Mad Dog hat´s zu was gebracht

Mad Dog ist, wie der Name schon andeutet, ein echter, harter Mann. Keiner dieser Luschen die mit ihrem martialischen Auftreten nur den Anschein erwecken wollen einer zu sein. Nein, Mad Dog ist wirklich ein harter Hund. Er ist Sergant of Arms bei den 1%tern. Zuständig für die Momente in denen es Stress gibt. Er verwaltet die Schlagkraft der Truppe und er geht immer mit gutem Beispiel voran. Er ist der erste Mann der Sturmspitze. 

Sein Motorrad ist keins von diesen weichgespülten Dingern mit denen jeder Vollidiot der Fahrradfahren kann klar kommt. Seine Kiste ist wie ein Wildpferd. Wenn du nicht weißt wie du damit umgehen sollst, lass es besser bleiben.

Mad Dog ist ein ziemlicher Schrank. Dabei ist er nicht aufgeplustert wie diese Homo Stripper aus der Mucki Bude. Sein gewaltiger Bauch legt klares Zeugnis ab, dass er weiß wie man säuft und frisst. Ein Obelix der erst gar nicht in den Topf voll Zaubertrank fallen musste um so zu sein. Das ist seine Natur. 

So führt er auch seine Maschine. Für einen normalen Motorradfahrer wäre das Teil unmöglich unter Kontrolle zu behalten. Dieser würde den Bock, oder viel wahrscheinlicher, gleich auch sich selbst, schrotten. Jeder normale Mensch müsste denken, dass sein Gerät von jemandem zusammengebaut wurde, der nicht die geringste Ahnung von Fahrdynamik hatte. Aber dem ist nicht so. Mad Dogs Manufakteur wusste durchaus was er tat. Vor allen Dingen wusste er, dass er kein Maschinchen für Pussy´s, sondern einen Bock für einen echten Mann bauen würde.

Und auch Mad selbst hatte oft Müh und Not sich darauf zu halten. Kurvenfahrt, fast unmöglich. Das kleinste bisschen Nässe und es grenzte an Selbstmord ihn überhaupt zu bewegen.

Aber Dog konnte ihn fahren. Und wie er ihn bewegen konnte. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als er in einer nassen Kurve zu weit nach aussen getragen wurde, wegrutschte und die anschließende Rutschpartie mit einem Knall an einer Häuserwand endete. 

So hart Dog auch war, die Hauswand gab weniger nach als er. In ihr hatte selbst er seinen Meister gefunden.

Nun sitzt Dog auf einem anderen Ofen. Er und seine Gang ist eine Familie, da lässt man sich nicht hängen. Sie nehmen ihn überall mit hin. Suchen ihm immer einen schönen Platz aus wo sie ihn hinstellen und von dem er alles überblicken kann. Auch wenn sie wissen das dies eigentlich keinen Sinn ergibt weil Mad Dog nur noch Matsch im Kopf hat.

Das Einzige was sein Mund noch von sich geben kann, ist das Spucke Rinnsal, das beständig sein breites Kinn hinab wandert.

Könnte man ihn heute fragen, ob er es bereuen würde sich diesen Bock angeschafft zu haben, er würde einem eins in die Fresse hauen wollen; wenn er es denn könnte. 

Mad Dog ist ein echter Mann. Und der lässt das Denken auch sein wenn es ihn dafür alles andere kostet.

Max

Max stank wie immer nach Pisse und Kotze.Er lag heben der Toilette und war weggetreten.  Sein T-Shirt und seine Jeans waren völlig verdreckt während er seinen Rausch ausschlief. Ich hatte ihn zu dieser Zeit fast jedes Wochenende gesehen. Immer an der gleichen  Stelle und immer in dem gleichen Zustand. Soweit ich mich erinnere war er mir nie an einem anderen Ort aufgefallen. Ganz so als sei der Klo, die Kotze, die Pisse und Max  ein Ding das untrennbar miteinander verbunden sei.

