Nutzlose Eroberungsversuche

Ich muss zu meinem eigenen Bedauern zugeben, dass ich im Bezug auf das andere Geschlecht nie ein sonderlicher Überflieger war. Manchmal wundere ich mich gar, dass ich nicht zu einem jener bedauerlichen Männer wurde, die sich bis in ihre mittleren Jahre hinein, ihre Jungmännlichkeit erhalten mussten. Irgendwie klappte es dann doch. Doch wie das vonstatten ging, ist mir bis heute ein Rätsel.

Aus meiner Sicht lag dies weniger an mir selbst, sondern vielmehr daran, dass das ganze Konzept von Flirt und Eroberung logisch nicht nachvollziehbar ist. Oder sich zumindest äußert diskrepant verhält. Ich zählte immer schon zu den Männern, denen es ein Bedürfnis war, ihren weiblichen Mitgeschöpfen mit Respekt zu begegnen. Leider jedoch schienen Diese gar nicht so behandelt werden zu wollen. Zumindest wenn man ihnen körperlich und nicht nur emotional näher kommen wollte.

So hatte ich immer viele sehr enge Freundschaften zu Frauen unterhalten. Meist deutlich mehr als zu Männern. Ich war derjenige dem sie gerne ihre Sorgen offenbarten, aber nicht derjenige, den sie auch an ihr Höschen lassen wollten. Wenn ich sie dann um ihre Meinung diesbezüglich bat, sagten sie mir in der Regel, dass ich zu nett sei um sexuell attraktiv zu wirken.

Gleichzeitig schimpften sie über die Typen die es nicht waren. Sie litten unter ihnen und verachteten diese, gingen aber dennoch lieber mit denen ins Bett, als mit mir. Natürlich habe ich dann versucht mich genauso wie diese Macker zu verhalten. Aber das fanden sie auch nicht gut und ermahnten mich doch lieber so zu bleiben wie ich bin. Eine ziemlich diskrepante Angelegenheit aus der ich nicht schlau wurde.

Auch die Orte oder die ganze Art, wie so ein Flirt mit Hintergedanken ablief, konnte ich nicht nachvollziehen. Jeder der schon einmal eine gut besuchte Disco besucht hat weiß, dass man vielleicht vieles dort anstellen kann, es jedoch unmöglich ist, sich dort auch nur halbwegs vernünftig zu unterhalten.

Dementsprechend waren die anmach Gespräche auch gelagert. Ich habe mich, wenn sich die Gelegenheit dafür ergab, gerne in die Nähe erfolgreicher Aufreißer gestellt um herauszufinden, welche Themen sie verwendeten um die Damen ihrer Begierde dazu zu bringen sich ihnen körperlich zu offenbaren.

Was ich dort hören musste ergriff mich regelmäßig mit tiefem Entsetzen. Selbst wenn die Frauen ansonsten noch so intelligent waren, in diesem Kontext schienen sie es vergessen zu haben. Diese Phrasen waren so dumm, dass dagegen der Furz eines verpeilten alten Esels Nobelpreisverdächtig ist.

“Hat Dir schon mal jemand gesagt wie hübsch Du bist”, war beispielsweise einer davon. Und ja, dass hatte ich denselben Frauen wenn ich mit ihnen befreundet war, bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesagt. Was aber nie dazu geführt hatte, dass sie in amouröse Stimmung gekommen wären. Vielleicht war es auch mein Fehler gewesen, da ich dies ernst meinte und es vor allen Dingen sagte um meine Freundinnen aufzubauen und nicht um sie aus ihrem Höschen zu bekommen.

In jener lauten Umgebung jedoch, hervorgebracht durch einen Typen der schon einem Großteil ihrer Freundinnen das Herz gebrochen hatte, wirkten solch aufgesetzte Äußerungen wahre Wunder. Sie wendeten dann etwas peinlich berührt ihren Blick ab, lächelten, strichen sich durch ihr Haar und ich konnte vor meinem geistigen Auge sehen, wie sie es gar nicht abwarten konnten bereitwillig ihr Höschen abzustreifen.

Spätestens ein paar Tage später, heulten sie sich dann bei mir aus, welch blödem Arsch sie auf den Leim gegangen wären. Und ich hab mir das dann auch noch angehört und nicht meinerseits die Situation ausgenutzt.

Tja, und so erscheint es mir nahezu als Wunder, dass es dann doch hin und wieder funktionierte. Erstaunlicherweise immer dann, wenn ich mich soweit mit dieser Situation abgefunden hatte, dass mir die Frauen egal geworden waren. Das fanden sie dann reizvoll. Warum dies jedoch so wahr, verstehe ich bis heute nicht.

Frauen wollen gut behandelt werden. Dann jedoch scheint ihre Libido eine Pause einzulegen. Es gibt diesen Spruch, dass nur die bösen Jungs die Herzen der Mädchen erobern würden. Warum auch immer, scheint da etwas dran zu sein.

