilfe, die flicken mich zusammen, sperren mich solange ein, bis sie denken, dass ich meine Lektion gelernt hätte und am Ende stehe ich dümmer da, als zuvor.

Warum ist es nur so beschissen schwer sich umzubringen. Diese kleine, scheiss Leben, nachdem mich niemand gefragt hat. Warum zur Hölle werde ich es nun nur so schwer wieder los?

Ich hab noch nie gerne gelebt. Aber ich war immer schon gerne stoned. Auch liebte ich immer schon die Nähe zu einer Frau die mich begehrt. Ihren Herzschlag spüren, ihren Atem. Ihre weichen Brüste. Wie die Warzen sich versteifen, die Hand dann herunter fährt. Zwischen ihre Beine. Klatschnass, im besten Fall. Voll gesogen mit saftiger, tiefer Lust, die einen mitreißt. Wie in einem gewaltigen Strom der einen umfließt und einen einnimmt, nicht um Erlaubnis bittet. Ein reißender Fluss nach der Schneeschmelze. Gewaltig, gewalttätig, echt, tief, ergreifend, verschlingend.

Leider kann man nicht durchgehend ficken oder stoned sein. Alleine schon deshalb, weil man sich das nicht leisten kann. So oder so. Alles kostet seinen Preis und der ist oft weit höher, als er zu Anfang zu sein scheint.

Selten sind die Momente in denen man vollkommen satt ist. Und auch wenn man mal genug bekommen hat, das Gefühl das bleibt ist auch dann nicht angenehm. Es drückt, deutlich. Ein viel zuviel. Eben noch perfekt, der schmale Grat. Kurz darauf dann folgt die Ernüchterung, dass diese Seite des Berges ebenso verklüftet und unwirtlich ist, wie es die andere Seite war.

Der Lauf der Waffe fühlt sich kalt in meinem Mund an. Das Aroma des Waffenöls legt sich über meinen Geruchs und Geschmackssinn. Die ganze Welt scheint mit diesem Balsam der Vergänglichkeit eingesprüht zu sein. 

JETZT DRÜCK ENDLICH AB! TRAU DICH! NUR EIN, ZWEI, MILLIMETER WEIT, DANN IST ES GESCHAFFT. DU MUSST DER KUGEL NUR SAGEN DASS SIE SOLL. DEN REST BESORGT WALTHER.

Ausser die Kugel tritt irgendwo aus, ohne ausreichend großen Schaden anzurichten. Dann bekommt das Horrorhaus meines Daseins einen weiteren Anbau. Von wegen ausgestanden, dann geht es erst so richtig los. 

Denn dann wollen sie dich retten. Natürlich vor dir selbst. Die Welt dort draußen ist nicht das Problem. Die kann niemand ändern und erst recht nicht so biegen, dass sie passt, ob einem das nun recht ist, oder nicht. Nur dich kann man verändern. Und genau das wird dann geschehen. Mit aller Konsequenz.

Spätestens dann wird dir endgültig klar, dass dies nie dein Spiel war und du nie frei entscheiden durftest, ob du es mitspielen willst, oder lieber nicht, oder ob du vielleicht eine andere art von Spiel bevorzugen würdest. Die Freiheit ist ein Gut, dass sich vor allen Dingen auf Papier gut macht. 

Ein neues Kind ist geboren? Na dann, herzlichen Glückwunsch! Aber wozu eigentlich? Der Knirps ist noch nichts. Alles kann sein und nichts muss. Vielleicht überlebt er die erste Woche nicht. Noch bevor er sich bewusst wurde, dass es ihn überhaupt einmal gab. Wenn er Glück hat. 

Vielleicht tritt er aber auch erst später wieder aus dem Leben. Womöglich nachdem er ewig auf der Stelle getreten ist. Aber wer weiß, vielleicht wird er auch etwas erreicht haben, der neue Mensch. Wird zurückblicken auf ein erfülltes Leben, seine Liebsten bei sich. Gut aufgehoben, behütet, vermisst.

Doch dann will er nicht mehr gehen. Bedauert sein Vergehen und die Zeit die ihm dies aufbürdet. Glück ist vor allen Dingen relativ. 

Vielleicht, vielleicht, vielleicht … vielleicht. 