Der Wirt erzählte mir einmal, dass sie ihn anfänglich noch zur Seite gezogen hätten.  Nach einer Weile jedoch gaben sie es auf und ließen sie ihn einfach dort liegen.

Das Problem bei der Sache war nur, dass es  sich bei der Toilette um die Einzige der gesamten Kneipe handelte. Und so musste  man sich irgendwie mit ihm arrangieren wenn man mußte.

Manche gaben sich Mühe und verrichteten ihr Geschäft an Max vorbei. Andere wiederum  machten sich einen Spaß daraus einfach auf ihn zu urinieren wenn es ihnen danach war.

Ich hatte den Eindruck als ob manche vor allen  Dingen deswegen in diesen Laden kamen um ihn anpissen zu können. Jedenfalls waren es  immer die selben Typen die lachend vom Klo kamen und er war immer dann besonders zugesaut wenn sie dort gewesen waren.

Eines Tages schob ich mich mal wieder an ihm  vorbei um mich zu erleichtern als er zu sich kam. Vor Schreck hätte ich mich beinahe selbst angepisst als er mich plötzlich unerwartet  ansprach.

„Was stimmt nur nicht mit mir,“ kam es  trunken und verschlafen aus ihm heraus. Ich wollte mit der Sache nichts zu tun haben und tat so als hätte ich ihn nicht gehört.

„Ich hatte einmal ein Leben und ich war einmal ein Mensch”, heulte er vor sich hin.  „Schlaf weiter”, murmelte ich und versuchte so schnell als möglich zum Ende zu kommen.

„Ich hatte einmal eine Frau, weisst du?” lallte er weiter vor sich hin.

„Sie war sogar schön und hätte dir bestimmt gefallen. Architektin war sie: Für Innenausbau. Geschmack hatte sie. Da hättest mal die Wohnungen sehen sollen die sie gemacht  hat. Aber jetzt…”

Und plötzlich Schoss  es aus ihm heraus und er heulte wie ein Schlosshund.

Ich hatte glücklicherweise meine Notdurft  zu Ende gebracht und machte das ich davon kam.

Dann ging zur Bar und unterrichtete den Wirt.  Dieser griff sofort mit schlafwandlerischer Sicherheit hinter sich, schnappte sich eine Flasche Fusel und ging in Richtung Klo davon.

Nach einiger Zeit kam er ohne die Flasche  wieder und sagte mir, dass nun wieder alles in  Ordnung sei.

„Das passiert halt hin und wieder wenn er seinen Level verliert. Da hilft nur schnell nachtanken”, sprach er und wischte die Bar.

„Hälst Du es für eine gute Idee ihn einfach  weiter zuzuschütten?!“ fragte ich den Barmann.

„Solange er bezahlt kann er saufen. Ist doch schließlich ne Bar.“

Ich muss mir dringend was Neues suchen, dachte ich bei mir und bestellte noch ein Bier.

Der Teufel trägt keine Hörner und hat auch keine Hufe

Mein Job ist es Dinge für Arschlöcher zu besorgen. Dinge die ihnen sonst niemand besorgen will. Zum Einen weil man sich schnell die Hände damit schmutzig macht und zum Anderen weil niemandem diesbezüglich zu trauen ist.

Der Grund warum man mir traut, ist schlicht und ergreifend derjenige, dass mir das alles völlig scheissegal ist. Denn ich sehe es als das was es ist, ein Job wie jeder andere.