Eines Tages hatte ich also die Nase endgültig voll und besuchte einen so genannten Pick up Artist Kurs. In diesen Kursen geht es darum, den Teilnehmenden Männern Techniken näher zu bringen, wie sie Frauen ins Bett bekommen. Diese können solche Techniken gar nicht leiden. Warum die Tricks dann jedoch funktionieren, kann ich mir nicht erklären. Also scheint doch etwas dran zu sein.

Wir lernten dort so durchtriebene Sachen wie zum Beispiel, dass man, wenn man das schönste Mädchen einer Clique kennen lernen will, die am wenigsten attraktive von ihnen ansprechen solle. Der Schönen würde das dann so sehr aufstoßen, dass sie alle weitere Zier über Bord werfen und Euch um den Hals fallen würde. Hört sich bescheuert an, funktioniert aber erstaunlicherweise.

Oder das Gockel Prinzip, das besagt, man solle sich irgendwie bescheuert auffällig kleiden und alleine durch dieses mutwillige und aufgesetzte herausstechen aus der Masse, würden die Damen auf einen aufmerksam. Und das sogar im positiven, Höschen freien Kontext. Scheint genauso bescheuert zu sein, funktioniert aber ebenfalls.

Bedeutet dass nun, das Frauen im Grunde ihres Herzens dämliche Wesen sind, die mit echter Aufrichtigkeit nichts anzufangen wissen. Dies ist eine der Fragen, die ich mir nicht wirklich beantworten will. Gerade weil ich befürchte, dass das Ergebnis mich nicht erfreuen würde.

Hin und wieder gibt es natürlich auch junge Damen, die über diesen Dingen stehen. Solchen vermochte ich dann manchmal, wenn es passte, näher zu kommen. Leider sind diese jedoch eher spärlich gesät. Aber ihr kennt das ja, vergleicht einfach die Einschaltquoten vom Bachelor mit denen der philosophischen Sternstunde, dann wisst Ihr was ich meine. Scheiße ist nun einmal vermittelbarer als Gold.

Oder seht Euch die Anzahl der Likes auf Spotify und Konsorten an. Irgendein immer gleicher Unsinn, der zu 99,9% im Rechner entstanden ist und zu dessen Erschaffung es nahezu keinerlei musikalischer Talente bedarf, toppt mit Leichtigkeit Musik, vor der sich jeder Fachkundige, nur danieder knien kann.

Also scheint die Mehrzahl der Frauen ebenso hohl wie die meisten Männer zu sein. Nur eben mit etwas anderen Auswölbungen.

Dabei scheint mir dies weniger mit ihrem Intellekt als mit ihrer Konformität zu tun zu haben. Je angepasster und widerspruchsloser ein Mensch ist, umso mehr scheint er, oder in diesem Beispiel sie, sich damit abzufinden, für dumm verkauft zu werden. Oder es geradezu zu erwarten.

Kein Pfad kann dann ausgetreten genug sein, kein Cli­ché zu abgegriffen und keine Pointe vorhersehbar genug. Oder wie eine Freundin von mir einmal ihren Bruder ermahnt hat, der es sich ebenfalls schwer mit Frauen tut: “Du darfst nicht so zimperlich sein. Die meisten Frauen wollen nicht gut behandelt werden, sie behaupten es nur.” So etwas aus dem Mund einer lesbischen Emanze zu hören, hat schon etwas Verstörendes.

Dassss bedeutet Krieg!!!

Verdammt was war das denn??? Ich sehe auf meinen Arm herunter und kann die Stelle der gemeinen Attacke genau sehen. Ein kleiner roter Punkt findet sich da, von wo ein pochender Schmerz sich ausbreitet, der wie die Hölle brennt. Zuerst begreife ich gar nicht was geschehen ist. Dass ich einem Hinterhalt ins Netz gegangen bin, ist mir bewusst. Aber wer der Feind ist und von wo er kam, kann ich im ersten Moment nicht ausmachen. 

Zuerst denke ich, dass mich eine Biene erwischt hat. Dann aber fällt mir ein, dass Diese sich bei einem solchen Angriff den Stachel aus dem Hinterleib reißen der weiter in der Wunde pocht. Aber da steckt kein Stachel, sondern die Einstichstelle sieht eigentlich recht unspektakulär aus. Ein kleiner roter Ring umgibt den Punkt des Einstichs, der eigenartigerweise selbst gar nicht rot ist, sondern eher so blass wirkt, als habe die Haut an dieser Stelle ihre Pigmentierung verloren. 

Doch dann kann ich den Übeltäter erspähen und es fährt mir ein entsetzlicher Schrecken in Mark und Bein. Es handelt sich um eine Hornisse. Eines dieser Mistviecher, die mit nur 7 Stichen ein ganzes Pferd killen können. Einfach so. Sieben rein und raus, dann vielleicht noch ein kurzes Wiehern, ein dumpfer Fall und der arme, meist wohl recht ahnungslose Gaul ist hinüber.