Ich muss den Lauf höher nehmen. So, dass mir die Kugel durch mein Hirn fliegt und dabei soviel wie möglich zerfetzt. Soviel, dass ein zurück undenkbar ist. So undenkbar, dass sie es erst gar nicht probieren. Am besten so sehr undenkbar, dass ich sofort und für alle Zeiten hinüber bin. Ein Haufen Fleisch, befreit davon zu funktionieren.

Aber was wenn ich mir das falsche Teil meines Gehirns wegballere? Es gibt Menschen, denen sind ganze Eisenstangen mitten durch ihren Schädel geflogen und zuerst schien es so, als hätte dies nicht die geringste Auswirkung auf ihre Persönlichkeit. Bis sie sich dann auffällig veränderten, eine neue Persönlichkeit die Alte ersetzte. Meist irgendwie nicht normal. Aggressiver, ungehemmter, animalischer. Wie ein Pan der jedoch die Frauen davon jagt, anstatt sie anzulocken. Dessen Gestank nicht zu Wollust führt, sondern seine Mitmenschen anekelt. Auch wenn die Frauen ihm gegenüber, noch so brünstig sind.

Kein Mann kann den Pan leiden. Ausser diejenigen, die seinen Tricks auf die Schliche kommen wollen und dabei nicht merken, dass es keinen Trick gibt, dem er sich bedient. Er ist ganz einfach er selbst. Einfach so, als sei das rein logisch und als gäbe es nicht die geringste Alternative dazu. Eine Antwort die so einfach ist, dass sie nur verstören kann.

Du willst so ein Pan sein? Dann lass los. Das ist alles das es braucht. Aber ersetze die Dinge die du gerade verloren hast nicht etwa durch etwas anderes, sondern lass Raum für echte Möglichkeiten. So einfach ist es ein Pan zu sein. Beschämend für einen durchschnittlichen Mann, dass er nicht einmal das auf die Reihe bekommt. 

Also, wenn ich das Ding so halte, dass die Kugel mitten aus meinem Kopf, an seiner höchsten Stelle austritt, dann müsste doch genug kaputt gegangen sein. Aber ist dieser Teil meines Hirns derjenige der unersetzlich ist?

Wenn Einstein recht hatte und wir nur 10% unseres Hirns nutzen, dann wäre es doch wesentlich einfacher die 90% zu treffen in denen eh nichts geschieht.

Würde das dann überhaupt einen Unterschied machen? Ausser vielleicht, dass man danach verstellt ist und einem jeder ansehen kann, dass etwas krasses geschehen ist? Etwas dass sich nicht wegdiskutieren lässt, sondern dass dazu auffordert verdeckt, hinter dem Rücken des Betroffenen, kleine, schmutzige Details auszubreiten? Den Schmutz hervorzuholen, den man selbst in dieses System getragen hat?

Wenn die Cops wirklich etwas finden wollen, dann legen sie eben was hin. Und wenn der anständige Bürger etwas braucht das ihm zeigt, dass er besser ist, als das worauf er mit seinem Finger zeigt, dann bringt er die Sache zur Not auch aus eigenen Stücken zum Laufen. 

“Hast du schon gehört was …”

Nur raus aus dieser beschissenen Welt, aber richtig! Nur dass ich eben nicht genau weiß, was das Richtige in diesem Fall ist. 

Vielleicht dann doch vor einen Zug springen. Scheint verbreiteter als der Schuß zu sein. Ist aber eine Sauerei für den Zugführer. Ich kenne welche, die haben ihr ganzen Leben damit gehadert, dass sie diesbezüglich mißbraucht worden sind. Kann mir dann aber auch egal sein. Natürlich aber nur dann, wenn ich mir keinen Schnitzer erlaube.

“Sieh eben selbst zu wie du mit dieser Scheiße hier klar kommst, Zugheini” 

Meine mich liebenden Eltern haben mir diesen Wahnsinn hier angetan. So läuft die Nummer. 

“Wir haben Dir das Leben geschenkt”

Fickt Euch, Ihr habt es nur, verblendet von Geilheit, romantischem Unsinn und konventioneller Feigheit miteinander getrieben weil Ihr Euch nicht zurück halten konntet. Ihr habt mir einen Scheiß geschenkt. 

IHR HABT MIR DAS SCHLIMMSTE ANGETAN WAS IHR MIR HÄTTET ANTUN KÖNNEN!!!