Wer seinen Kopf nicht nur zum Regenschutz benutzt weiß natürlich, dass es einen elementaren Unterschied zwischen Beruf und Job gibt. Das Eine bezeichnet etwas zu dem man berufen ist, dass andere bedeutet, dass man lediglich den Arsch hinhält um irgendwie morgen noch den Arsch hinhalten zu können. Das sagen alleine die Worte schon aus und es wäre völlig offensichtlich, wenn nicht …

Ich fühle mich aber leider zu nichts berufen. War noch nie so und wird wohl auch nie so sein. Wenn es nach mir ginge, würde ich den Morgen mit einer guten Droge im Kreise mir zugewandter Damen beginnen, in der fröhlichen Erwartung auf die weiteren Segnungen des Tages. Leider kann man dies jedoch nur schwer als Berufung verkaufen, weswegen ich, wie die meisten von uns, vor dem Problem stehe, wie ich an die scheiß Kohle komme, die ich für mein Leben benötige und es vielleicht sogar schaffe, dass es soviel wird, dass sich damit ein gebührendes  Leben führen lässt.

Und weil einen Job zu haben nun mal bedeutet, auf die ein oder andere Art seinen Arsch hin zuhalten, habe ich beschlossen etwas zu tun, was wenig Arbeit macht und gut bezahlt wird. Dafür ist es aber leider etwas anrüchig was ich tue. Und damit wären wir wieder am Anfang dieser Geschichte angelangt: Ich besorge Dinge für Arschlöcher.

Nun wird sich vielleicht der ein oder andere von Euch fragen, was ich mit “Arschlöchern” meine? Nun, meine lieben, diesbezüglich sich Fragenden, zieht doch einfach Euren Kopf aus Eurem Arsch, oder wo ihr ihn sonst gerade abgelegt habt und nutzt ihn dafür, wozu er eigentlich gedacht ist. Zum Denken! Denn dann müsstet Ihr Euch keine so selten dämlichen Fragen stellen und ich meine wertvolle Zeit nicht damit verplempern, solche völlig offensichtlichen Dinge zu erklären.

Da ich Euch aber kenne und deshalb weiss, dass Ihr Euren Kopf sowieso nicht finden werdet, sage ich Euch einfach um welche ehrenwerten Menschen es sich bei meinen Kunden handelt. Politiker, Geschäftsleute, Funktionäre, Macher, Reiche und anderes Geschmeiß. Eben die wirklichen Parasiten der Menschheit. Die sich so tief in den allgemeinen Geist hineingefressen haben, dass sie als unverzichtbar gelten und ihr makaberes Treiben nicht nur toleriert, sondern als unbedingt Notwendig betrachtet wird; alternativlos.

Es ist ein makaberes Spiel, dass nur deshalb existieren kann, weil nicht nur der Mensch des Menschen Wolf ist, sondern der Wolf des Wolfes Mensch. 

O.K. zugegeben. So ganz habe ich das jetzt auch nicht verstanden. “Der Wolf des Wolfen Mensch?”. Hört sich selbst für mich,etwas gespreizt an. Aber sei´s drum. Wäre das Erzählen meine Berufung hätte ich schließlich Eine und müsste mich nicht mit so etwas erbärmlichem wie einem Job herum ärgern.

Was ich zu besorgen habe, sind teils erfreuliche Dinge wie Drogen, teils aber auch Dinge die, nun, nennen wir es einmal, etwas unappetitlicher Natur sein können.

Aber wie nun schon häufiger erwähnt handelt es sich dabei um einen Job und dementsprechend hat er eben auch seine unerfreulichen Seiten. Zumindest stimmt jedoch die Bezahlung. Ganz egal ob erfreulich oder auch nicht. Und das ist bei einem Job die Hauptsache. Denn so Scheisse Jobs im Allgemeinen auch sind, zur völligen Katastrophe geraten sie dadurch, dass sie einem noch nicht einmal vernünftig vergolten werden.

Und da dies auf die meisten dieser Jobs zutrifft, kann ich mich zumindest rühmen nicht noch zusätzlich zum gefickt werden auch noch verarscht worden zu sein.

Heute ist einer dieser unerfreulichen Tage. Das Mädchen im Fond meines Wagens zittert leicht vor Angst. Auch wenn man sie nicht darüber aufgeklärt hat was ihr bevorsteht, ahnt sie doch, dass das was da auf sie wartet, nicht gerade erfreulich für sie sein wird. 