Und das, obwohl er um soviel größer ist, als die anscheinend doch recht kleine und dadurch auch verletzlich wirkende Hornisse. Ziemlich gemein aber vielleicht auch gut für das Pferd, dass es tot ist. Wie sollte es schließlich mit der Schande leben, von solch kleinen Rabauken besiegt worden zu sein, die wahrscheinlich noch nicht einmal ein Hundertstel seines Körpergewichtes ausmachen. 

Aber den Hornissen ist das egal. Diese sind üble Halunken, denen jedes Mittel recht ist um ihre Terrorherrschaft zu verbreiten. Ein totes Pferd hier und da nehmen die skrupellos in Kauf. Das ist denen scheißegal. Die denken keine Sekunde daran, dass der Rappe vielleicht eine Familie hat, die gerade erwartungsfroh auf ihren Versorger wartet, während dieser in einer feigen und unpferdlichen Art dahin gestreckt wurde. 

Denn Pferde sind nicht so. Die rotten sich nicht zu siebt zusammen und machen sich auf die Suche nach arglosen Hornissen Opfern denen sie den unwiederbringlichen Tod bringen können. Nein, ein Pferd tritt höchstens mal irgendwo drauf, oder schlägt aus versehen so mit seinem Schwanz, dass dabei schon einmal eine Hornisse ihr Ende finden kann, aber immer nur als Kollateralschaden dessen, was das Pferd zu diesem Schritt bewogen hat. Nämlich entweder das ihm der Arsch juckt, oder dass es eben irgendwo hin will. 

Außerdem bilden Hornissen keine Familienstrukturen im Sinne der Pferde. Die scharen sich einfach zu dutzenden um ihre fette Königin und kein Mensch, Pferd oder eben geflügelter Unhold kann mir erzählen, dass es auffallen würde, wenn eine Einzige plötzlich nicht mehr in ihr Nest zurückkehren würde. 

Mit anderen Worten hat es viel schlimmere Auswirkungen, wenn ein Pferd stirbt, als wenn solch ein gelb schwarz gestreiftes Schwein sein Leben verliert. Aber das ist diesen Mördern der Lüfte völlig egal. Die machen keine Feinde und verfügen mit Sicherheit über nichts, dass sich Gewissen schimpfen kann.

Aber bis hierher und nicht weiter sage ich mir. Ich werde mich nun todesmutig wie ich nun mal bin dieser lebendig gewordenen Pest gegenüber stellen und keinen Zentimeter weichen, bis ich nicht den letzten von Ihnen unwiderruflich zur Hölle geschickt habe. 

Doch dazu muss ich erst einmal herausbekommen, wo sich diese feige Bande versteckt hält. Also folge ich unauffällig meinem Angreifer und dieser naive Depp führt mich natürlich direkt zu seinem Nest. So unbarmherzig diese Dinger auch sind, so dumm sind sie auch. Wie kann der denn etwas so großes und überragend intelligentes wie einen Menschen überfallen und dann nicht einmal seinen Fluchtweg einigermaßen verdeckt halten? Das spricht nicht gerade für ein besonders reflektiertes Verhalten, aber eben dafür, dass es sich bei diesen Barbaren um reine Unruhestifter ohne jedes weitere Konzept handelt. Geboren werden, um Scheiße zu bauen. Das ist das Einzige das diese kleinen, blöden Wichser auf die Reihe kriegen.

Aber damit soll jetzt Schluss sein. Jetzt wo ich weiß, wo Ihr zu finden seid, hat Euer letztes Stündchen geschlagen. Dafür werde ich schon sorgen. Da könnt ihr noch so lange in Eurer Behausung sitzen und feixend über Eure erbärmlichen Taten lachen. 

DAS BEDEUTET KRIEG!!!

Da diese Dinger in der Überzahl sind, stürze ich natürlich nicht unbedacht hervor und greife sie an. Schließlich war ich beim Militär und wurde dort im Töten und strategieren ausgebildet. Zwar durften wir nur ein paar Mal auf eine Pappwand schießen und haben diese auch meistens nicht getroffen, aber besser eine schlechte Ausbildung als gar keine, denke ich bei mir und überlege mir eine wirkungsvolle Strategie. Obwohl ich bei dem Gedanken an den Wert meiner Ausbildung dann doch überlege, ob ich nicht eher als Kanonenfutter angedacht worden war.

Wie zu jedem guten militärischen Plan gehört das genaue Erörtern der Eigenen und der Feind Stärke im Vorfeld zwingend dazu. Man muss präzise abschätzen können, was einen erwartet. Überraschung führt in diesem Kontext schnell zum Tod. Entweder der Einen oder der anderen Seite. Je nachdem wer wen überrascht und wer der trottelige Überrumpelte ist. Ich kann auf den ersten Blick sehen, dass diese üblen Gesellen dies nicht bedacht haben. 