Leider habe ich den Braten zu spät gerochen. Sonst hätte ich Euch schon als kleines Kind erstochen. Sobald ich wusste wie rum man ein Messer hält, hätte ich das getan. Meine mich liebenden Eltern; was für ein Haufen Scheiße soll das denn sein??? Diese erbärmlichen Arschlöcher schaffen es doch nicht einmal sich selbst zu lieben.

Vielleicht sollte ich alle anderen abknallen. Dann hätte ich auch meine Ruhe. Funktioniert aber auch nicht. Zum Einen sind es zu viele und zum Anderen sind Menschen Rudeltiere und damit bin ich das auch. 

Vielleicht nur ein paar schöne, junge Mädels übrig lassen?

Klar doch, weil die ja auch zum Dank für die Nummer mit mir ficken würden. Die würden höchstens dafür sorgen, dass mir das Lachen im Hals stecken bleibt.

Also, wie rum steck ich das Ding jetzt rein, damit es auch seinen Dienst tut?

KLACK!

Verdammt, was war das denn eben? Ich habe doch tatsächlich den Abzug betätigt. Aber es war ein Rohrkrepierer. 

Hast Du noch alle Tassen im Schrank, Alter? Du hältst Dir eine Knarre in den Mund und drückst auch noch ab??? Was stimmt nicht mit dir? 

Und dabei wollte ich es doch so sehr. Aber manchmal sollte man seinen Wünschen gegenüber vorsichtig sein. Schließlich wünscht man sich Bier und Chips zum Blockbuster am Abend und hat dann doch nur scheiße gefressen und gesehen. Sind wir es am Ende selbst, die uns die schlimmsten Dinge antun? So, wie die wenigsten von uns ein Pan sind?

Und sollte ich am Ende ebenfalls eines dieser verabscheuungswürdigen, feigen und rückgratlosen Wesen sein, die mich so sehr anekeln? Ekele ich mich letztlich vor mir selbst? Bin auch ich solch ein Fähnchen im Wind, wie meine Eltern es waren? Ist es vielleicht so wie Milan Kundera es so schön in seiner Geschichte “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” beschrieben hat? Wir scheitern daran, dass das Ergebnis zu offensichtlich ist? Das wir dass, was wir zu erreichen zu versuchen, längst erreicht haben?

Bin ich am Ende gar nicht besser als die Anderen? 

Bin ich vielleicht sogar der Andere für die Anderen?

Dieses Mal hatte ich Glück gehabt. Mehr Glück als Verstand. Es liegt an mir, es nicht mehr soweit kommen zu lassen.

Oh Mann, helft mir doch bitte

“Oh Mann, helft mir doch bitte. Ich hab so einen Hunger!” Er steht am Eingang der Bank in dem sich die Automaten befinden und ist offensichtlich verzweifelt. Ich bekomme solche Behauptungen zwar des öfteren zu hören. Schließlich wohne ich in einer der herunter gekommensten Ecken von Berlin. Dass der Leidtragende jedoch bitterlich weint, während er seiner Verzweiflung Ausdruck verleiht, dass ist mir so noch nie bewusst begegnet. 

Sein Schmerz rührt mich und ich würde ihm gerne helfen. Aber ich habe keinerlei Geld einstecken und die letzten zwanzig Euro die ich mir für diesen Monat aus dem Automaten ziehen kann, sind schon fest für Dope eingeplant. Dafür bin ich extra hier her gekommen. Wenn ich ihm von diesem Geld etwas abgeben würde, müsste ich dafür auf meinen Turn verzichten. 

Zwar erscheint mir Hunger als ein dringenderes Verlangen, als den Drang danach High zu werden, aber so leid es mir tut und so hart es auch ist, es handelt sich nicht um meinen Hunger. Als ich wieder auf die Strasse komme bekomme ich ihn kurz zu Gesicht. Vorher habe ich ihn nur hören können. Er stützt sich auf eine Krücke. Die Hose seines rechten Beins ist abgeschnitten und hochgeschlagen, so genau kann ich das auf die Schnelle nicht erkennen. Er trägt einen Verband an eben diesem Bein. Auch ansonsten wirkt er sehr angeschlagen und mein erster Gedanke ist, dass es weniger der Hunger ist, der ihn zu dieser Verzweiflungstat treibt, als vielmehr irgendein Affe der ihm Genick sitzt und nach seinem Tribut schreit.