Was sie genau mit ihr machen werden weiß auch ich nicht und offen gesagt will ich es auch gar nicht wissen. Aber hey, mein Job ist es ein junges Mädchen zu besorgen, dass niemand vermissen wird. Und ich gehe mal nicht davon aus, dass man in diesem Kontext Gutes mit ihr vorhat. 

Auf ihre verängstigten Fragen nach ihrem Schicksal gebe ich ihr Antworten die angedacht sind sie zu beruhigen. Scheiße, was sollte ich auch sonst tun? Hilft es in diesem Zusammenhang irgendjemandem weiter, wenn sie weis was auf sie zukommen wird? So bleibt ihr zumindest noch für eine kurze Weile die vage Hoffnung, dass diese Erfahrung nicht in einer Katastrophe für sie enden wird. 

Als wir an dem verabredeten Treffpunkt ankommen, erwartet mich dort der Kunde. Dieses mal ist es einer dieser verlogenen Politiker, die in jeder auch nur halbwegs gerechten Welt sofort geteert und gefedert würden um sie im Anschluss zu hängen und dann zur Sicherheit noch zu erschießen.

In der Welt jedoch in der wir uns befinden, handelt es sich um ein geschätztes Mitglied der Gesellschaft. Ein Mann mit hervorragendem Ruf, einer blütenweißen Weste und all den verlogenen Insignien eines modernen Tyrannen. Und all die braven Menschen dort draussen tanzen um das goldene Lamm, applaudieren ihren Antichristen und haben ihre Seele so sicher und unwiederbringlich verkauft, wie das berühmte Amen in der Kirche. Deckel zu und Ruh.

Auf dem Nachhauseweg beginne ich mich darauf zu freuen, was mich nun erwartet. Und zu meinem Glück wartet nicht das berühmt berüchtigte Feierabendbier auf mich. Denn dies ist das Elixier der Idioten. Die sich mit dem Geringsten abspeisen lassen und sich nach all ihren täglichen Qualen auch noch mit Scheisse vergiften, sondern einer Portion der angenehmen Dinge die ich zu besorgen habe. Einer Droge, die ihren Namen auch verdient. Die einen in Watte einzuhüllen in der Lage ist, ohne einen dabei unwiderruflich zu ruinieren.

Ein Elixier der Götter. Hergestellt von wirklichen Könnern ihres Faches. Nach modernsten Maßstäben ersonnen und geheim gehalten für das ordinäre Volk. Etwas Chemie das sich vereinigt mit der Eigenen und dieses unvollendete Etwas mit Namen Ich, zumindest für einen kurzen Augenblick, zu dem macht, was ihm potenziell inne liegt. Einem zufriedenen Geist der sich selbst genügt. 

Dazu, so ist es mein Brauch, zur Einstimmung ein herrliches Bad und aus den Boxen schallt die unbeschreibliche reine Leere eines Bob Dylans in der Interpretation des zwar letztendlich ahnungslosen, aber nichts desto trotz ergreifenden Jimmy Hendrix. Dem Aussichtsturm der die Wahrheit glasklar vermittelt. Für jeden verständlich der seinen Kopf nicht als Mülleimer für Dämlichkeiten, sondern als Tor zur Erkenntnis zu verwenden weiss. 

Und so sehr ich auch diese Welt brennen sehen möchte. In diesen Momenten bin ich mit ihr versöhnt. Nur ich, die Musik, das Bad und diese wunderbare Chemie. 

There must be something out of here …

Bloggerei.de

Hänschen sitzt in seiner Höhle und prangert die Welt an

Die Menschheit gibt es nicht mehr. Sie fand ausreichend Gründe dafür zu sorgen dass dem so ist. Nur Hans ist noch übrig und hat sich in eine Höhle weit oben in den Bergen zurückgezogen von der er einen guten Blick in das Tal hat, dass er einmal mit den anderen Menschen bewohnt hat, als es diese noch gab.