Obwohl ich kein Horrnissich verstehe, kann ich ihr emsiges Gesumme doch genau interpretieren. Sie prahlen mit ihren bösen Taten und berauschen sich daran. Das ist ganz deutlich zu vernehmen und je genauer ich hin höre, desto präziser kann ich ein einzelnes Summen im Haufen des wilden Gesäusels ausmachen. Das ist die Sau, die mich angegriffen hat, da bin ich mir ganz sicher. Ich kann förmlich hören wie er sich, im Kreise seiner ehrlosen Brüder damit brüstet und mich mit Schmähungen bedeckt, für die jedem Kind der Mund mit Seife ausgewaschen würde. Zumindest so fern es keine dieser asozialen Eltern hat, die ihm alles durchgehen lassen. 

Ich würde waschen und glaubt mir eins. Es gibt auf der ganzen Welt nicht genug Seife die dafür reichen würde, wenn das mein Bengel wäre, der sich so daneben benimmt.

Aber ich habe keine Kinder die Scheiße bauen könnten. Ist vielleicht auch besser so. Zum einen für die Seifenhersteller, die dann nicht mehr zur Ruhe kämen und zum anderen für das Kind selbst. Denn eines ist klar, ich möchte mich nicht zum Vater haben. Jemand der bereit ist, Kindern solche Dinge anzutun sollte keine haben. Streng genommen würde eine Gesellschaft die etwas auf sich hält sogar solche Typen wie mich zwangssterilisieren, um sicher zu gehen, dass sie ihre irren Vorstellungen nicht in die Tat umsetzen. 

Aber hier geht es nicht um meine Erziehungsmethoden, sondern darum, dass sich hier nun eine Heldentat auftut die es kaum erwarten kann von mir begangen zu werden.

Sieben von denen killen also ein Pferd. Wie viele Stiche mich wohl treffen müssen, um meinem Leben ein Ende zu bereiten? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Die Nummer mit den Pferden kann man des Öfteren in diesem Kontext hören, aber von Menschen und einer konkreten Anzahl war bisher nie die Rede. 

Aber ich schätze mal, dass es weniger sind, denn schließlich ist so ein Pferd doch um einiges schwerer als ein Mensch. Aber um wie viel? Und um was für ein Pferd handelt es sich denn überhaupt dabei? Die gibt es doch in verschiedenen Ausführungen und Größen. Verdammt, mir fällt gerade auf, dass ich nicht die geringste Ahnung von Pferden habe. 

Mir waren diese Burschen nie ganz geheuer. Schon alleine deswegen, weil sie immer so auf peacy machen und dann so mir nichts dir nichts die Herzen kleiner und größerer Mädchen stehlen. Denn irgendwie scheinen diese Dinger so etwas wie die Casanovas der Tierwelt zu sein. Kaum steht so ein Ding irgendwo herum und eine Frau geht daran vorüber, ist es um sie geschehen. Ab diesem Zeitpunkt hast Du auch als Mann keine Chance mehr. 

Habt Ihr mal deren Schwänze gesehen? Und ich meine nicht die, welche sie hinten angetackert haben. Da kann mir doch keiner erzählen, dass man die Mädels die so etwas kennen danach noch mit einem menschlichen Glied beeindrucken kann. Sei es auch noch so groß und eindrucksvoll. Das, ist auch der Grund warum ich Pferdefrauen immer aus dem Weg gegangen bin. 

“Du hast ein Pferd; und tschüß”, war da immer mein Motto an das ich mich eisern gehalten habe. Diese scheiß Hengste haben mir schon so manches Mal die Tour vermasselt. Da kann ich ein Lied von singen. 

Aber jetzt geht es gerade nicht um Pferdeprügel, sondern darum herauszufinden wie oft ich wohl in so ein Ding hinein passe. Natürlich gewichtsmäßig, nicht dass das jetzt in den falschen Hals kommt. Obwohl, wenn ich es mir so überlege. Die Pferdefrauen müssen doch total ausgeleiert sein. So wie deren Männer bestückt sind. Die müssten doch froh sein wenn sie mal jemand besteigt, ohne sie dabei halb auseinander zu reißen. Wäre das nicht eine Gelegenheit sich für die jahrelange Demütigung die ich durch diese verdammten Hengste erfahren habe zu rächen? 

Eric, bleib am Ball. Du führst gerade einen anderen Kampf. Die Rache an den Gäulen muss warten.

Da ich, wie schon gesagt, im Grunde nicht den geringsten Plan von Pferden habe, aber nicht weit von meinem Grundstück entfernt welche leben, beschließe ich dort hinzugehen um deren Gewicht abzuschätzen und so endlich herauszubekommen wie viele Treffer ich mir leisten kann, bevor ich zu Boden gehe. 

Glücklicherweise hat der Bauer, an dessen Tiere ich dabei gedacht habe, gleich viele verschiedene Rassen auf seiner Koppel stehen. So als hätte er geradezu damit gerechnet, dass einmal jemand kommen würde, der einen genauen Überblick über diese Dinger braucht. Von Riesenhundgröße bis hin zu einem Koloss der auf mich wirkt als wäre es kein Gaul, sondern ein verkleideter Elefant, steht alles darum. Praktisch!