Verdammt, die Welt kann schon ein unbarmherziges Etwas sein, denke ich bei mir und überlege kurz, ob ich ihm nicht doch irgendwie helfen kann. Aber ich habe keinerlei Geld, außer den besagten und schon fest verbuchten zwanzig Euro bei mir und mein Drang nach Hilfestellung geht nicht soweit, dass ich mir sonst etwas einfallen lasse. So schwinge ich mich auf mein Fahrrad und denke an eine Aussage eines Buches zum Thema Glücklich sein, dass ich vor einigen Tagen gelesen habe. 

“Machen Sie sich frei davon sich von jedem Problem emotional angesprochen zu fühlen, dass nicht das Ihre ist”, stand dort geschrieben. Soll ich die Gelegenheit nun als Test sehen dieses theoretische Wissen in meine Praxis zu übertragen? Oder ist es nur ein Indiz dafür, welche Kälte hinter solchen Aussagen steckt? Ich bin mir nicht schlüssig. Wie immer gibt es gute Gründe die dafür, als auch Solche die dagegen sprechen.

Vor allen Dingen wird mir bewusst, wie sehr auch ich davon gefangen bin ein Heuchler zu sein. Jeden Tag klage ich die Welt an mit dem was ich tue aber wenn ich in der Lage wäre konkret etwas zu tun, rede ich mich mit Spitzfindigkeiten heraus. 

Einen kleinen Moment lang versuche ich einen anderen Schuldigen zu finden. Die Gesellschaft an sich, den Staat, der letztendlich nur ein anderes Wort für Gesellschaft ist, oder die Leute die ebenso diese Freakshow mitbekommen und die nicht geholfen haben, obwohl sie es hätten tun können. 

Aber auch ich hätte helfen können, wenn es mir denn wichtig genug gewesen wäre. Wichtig genug dafür auf etwas zu verzichten auf das ich gerade Lust hatte. Und ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass es immer darauf hinaus läuft. Schließlich lässt sich immer irgendein Verzicht finden, wenn man nur gründlich genug danach sucht. Vielleicht ist diese Welt ja auch deswegen so ein Scheißhaus, weil auch ich meinen Teil dazu beitrage sie dazu zu machen.

Aber jetzt ist es erst mal gut mit den hintergründigen Gedanken. Ich habe das Geld gegen Rauchstoff umgetauscht und werde erst einmal wieder auf Tauchfahrt gehen. Letzten Endes um mich vor dem Schlechten dort draussen zu schützen, zu dem ich selbst gehöre. 

Fischosophie

Ein Fisch ist nun mal ein Fisch, sagt er sich. Was sollte er dann an Land? Nein, wenn es, wie die Evolution sagt, an der Zeit wäre dass er das Wasser verlasse und dazu bestimmt sei eben jener erste Landfisch zu sein, dann sollte ihn die ganze Geschichte doch mal hinten rum. Er hatte keine Lust da mitzumachen.

Wer weis was ihn dort draußen erwartet? Zwar wusste er, dass er die Luft in ihrer dortigen Form atmen konnte, dass hatte die Evolution ganz ohne weitere Nachfrage so eingerichtet, aber er verspürte keinerlei Verlangen danach von dieser Gabe an Land Gebrauch zu machen.

“Wer sagt mir denn, dass ich dann wieder zurück kommen werde?”, fragte er sich. “Wer gibt mir die Garantie dass dort draussen nicht alles von Monstern wimmelt die nur darauf warten, bis ich so unvernünftig bin, meinen Kopf aus dem sicheren Nass zu strecken.?”

Dabei war das Nass das ihn umgab ebenfalls alles andere als sicher. Viele seiner Freunde hatte schon irgendein Seemonster verschlungen. Ihn selbst hätte es des öfteren beinahe erwischt. Bis dann einer seiner Leute statt dessen daran glauben musste.

“Nein, dass Meer ist kein Zuckerschlecken”, dachte er sich. “Aber hier weiß man zumindest wie es läuft. auch wenn es nicht läuft.”

Ich bin gar nichts

Alle müssen immer irgendetwas sein. Backst Du ein paar Brote zu viel, bist Du ein Bäcker. Interessierst Du Dich für Raumfahrt, ein Astronaut. Aber was zum Teufel machst Du, wenn Du Dich gerne im All rum treibst und dort Brote backst? 

Bei zwei Betätigungen geht es ja noch. Dann kannst Du einfach sagen: Ich bin ein brotbackender Astronaut. 