Aber nun sind sie alle weg. Nur der Hans ist übrig geblieben. Die Menschheit hat ihn sozusagen vergessen. Und irgendwie fühlt er sich wie jemand dem keiner Bescheid gesagt hat dass Wandertag ist und der nun alleine in der leere Schule steht.

Wie das alles so genau kam, weiß Hans auch nicht. Aber was er weiß ist das er die neuen Zeiten die heran gebrochen sind nicht leiden mag.

Unten im Tal, dort wo sein Haus steht haben sich nun Tiere und Pflanzen breit gemacht. Sein Garten, den er immer so fleißig gepflegt hatte. Den scheiss Viechern und dem Gestrüpp ist das egal. Die machen sich einfach dort unten breit und tun nichts dafür, dass es ordentlich aussieht. Scheiss Zugereiste, denkt sich Hans und das Ein oder Andere von den Dingern kommt noch nicht mal von hier. Das stinkt ihm ganz schön und am liebsten würde er runter gehen und da mal so richtig aufräumen. Aber er traut sich nicht. Weil die dort unten so viele sind und er ist nur der Hans; ganz alleine hier in seiner Höhle.

“Jetzt sieh sich einer mal dieses dicke graue Schwein an. Scheisst dem Herbert einfach so auf die Terrasse.” Hans kann dort einen Elefanten sehen, der sich gerade dort entleert wo sein verhasster Nachbar vor wenigen Jahren sein Hinterhaus verschönert hat. Dieser muss wohl dem heimischen Zoo entkommen sein. 

“Du dreckiges graues Ausländerschwein”, ruft der Hans mutig hinunter. Doch dann hat er das Gefühl das der Graue das gehört hat und verzieht sich lieber in seine Höhle.

“Möchte mal wissen, wer den ganzen Schlamassel zu verantworten hat”, denkt sich der Hans. “Das müssen wohl die Ausländer gewesen sein. Denn als die noch nicht da waren, gab es ja noch Menschen.” Der Hans meint damit die 20 Flüchtlinge, die in der leeren Schule untergebracht waren. 

“Gerade mal 800 Bewohner und dann 20 Flüchtlinge. Das war doch klar, das das nicht gut gehen konnte.” Hätte man doch nur mal ihn gefragt, als es noch jemanden gab den man Fragen konnte. Er hätte ihnen das gleich sagen können, das so etwas in die Hose gehen muss. Zudem er einen der Flüchtlingsburschen mit eigenen Augen gesehen hat, wie er mit der Tochter vom Müller Klaus händchenhaltend durch die Straßen zog. Da hatte er auch gleich sehen können wie schamlos diese Typen sind. “Nehmen uns unsere Frauen weg und so wie die Kinder machen ist in ein paar Jahren dann gar kein Platz mehr für die Einheimischen.” Aber jetzt muss der Hans innerlich lachen wenn er daran denkt, dass das Ausländerpack auch weg ist.

“Denen tut es recht geschehen”, denkt er so bei sich, der Hans. Das haben die davon. Aber manchmal fragt er sich dann schon, was wirklich geschehen sein mag. Dann muss er an den Sohn vom Lehrer Biesenwirt denken. Dem langhaarigen asozialen Hippie. Wie der ihm immer in den Ohren lag, weil Hans sein Altöl im Wald entsorgte.

“Herr Schmidt, das dürfen Sie nicht tun, davon geht die Welt kaputt.” Was für ein Arschloch, schließlich ist der Hans noch da. Ob vielleicht nicht genügend Leute ihr Öl dort entsorgt haben, fragt er sich. Zudem der Hans doch auch vor ein paar Jahren; oder waren es doch Jahrzehnte, sogar Geld gespendet hat für den Regenwald, als diese kleine junge Schlampe mit dem schönen Arsch ihn auf der Strasse danach fragte? Und die ihn dann noch nicht einmal ran gelassen hatte. Das ärgert den Hans noch heute. 