Ich beginne also abzuschätzen. Das Minipferd scheint nicht schwerer als ich zu sein. Vielleicht ist es sogar etwas leichter. Dann könnte ich gut fünf bis acht Stiche einstecken bevor ich die Biege mache. 

Die Dinger der mittleren Größe schätze ich mal auf so zwei bis dreihundert Kilo. Dass würde bedeuten, dass es schon ab zwei bis drei Stichen brenzlig werden könnte. Und einen habe ich immerhin schon abbekommen, blieben also nur noch zwei.

Dann sehe ich zu dem Elefanten rüber. Verdammte Scheiße, denke ich bei mir. Welch fürchterlicher Gott hat denn so ein Ding erdacht? Der Kerl ist so riesig, dass es gar nicht mehr wie ein Pferd, sondern eher wie die pervertierte Superschurkenversion eines Pferdes auf mich wirkt. Heiliger Joseph. Wenn das Ding nach sieben Stichen tot umfällt, müsste ich von dem Einen, der komischerweise schon gar nicht mehr wirklich weh tut, schon lange tot da liegen. Was geben die dem zu fressen? Anabolika gewürzt mit Steroiden? Und das pur? Viele Kiloweise jeden Tag? Verdammt. Wenn ich mit den Hornissen fertig bin, muss ich mich unbedingt um die Pferde kümmern. Da droht ja vielleicht eine noch viel größere Gefahr, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte.

“Aber Pferde sind doch Pflanzenfresser, da brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen”, höre ich meine Vernunft altklug Eingebungen verteilen.

“Ist mir doch scheißegal was die fressen!!! Hornissen vertilgen auch nicht die Gäule, die sie getötet haben! Was soll das denn für eine bescheuerte Begründung sein? Verdammter Verstand, ich dachte, Du bist auf meiner Seite.”

Aber jetzt gerade bekomme ich das beklemmende Gefühl, dass er mich reinlegen will. 

“Dann geh Du doch mal zu diesem Ungeheuer und zeig mir das es Dich nicht auffrisst, oder einfach nur zum Spaß killt. Aber ich bleib hier stehen und eins kann ich Dir sagen: Zähle nicht auf mich, wenn diese Nummer schief geht! Ich springe für diesen Schwachsinn mit Sicherheit nicht in die Bresche. Dann hab ich halt keinen Verstand mehr. Als ob das einen großen Unterschied bei mir machen würde. Nein, nein Junge. Meine Welt geht nicht unter wenn Du weg bist. Schließlich war ich auch oft nicht gerade gut beraten, wenn ich auf Dich gehört habe. Denn wollen wir mal ehrlich sein, der aller fitteste warst du nie. Dann geh halt hin zu diesem Scheissding. Ist mir doch egal. Blöder Wichser!!!”

Also wirklich, ich lasse mich doch nicht von meinem eigenen Verstand verarschen. Da könnte ja jeder kommen. So ein Penner. Kein Wunder, dass mein Leben sich so absurd entwickelt hat. Mit einem Verstand der einem so einen Scheiß einredet? Das konnte ja gar nichts werden mit mir.

“Ja, geh ruhig hin. Wenn Du noch ein bisschen wartest, hole ich Dir ein Stück Zucker, damit Du es anlocken kannst.”

Was für ein Vollidiot!!!

Aber hey, ich bin doch extra hergekommen um herauszufinden wie schwer Pferde sind um zu überschlagen wie viele Stiche ich im Krieg mit den Hornissen überleben kann, bis diese mich dahingerafft haben. 

Aber jetzt zeigt sich, wer der eigentliche Feind ist. Es ist mein eigener Verstand, die heimtückische Hyäne. Und gegen den weiß ich mich zu wehren, dafür trage ich ihn schon lange genug mit mir herum. 

Ich gehe jetzt erst mal kräftig einen Saufen. Die Hornissen und Pferde müssen sich dann eben noch was gedulden.

Kuhausflug

Das Leben ist eigentlich recht eintönig wenn man, wie ich, eine Kuh ist. Morgens wird man gemolken, danach gibts Essen und dann steht man eben so rum. Ein wenig Scheißen, immer mal wieder einen Strahl loslassen wenn es einem danach ist. Viel mehr ist nicht. Ach ja, hätte ich beinahe vergessen. Das sporadische Muhen wenn was passiert das einem auffällt. Dann bedeutet dieses Muh zumeist: “Ja ich will auch essen, her damit”. Oder “häng mir die Maschine an, mein Euter drückt.” Wir Kühe sind nicht so gesprächig und eigentlich auch recht genügsam. 

Aber es gibt da diesen großen Tag. Der irgendwann allen von uns bevorsteht, je nachdem wann man reif dafür ist. Die Einen sind schon als kleine Kälber soweit. Die Anderen müssen sich länger gedulden. Aber irgendwann ist es für uns alle soweit. Dann werden wir abgeholt und es geht auf das was wir das “Muh, muh, m,muh muh, MUH”, nennen. Die große Reise. Von der wir nicht mehr zurückkehren. Sozusagen der ewige Abstecher nach Kuhhimmel. Jede Kuh freut sich darauf, denn dann ist endlich mal Aktion angesagt. Und wäre es nicht ziemlich enttäuschend wenn die meist jahrelange Kuhausbildung die im Groben und Ganzen aus nichts tun besteht, nicht auch für irgendetwas gut wäre? 