Was aber wenn Du zudem noch die Frechheit besitzt Dich für, na ja, sagen wir mal, das Reinigen von Schwimmbädern zu interessieren? Geht auch noch. Dann sagst Du eben: Ich bin ein brotbackender Astronaut der sich für die Reinigung von Schwimmbädern interessiert. 

Und erst das Kacken! Ich meine, jeder von uns hat ein ganz persönliches Interesse daran. Die wenigsten sprechen gerne darüber, aber man kann sich sicher sein, dass jeder weiss was damit gemeint ist.

Ich bin also ein brotbackender, sich für die Reinigung von Pools interessierender Astronaut, der zudem regelmäßig kacken geht.. 

Ihr merkt schon, langsam wird es turbulenter. Aber wer wäre ich, wenn ich Euch mit dieser Erkenntnis aus diesem Schlamassel entlassen würde? Nein, meine lieben Freunde, Ihr kennt mich. Meine Böden sind erst dann hinreichend verbrannt, wenn man sie als Solchen gar nicht mehr erkennen kann. 

Nun hat der brotbackende, sich für Poolreinigungen interssierende und regelmäßig kackende Astronaut, natürlich noch andere Dinge für die er sich interessiert. Nehmen wir den Fussball. Viele interessieren sich dafür. Manche verstehen zwar nicht warum, dabei ist das doch ganz klar. 

Neunzig Minuten 22 erwachsenen Vollidioten dabei zuzusehen, wie sie mit äußerster Inbrunst einem Ball hinterherlaufen ist doch eine Hausnummer. Noch Sinnentleerter wird schwer. Dagegen wirkt selbst der fleißigste Hund wie der besonnenste Faulpelz. 

Nehmen wir also an, der Lieblingsverein des brotbackenden Astronauten, der sowohl kacken muss als sich auch für die Poolreinigung interessiert, wäre Fan des Vereins Bayern München. 

Nicht deswegen weil das der coolste aller Vereine, sondern die Wahrscheinlich hoch ist, dass sich nun die meisten von Euch entsetzt an den Kopf greifen und sagen: Oh mein Gott, doch nicht die. DOCH GENAU DIE, meine lieben Freunde. Papa weiß doch was Eure kleinen Herzchen in Wallung bringt. 

Wenn nun dieser kackende, sich für den Fußballverein Bayern München interessierende Astronaut, der zudem noch gerne seinen Pool reinigt und Brot backt, auf die Idee kommt dazu auch noch zu atmen. Na dann reden wir von einem Pool reinigenden und brotbackenden Astronauten, der Fan von Bayern München ist, kacken kann und dazu noch atmet. 

JA VERDAMMTE SCHEISSE, ABER WAS IST DER TYP DENN DANN? DAS HEISST DOCH, WOMIT VERDIENT ER SEIN GELD???

Na ist doch logisch, mit dem Kacken. Seit Pools Umweltsünder sind, ist es zu gefährlich sich als deren Liebhaber zu outen. Astronaut wird sowieso keiner, auch wenn er es noch so gerne möchte, ist wie beim Lotto und wer Brot backt mag zwar etwas zu essen haben, aber verdienen kann man mit dieser Tätigkeit nichts. 

Die Typen von Bayern machen immer einen riesen Aufriss mit ihrer bajuwarischen Tradition wenn man bei ihnen spielen will. Also ist da auch jeder raus, der über keine Vollklatsche verfügt. 

Irgendwie kommt es mir immer wieder so vor, als würden sich Gartengeräte über ihre Daseinsberechtigung unterhalten, wenn man Menschen dabei zuhört wie sie sich über ihren Job definieren, ganz so als ob sie dies in der Regel ausmachen würde. Komisch, ich kenne vor allen Dingen Leute, die Ihren nur machen um sich über Wasser zu halten und die davon träumen irgendetwas anderes zu tun.

Als es noch Berufe gab, war das vielleicht noch anders, Schließlich kommt Beruf ja von Berufung. Heutzutage aber haben die meisten Jobs. Das bedeutet so viel wie, ich halte meinen Arsch hin für … Eigentlich komisch sich übers gefickt werden zu definieren.

Ich sage meistens irgendeinen Blödsinn wenn mich jemand danach fragt was ich mache. Meisten das was ich gerade tue. 

“Oh, danke der Nachfrage, ich trinke Tee.”

Oder auch gut. 