“Diese dreckige Fotze”, denkt er sich. Ganze 50 Mark hat er ihr gegeben. Und dann ist sie einfach zum nächsten gegangen und hat dem schöne Augen gemacht. Zum Glück ist dass Flittchen jetzt auch tot. 

Wäre aber schon schön, wenn sie jetzt auch da wäre. Er und sie in der Höhle! Da hätte sie ja gar keine andere Wahl mehr als die Beine für ihn breit zu machen. Selbst lesbisch werden wäre dann nicht mehr drinnen. 

Oh Baby, denkt er sich und stellt sich vor wie er sie ordentlich ran nimmt. In seinen Träumen kriegt Hans auch noch einen hoch. In der Wirklichkeit klappt das leider nicht mehr so gut. Und diese blauen Pillen waren ganz schön teuer. Wie sollte er sich das denn leisten können, mit seinem bisschen Stütze. 

Aber die gibt es jetzt auch nicht mehr. Scheisse, denkt er sich, wie soll ich denn jetzt mein Bier bezahlen? Aber dann fällt ihm ein dass keiner mehr da ist der welches machen kann und das Bier nicht auf Bäumen wächst. 

“Da geht die Welt unter und man kann sich noch nicht einmal mehr richtig besaufen.”

Dort unten sieht er einen Hasen auf seinem Rasen sitzen. Oh Mann, der würde ihm jetzt gut schmecken. Ob er sich den angelt? Aber der Hans weis leider nicht wie er das anstellen soll. Schließlich traut er sich ja nicht mehr dort runter. Hast du aber nochmal Glück gehabt, du Hasenassi, denkt sich der Hans und sieht wie das Drecksvieh ihm auch noch auf den Rasen scheißt.

“Wenn ihr so weiter macht, lebt ihr demnächst komplett in eurer Scheiße”, ruft der Hans hinunter. Aber diesmal leiser, damit ihn der Graue nicht hört. 

Hätte er hier etwas zu sagen gehabt, es wäre nicht soweit gekommen. Alles wäre dann so geblieben wie es immer war und gut wäre es gewesen.

Früher war sowieso alles besser. Zwar nicht für ihn, Hans gings immer schon scheisse, aber z.B. für den Rupert dem die Firma war und den er nicht leiden konnte, lief es damals in jedem Fall besser. Jetzt ist der auch weg, der Rupert. “Ha ha ha, jetzt kannst Du Dir Deinen Porsche in Deinen blöden toten Arsch stecken. Ausgeporscht hat es sich.” 

Vielleicht nutzt er ja mal das Dunkel der Nacht und geht doch runter. Und schaut mal in der Villa von diesem Rupert rein. Der hatte sogar eine echte Rolex, aus Gold. Die könnte er sich dann nehmen. Doch dann fällt dem Hans ein, dass eine Uhr ihren Sinn verliert, wenn es keine Termine mehr gibt. Angeben geht auch nicht mehr so gut, wenn da keiner ist der große Augen machen könnte.

Dann geht er eben nicht dorthin und lässt die Rolex liegen. Sollen doch diese überheblichen Schweizer selber kommen und ihren Scheiss einsammeln. Doch von denen ist auch keiner mehr da.

Na die haben´s verdient dass sie weg sind. Denen heult keiner eine Träne nach.

Das ist das Gute daran, dass es, außer ihm, keinen mehr gibt. Denn jetzt entscheidet nur noch Hans wo´s lang geht. Zumindest auf den Menschen bezogen. Jetzt ist er der König und was er nicht will, darf auch kein anderer wollen. 

Vorher war es anders. Da interessierte niemanden was Hans dachte. Seinen bescheuerten Nachbar nicht, die Idioten vom Schützenverein und gerade die Frauen. “Diese scheiß Weiber machen doch eh immer nur was sie wollen.”