Wenn dieser Tag gekommen ist, kann aus einer ansonsten langweilig erscheinenden Kuh plötzlich so vieles auf einmal werden. Steaks, Gehacktes, was zum Kochen und der Rest wird dann zu Hundefutter. Eine ziemlich diversifizierte Karriere, daß müssen Sie schon zugeben.  Vorher gibt es eine kleine Spritze gegen die Aufregung. Denn es ist doch wohl verständlich, daß sich davon plötzlich viel breit macht. Wo doch alle unsere Wege auf dieses eine Ziel hin steuern. Da kann man es schon mal an die Nerven bekommen. Kühe sind ja schließlich keine Kaltblüter. Aber o.k. , ich gebe es zu, der Witz war jetzt etwas flach. Ich bin halt auch nur eine Kuh. 

Bei mir ist es morgen soweit. Ich stehe in meiner Box und bin schon voller Vorfreude. Wie das wohl sein wird? Das Bolzenschußgerät am Schädel, dann ein kurzer aber heftiger Knall, daß einem Hören und Sehen vergeht.

Davon, dass sie einem dann den Hals aufschlitzen, bekommen die meisten von uns, vor lauter lauter, gar nicht mehr richtig was mit. 

Schade, denn eigentlich fängt der Spaß dann doch erst so richtig an. Die Hinterläufe werden fest zusammengezurrt und schwubs geht es auch schon hinauf in die Lüfte. Mit dem Hintern voran, damit das Blut schön aus uns heraus fließen kann. Im Anschluss ist dann schon jemand zur Stelle, der uns mit einer riesigen Säge in einem Zug in zwei Hälften teilt. Aus einer Kuh werden da urplötzlich Zwei; Zauberei. Leider bekommt man dies jedoch als Kuh schon gar nicht mehr mit. Man kann es nur an den Kameraden beobachten, die vor einem dran gekommen sind. 

Lisa war schon immer meine beste Freundin. Auch bei dieser Reise bleiben wir zum Glück zusammen. Als ich sehe wie aus der einen Lisa zwei werden, bin ich ganz beeindruckt. Gleich wird es bei mir soweit sein. 

Viel mehr kann ich zu dieser Sache auch gar nicht sagen. Verständlicherweise. Wie sollte man auch etwas erzählen wenn es einen gar nicht mehr gibt? 

Dann bleibt mir nur noch einen guten Appetit und auch Ihnen eine gute Reise zu wünschen wenn es soweit ist. Denn Sie können ganz beruhigt sein. Zwar treten Menschen nur äußerst selten die Kuhreise an, aber auch Sie werden irgendwann die vergnügliche Erfahrung des großen Ausflugs machen.

Wettrennen

Ha, ha, ha. Jetzt rennt die Alte hinter mir her. 

Während ich laufe, lache ich mich schlapp. Als ob eine Frau mich einholen könnte. Man weiß doch wie die laufen. Die Arme durch die Luft rudernd als ob sie Fliegen fangen wollten. Kein Wunder dass die nicht vorankommen. Tja Baby, meine Hand an Deinem geilen Arsch wirst Du nicht mehr rückgängig machen können. So sehr Du Dich jetzt auch zum Affen machst. Ich laufe und lache und höre plötzlich Schritte näher kommen. 

Verdammt, hat die Alte jetzt irgendeinen möchtegern Helden gefunden der Ihre Ehre retten will. Damit hab ich aber nicht gerechnet. Da war doch keiner weit und breit. Ich habe extra drauf geachtet. Aber irgendwer kommt näher, das kann ich deutlich hören. Ich drehe meinen Kopf im Lauf um zu sehen mit wem ich es zu tun habe. 

Das kann doch jetzt nicht wahr sein, es ist die Alte! Hab ich wirklich die einzige Frau erwischt die rennen kann? Verdammt! Aber ich habe noch Reserven und ziehe das Tempo an. Zwar bemerke ich augenblicklich, dass meine Lunge diese Geschwindigkeit nicht lange mitmachen wird, aber was soll’s. Für ein paar Meter und damit einen sicheren Vorsprung sollte es reichen. 

Aber Pustekuchen, die blöde Kuh bleibt dran. Auch sie hat ihre Geschwindigkeit erhöht. 

Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Was ist die? Eine Leistungssportlerin? Dann muss ich mein Tempo eben noch etwas erhöhen. Lange wird das nicht gutgehen, ich laufe bereits deutlich erkennbar im roten Bereich. Jetzt muss ich alles dran setzen; es werden keine Gefangenen gemacht! Ein kalter Schrecken ergreift von mir Besitz. Nicht nur, dass sie die Geschwindigkeit halten kann, jetzt fängt sie noch an sich mit mir zu unterhalten. Dabei hört sie sich an, als ob sie schlendernd hinter mir her laufen würde.