“Na dass ist ja schön, dass du ein echtes Interesse an mir zeigst, ich kratze mich am Bein weils juckt”. 

Und falls ich gerade nichts tue, oute ich mich als Atmer. Ich fange auch gerne an darüber ins schwadronieren zu geraten. Machen die Anderen ja auch so. Meistens über den Job reden. Auch wenn er einen ankotzt und man gerade frei hat. 

Aber der normale Durchschnittsbürger scheint ein Problem damit zu haben, wenn man ihm den Spiegel vorhält. Lachen können nur die wenigsten über sich. Die nehmen alles bierernst, auch, oder gerade dann, wenn es eigentlich um gar nichts geht.

By the way. Noch ein Nachsatz zu Berufen. Das kann ich nicht so stehen lassen. Natürlich war es früher auch nicht besser. Sogar noch schlimmer. Damals wurde man in den meisten Fällen dazu gezwungen dass zu tun, wofür man vorgesehen war. Wahrscheinlich bezieht sich Berufung darauf. 

“Hey ruf mal den Peter, der soll den Müll raus bringen.” 

Also ist der Peter jetzt Müllmann. Er wurde ja schließlich dazu berufen. Eine nette Umschreibung für Zwang. Warum es dann allerdings nicht Bezwangung heisst, kann ich Euch auch nicht sagen. Ist vielleicht wie mit unserem Grundgesetz. “Die Würde des Menschen ist unantastbar”, sollte man auch nicht wortwörtlich nehmen. Außer vielleicht, man steht darauf verarscht zu werden.

Das erinnert mich an meine Kindheit. Damals wurde auch versucht mir jedes echte Interesse an etwas auszutreiben. Natürlich immer nur zu meinem eigenen Besten. Ob es darum ging, was ich anziehen wollte, was mir schmeckte und was eben nicht. Was ich lesen wollte (Hey Kids, kleiner Tipp am Rande: Laßt Euch nie von Eurem reaktionären Vater erwischen wenn Ihr de Sade lest. Der kann abgehen wie Schmidts Katze, kann ich Euch sagen. Und ich weiß wovon ich rede. Also besser ab unter die Decke damit. Aber natürlich trotzdem machen. Sonst werdet Ihr noch so wie Eure Alten. Und wer will das schon? Denn unter uns, die können ja für vieles gut sein. Als Vorbilder eignen sie sich nicht. Seht doch nur in was für eine Scheiße sie Euch gebracht haben.)

Also immer nur zu meinem Besten, ja klar. Wenn ich auf meinen Alten, die Lehrer oder irgendeinen anderen dieser anmaßenden Trottel gehört hätte, wäre ich heute einer von ihnen. 

SCHÖNEN DANK AUCH, BIN SCHON SATT!

So bleib ich lieber gar nichts. Hab ich wenigstens meine Ruhe.

“Hey, geh dem mal lieber aus dem Weg, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank!”

Cool dankeschön, absolut Deiner Meinung. Geh mir mal lieber wirklich aus dem Weg, denn ich habe allen Ernstes einen ordentlichen Hau weg. 

Denn wenn es dazu führt, dass ich den ein oder anderen Trottel nicht ertragen muss, so what?! Es soll mir recht sein. 

Also bin und bleibe ich ein Nichts. Am besten ein gar Nichts.

Und ich hoffe, dass ich mir das noch bis ans Ende meiner Tage bewahren kann.

“Wenn ich so schreiben würde, dass mir alle zustimmen, müsste es so flach sein, dass ich nicht mehr schreiben wollte.”

Es ist schon erstaunlich wie einfach es heute geworden ist, etwas das man erschaffen hat zu veröffentlichen. Und wenn man es nur auf seine Facebook oder Instagram oder sonst eine der vielfältigen sozialen Seiten läd. Und wie alles sich trotzdem immer einem Diktat des Verkaufes unterzuordnen hat. Zu jedem Zeitpunkt den potenziellen Kunden im Auge, der bereit sein könnte dafür zu zahlen. Oft noch lange, bevor sich überhaupt auch nur ein einziger Interessent dafür gefunden hat. 

Man sollte meinen, dass diese mannigfaltigen Möglichkeiten eine nie gekannte Freiheit ermöglichen würden. Aber dem ist so nicht. Vielmehr wird alles zu Content reduziert, ganz so, als ob die Dinge nur noch aus ihrem Schein bestehen dürften und der Inhalt dahinter zurück zu treten habe.