Mee too! Ha ha, ausgeheult ihr Fotzen. Erst die Beine breit machen und dann rumheulen. Fickt Euch selber.

Aber wäre doch schön jetzt eine zu haben. Gibt aber keine mehr. Was solls.  

Hinten in seiner Höhle hat er noch einen Sack Kartoffeln. Er weiss nur leider nicht wie er sie warm kriegen soll. Roh sind die Dinger einen Dreck wert; nicht zu gebrauchen. Aber zum Glück gibts ja noch Lebensmittel in den Läden. Nur dass er sich erst mal dorthin trauen müsste. Abends mal schauen. Irgendwann müssen auch diese Drecksviecher mal pennen gehn. Auch der Graue, die Sau. 

“Warte nur Grauer. Wenn Du pennst komm ich runter und hole mir was ich brauche. Da wirst Du Augen schieben, wenn du am nächsten morgen merkst was in der Nacht gelaufen ist. Und du wirst sehn wer hier die Hosen an hat. Du bestimmt nicht, du ungeniertes nacktes Arschloch. Der Graue, dieser blöde Wichser.”

Vielleicht kommen ja mal die Wölfe und reißen ihm den Arsch auf. Dann soll er bloß nicht kommen und nach Hilfe fragen. In Hänschens Höhle ist dann kein Platz für ihn.

Ja, die Wölfe. Gute, deutsche Wölfe. Als sie wieder kamen wollte er sie ja nicht haben. Aber wenn die ihm jetzt gegen den Grauen helfen, dann sieht das anders aus. Und ihm werden sie schon nichts tun. Sind ja schliesslich Landsleute. Vielleicht kann er sich ja zum König der Wölfe ausrufen. Dann zieht er mit ihnen durch die Lande und dann wird gemacht was er will. Vielleicht sucht er sich dann eine Wolfsfrau. Ob er mit der Kinder machen kann? Er weiss es nicht, die Schule war nie sein Ding. Käme also auf einen Versuch an. Wenns klappt, dann kriegen die natürlich gute, deutsche Namen. So wie früher. Als alles noch gut war. Nicht wie in den heutigen Zeiten. 

Von seinen Gedanken berauscht, lässt Hänschen sich dazu hinreissen dem Grauen noch mal so richtig in die Suppe zu spucken. 

“Du fette graue Sau”, ruft er herunter. So, dem hat er´s jetzt aber gegeben. Der wird erst mal keinen Ärger mehr machen. Mal sehn was morgen kommt. Beschissener kanns nicht werden, denkt der Hans. Zumindest eine Sache, auf die man sich verlassen kann. 

Grenzenloses Verständnis

Mit Musik im Ohr, fahre ich meine morgendliche Aufwachrunde mit dem Fahrrad ab. Ich bin spät dran heute. Normalerweise fahre ich los sobald sich die Sonne zeigt, weil dies die einzige Zeit des Tages ist, in der die Stadt noch frei von Maniacs ist. Heute jedoch habe ich gebummelt und ahne schon, dass ich dafür den Preis zu zahlen habe.

Die erste Station führt mich in einen großen Park nicht weit von mir gelegen in dem es ein Gatter gibt das Wildschweine beherbergt. In der Hoffnung diese noch anzutreffen mache ich mich also dorthin auf. Aber ich bin schon zu spät dran. Die Schweine schlafen und haben sich in ihre Hütte bzw. ins Gestrüpp verzogen worin es unmöglich ist sie auszumachen. 

Ich fahre um das Areal herum und sehe, dass gerade der zuständige Tierpfleger kommt. Bewaffnet mit einer Schubkarre, allerlei Eimern und Tüten in denen ich ihr Essen vermute. Er sieht mich an, als hätte ich ihn beleidigt oder würde es gleich tun. Seine Kleidung macht den Eindruck als sei er gerade aus einer verrauchten Eckkneipe hier her geraten. Das letzte billige Bier auf Ex, dann schnell die Fütterung hinter sich bringen und nichts wie zurück. 