“Glaub bloß nicht Du Würstchen, dass ich Dich so davonkommen lasse”, höre ich sie lachend. “Dafür müsstest Du Dich noch um einiges mehr anstrengen. Und jeder Blinde kann sehen, dass Du jetzt schon auf dem Zahnfleisch gehst.”

Plötzlich ergreift mich ein Gefühl der Panik. Ich sehe nochmal über meine Schulter zurück und muss erkennen, dass sie völlig entspannt hinter mir her läuft. Kein Armschlenkern oder sonst eine weibliche Absurdität. Die rennt wie eine junge Göttin. Was zum Teufel habe ich Dir getan, Fortuna, dass Du mir so übel mitspielst? Ist es weil auch Du eine Frau bist? Oh Mann, ich habe doch nicht Dir an den Arsch gegriffen. Was läuft denn hier?

Ich merke schon wie meine Beine weich werden. Demnächst werden sie mir einfach wegknicken. Ich kann nicht mehr. Unmöglich noch viel weiter zu laufen, geschweige denn das Tempo weiter zu erhöhen, was ohne Frage von Nöten wäre, wollte ich ihr entkommen. 

Drauf geschissen, denke ich bei mir. Es braucht eine entscheidende Planänderung. Ich bleibe abrupt stehen und schnelle herum. Für einen Moment kann ich mich aufrecht halten ohne nach Luft schnappend in mich zusammen zu sinken.

Sie hat ebenfalls das Rennen eingestellt und läuft langsam aber zielsicher auf mich zu. Plan A, Plan B, scheiß doch auf die Pläne, dass hier schreit nach einer Verzweiflungstat! 

Als sie bis auf wenige Meter an mich herangekommen ist, falle ich plötzlich vor ihr auf die Knie und fange laut an zu heulen und zu betteln.

“Es tut mir wirklich furchtbar leid. Ich weiß, dass ich ein widerliches Stück Scheiße bin. Aber denk doch bitte auch an meine Mutter. Die muss sich doch schon genug schämen wegen mir. Wenn sie das hier jetzt noch mitbekommt, bricht es ihr das Herz.”

Ich reisse meine Arme hoch und schütze meinen Kopf damit. 

“Tu mir bitte nicht weh, bitte bitte”, bettle ich sie so erbarmungswürdig an wie ich nur kann. 

Zum Glück lässt sie sich anscheinend davon beeindrucken und prügelt nicht gleich auf mich ein.

“Echt jetzt mal, was soll das denn? Schämst Du Dich denn überhaupt nicht?” Sie sieht mich angeekelt an. “Warum hast Du mir gerade an meinen Hintern gegriffen, Du Feiger Typ?”

“Weil ich so armselig bin. Das weiß ich doch. Bitte tu mir nicht weh. Ich mache es auch nie wieder. Ehrlich!”

Und wie ich dies sage merke ich plötzlich, dass meine Blase dem ganzen Druck nicht mehr gewachsen ist. Meine Hose ist nass im Schritt und vor mir breitet sich ein Bach aus, der zwar so aussieht als handele es sich dabei nur um Wasser, von dem wir Beide jedoch wissen, dass es sich um etwas anderes handelt.

Mittlerweile haben sich einige Passanten um uns geschart und nehmen belustigt Anteil an der Freakshow die sich vor ihren Augen abspielt. Als ob die ganze Sache nicht schon peinlich genug für mich wäre. Zum Glück nimmt sie Abstand davon mir meinen dämlichen Arsch zu versohlen. Das würde jetzt gerade noch fehlen. Dass sie mir die Hose runter zieht und mir vor all den Leuten den Hintern versohlt. Aber vielleicht kommt mir die Sache mit meiner Blase auch entgegen und sie ekelt sich zu sehr, um es zu tun.

Ich bleibe zur Sicherheit noch eine Weile da unten auf meinen Knien sitzen nachdem sie gegangen ist. So schnell wie die rennen kann, will ich kein Risiko mehr eingehen. Danach raffe ich mich auf und mache mich vom Acker. 

“Du dämliche Kuh”, denke ich bei mir. “Wenn Du wüsstest das meine Mutter schon lange tot ist.” Zum Glück kann ich schnell schalten, denke ich bei mir und fange schon an mir die Sache gedanklich so zurecht zu legen, dass ich einigermaßen glimpflich davon komme und mir nicht eingestehen muss, was für eine jämmerliche Gestalt ich doch im Grunde genommen bin. 

“Ach, heute Abend noch ein paar Bier, dann sieht die Sache schon anders aus.” Und wer weiß, wenn ich es nur geschickt genug anstelle habe ich mir das Ganze morgen vielleicht schon so zurecht gelegt, dass ich vor mir als der Held dastehe, der ich zwar ohne Frage nicht bin, aber doch gerne wäre. Ich brauche nur irgendeine Storry für die Jungs in der Kneipe, falls sie von dem Vorfall Wind bekommen sollten. 