Ich denke dabei zum Beispiel an den neuen Youtube Algorithmus, der unabhängig des jeweiligen Wertes oder der Dringlichkeit dummdreist nach plumpen Indizien Ausschau hält, die irgendeinem potenziellen Werbepartner aufstoßen könnten. Und der dann alles unbarmherzig ausschließt, was nicht diesem primitiven Urteil stand hält.

Ich habe selbst den Fehler begangen, mich von diesem Diktat leiten zu lassen und habe dabei verdrängt, dass dieser Weg den Verlust der Integrität meiner Arbeit zur Folge hat. So wie es allerOrten heute stattfindet.

Wäre dies schon vor fünfzig Jahren so gewesen, es hätte so etwas wie den Rock ´n Roll nie gegeben. Alles was uns aus dieser Zeit geblieben wäre, wäre unsäglich flacher Schlager. Ein Ding wie das Andere, solange bis es bis zur Unerträglichkeit ausgelutscht ist, um dann von der nächsten, unverschämten Oberflächlichkeit abgelöst zu werden. 

Wenn es so weiter geht, bekommt demnächst derjenige den Nobelpreis der sich am meisten anzubiedern versteht. Unsere Kultur bleibt dabei auf der Strecke, wird erlegt und geschändet von einem dumpfen Mammon, der selbst über gar kein Wesen verfügt, sondern sich nur aus unserer Gier rekrutiert. 

Widerworte jedoch sind verboten. Sie schütten Sand ins Getriebe und behindern nur den reibungslosen Ablauf. 

In dieses makabere Spiel ist alles eingebunden. Die Presse, einst Garant für unsere Freiheit, hat sich schon lange kapern lassen von kommerziellen Interessen. Sie hatte sich angemaßt diesen Spagat vollbringen zu können und ist an diesem zerbrochen. Heute schnappt sie nur noch um sich, wenn sie berechtigte Kritik trifft und treibt alles was sich ihr in den Weg stellt in Richtung gefährlicher, rechter Gedanken und Strukturen.

Nein, ich werde mir mein Wort nicht weiter selbst verbieten. Dann schimpft mich ruhig Schimpf und Schande und überschüttet mich mit eurer infarmen Verlogenheit. Aber ich will endlich wieder einmal in den Spiegel sehen können, ohne mich vor mir selbst zu schämen. 

Die Welt da draussen ist am Ende das, was wir aus ihr machen. So wie nur wir selbst Hüter unseres Geistes sein können und diese Verantwortung nicht übergeben dürfen an die Wucht der aktuellen Wellen. 

Es ist gerade einmal einige Jahrzehnte her, da hätten wir lernen müssen, dass Freiheit ein unbequemes Gut sein muss und man sie schützen sollte, gerade auch vor den Dämonen die sich ein bequemes und privilegiertes Leben nennen.

Man braucht nur an irgendeinen dieser Orte gehen, wo sich gerade der Pöpel des Angesagten herum treibt um zu sehen wie verbrannt Erde sein kann. Zertreten unter den abertausenden Füßen die sich der Werte nur bedienen, auf die sie sich berufen. 

Eine der größten Gefahren eines jeden Einzelnen, ist die eigene Eitelkeit. Die den Blick verstellt auf das was um einen herum geschieht und vor allem dem, was man im Herzen trägt. Kein Wunder dass dabei perverse Abnormitäten herauskommen wie wir es in den USA gerade erleben. Das mächtigste Land gelenkt vom entwurzelsten Irren. 

Aber auch wir müssen uns hier an unsere eigene Nase greifen, solange wir sie noch haben. Denn die kommenden Generationen werden uns entsetzt fragen, wie wir, wieder einmal, nicht sehen konnten, was klar umrissen und erkennbar auf uns zukam. Und wie wir den Ernst der Lage dadurch verspotteten, dass wir nichts besseres zu tun fanden, als mit unseren Fingern auf den jeweils anderen zu zeigen. 

“Hier ist die Sau. Verbrennt sie, dann ist wieder Ruhe”, nimmt der altbekannte Irrsinn seinen Lauf und schickt sich wieder einmal an ohne jede Notwendigkeit zu zerstören. Und das was daran glauben muss ist immer zuerst das Reine. Da es sich am wenigsten in Schutz nehmen kann vor dem Schmutz der über es hereinfällt wie eine wilde, zügellose Bestie.