Ich frage mich was wohl sein Problem mit mir ist. Ich habe ihm nicht den geringsten Anlass gegeben. Aber er ist wohl einfach bloß ein echter Berliner. Ständig schlecht gelaunt wenn er sich  nicht gerade in verlebten Kneipen zu flacher Musik besaufen kann.

Um seiner schlechten Laune etwas entgegen zu setzen grüße ich ihn mit einem besonders freundlichen “Guten Morgen”. Er sieht mich an als hätte ich ihm ins Gesicht gespuckt. Ich schüttele meinen Kopf und fahre weiter. 

Auf meinem Weg zurück komme ich an einem auffällig getünchten Haus vorbei das aussieht als habe jemand der frei von jeder art von Geschmack ist, eine Reportage über Hundertwasser gesehen und beschlossen dass er das auch könne. Auf dem Haus prangt in großen Buchstaben ein Spruch in tiefem Berlinerisch, dass Verbundenheit mit dem Viertel vermitteln soll. “Ick steh uf men Wedding”. Ein alberner Versuch des Vermieters aus dem schlechten Ruf des Viertels mit Bejahung der miesen Umstände Kapital zu schlagen. Der Wedding ist ein Scheisshaus. Vielleicht ist er das schon immer gewesen. Da hilft kein dämlicher Spruch sondern nur das billige Bier, dass sich seine Einheimischen hinter die Binde kippen.

Einige Straßen weiter fahre ich langsamer. Vor mir eine Frau, hinter ihr ein Junge von vielleicht 8 Jahren. Sie scheinen zusammen zu gehören.

An der nächsten Ampel knallt der Kleine ihr mit voller Ansicht hinten rein. Sie hat Mühe nicht zu Fall zu kommen, dreht sich um und schnauzt ihn an was das solle. Er schreit sie aus vollem Hals an: “Was willst du denn du Fotze? Ich kann machen was ich will.” Es entbrennt ein verbaler Schlagabtausch zwischen den Beiden. Dann schmeisst er ihr seine Tasche mit verächtlicher Geste in den Korb ihres Fahrrads und fährt in Schlangenlinien vorn weg. 

Tja, Scheiße gelaufen, denke ich bei mir, wohl zu spät um den noch abzutreiben.

Ein paar Straßen weiter steht er dann an einer roten Ampel neben mir und sieht zu mir herüber. Ich erwidere seinen Blick ohne etwas zu sagen.

“Was willst du, he”, schnauzt er mich an. Ich sehe ihm ruhig und tief in seine Augen und sage ihm, dass ich ihn für eine Mißgeburt halte und nicht zögern werde ihn notfalls von seinem Fahrrad zu treten. Er schaut mich verdutzt an und fragt sich wohl, ob ich dies ernst meinen würde. Dann versucht er gegen mein Vorderrad zu treten. Ich gebe seinem Rad einen gezielten Tritt, er fällt hinüber, schlägt sich sein Gesicht auf seinem Lenker auf und fängt unmittelbar zu heulen an. 

Da kommt auch schon seine Mutter angesausst und will mich zur Rechenschaft ziehen. Ich blicke ihr tief in die ihre Augen und sage ganz ruhig zu ihr: “Versuch es meinetwegen. Du bist kein Kind. Bei Dir werde ich nicht soviel Rücksicht nehmen..” Sie sieht dass ich nicht Bluffe, steigt von ihrem Rad und kümmert sich um die kleine Ratte. Die Ampel schaltet auf Grün um und ich fahre weiter.

“Ick fühl mich wohl in meinem Wedding.” Klar doch und ich stehe darauf mir in meine Hosen zu scheissen.

Aber letztlich ist es meine Schuld. Hätte ich doch bloß nicht so gebummelt heute morgen.