Hey Mann, die Staaten werden von einem Schwachkopf regiert, die Faschos denken sich einfach irgendeinen Unsinn aus und die Aufgeklärten haben nichts besseres zu tun, als ihre Rechtschaffenheit wie eine Trophäe vor sich her zu tragen. Warum sollte also ausgerechnet ich mir Gedanken machen?!

Undankbare Aufgaben

Verdammte Scheiße, tat das weh. Hatte dieser Typ mir doch wirklich voll in die Eier getreten. Ich wand mich am Boden liegend vor Schmerzen und war sowas von sauer. Hatte dieser Idiot denn noch keinen Überfall erlebt? Offensichtlich nicht, denn so wie er sich benahm, war es auf keinen Fall der richtige Weg. Der mit der Wumme sagt was getan wird. Das ist das Credo jeden Raubes. Das weiß man doch. Hatte der denn bisher nicht einmal einen Film gesehen? So dämlich kann ein Mensch alleine doch gar nicht sein.

“So, hast du nun genug?”

Ob ich genug habe? Du beschissener Wichser! Ich winde mich zu seinen Füßen vor Schmerzen und die Sau fragt mich allen ernstes ob ich noch einen Nachschlag brauche? Was läuft denn nicht gerade bei dem Typen? Dabei war noch nicht einmal eine Olle in der Nähe, die er hätte damit beeindrucken können.

“Nein”, presse ich gerade so noch aus mir heraus. “Genug.”

“Da siehst Du was dabei herauskommen kann wenn man so eine Scheiße abzieht. Lass es Dir eine Lehre sein.”

Als ob ich der Typ wäre, der bereit ist dazu zu lernen. Ist nicht gerade mein erster Überfall der in die Hose gegangen ist. Aber das binde ich ihm natürlich nicht auf die Nase.

Was soll ich denn auch machen? Ich bin nun mal nicht zum Autodidakten geboren und nirgendwo gibt es eine offizielle Verbrecherausbildung. Im besten Fall mit Abschlusszertifikat bei der IHK, oder etwas Vergleichbarem. 

Klar, man kann sich bei anderen bösen Jungs breit machen und sich bei denen abschauen wie so etwas geht. Aber HALLO?!?! Wir reden hier über Verbrecher!!! Wer will sich denn schon freiwillig in deren Hände begeben. Ich bin doch nicht Lebensmüde. Bei solchen Typen kann einem doch niemand sagen wie das mit Gewissheit ausgehen wird. 

Ich raffe mich langsam wieder auf. Der Typ ist gegangen. Ansonsten würde ich liegen bleiben und einen auf Mitleid machen. So aber kann ich gefahrlos wieder auf die Beine kommen.

Was kann ich denn dafür das dies mein Traumberuf ist? Mir wäre es auch lieber wenn mich irgendeiner der Jobs angesprochen hätte die mir von der Schule im Rahmen der Berufsberatung vorgeschlagen worden sind. Aber die hatten nur solche Scheißberufe bei denen man ackern musste ohne jemals dabei reich zu werden. Außer man entschied sich für etwas für das man seinen Kopf benutzen und studieren musste. Und hey, Kopfarbeit ist nun mal offensichtlich nicht so mein Ding.

Aber zumindest war diese Aktion nicht ganz so peinlich wie die mit dem blöden Judomädchen. Ich hatte eines Tages, nach vielen vergeblichen Versuchen, beschlossen lieber mal eine Nummer kleiner loszulegen. Und was ist noch kleiner als es Kinder sind, dachte ich bei mir. O.K., Omi´s gingen wohl auch, aber vor denen stand man, wenn man Pech hatte, nur ewig herum und musste wiederholen was man eh schon gesagt hatte.

“Ein was?”

“Ein Überfall! Das ist ein Überfall!”

“Wer hat einen Knall?”

“Kein Knall, ein Überfall. Oh Mann, hören Sie doch mal richtig zu. Wie soll ich denn mit dieser Einstellung meinen Job machen?”

“Jochen, bist Du das???”

“Nein verdammt, ich bin nicht der Jochen, ich bin der Räuber.”

“Ach, Robert, Du bist es. Das ist ja schön Dich mal wieder zu sehen. Weißt Du, gut dass Du da bist. Deine Oma kann nämlich nicht mehr so gut laufen. Dann kannst Du mir gerade mal bei meinem Einkauf helfen. Du weißt doch, ich bin nicht mehr so gut beisammen.”

Ich Vollidiot hab das dann auch noch wirklich getan. Hab ihren Arm auf dem Weg zum Supermarkt gestützt. Man glaubt ja gar nicht wie lange alte Leute für die kürzesten Strecken brauchen. Dann den Einkaufswagen schieben und am Ende war ich so sehr von der ganzen Sache genervt, dass ich noch nicht mal geschaltet hab, als sie mir ihre Geldbörse zum zahlen in die Hand gedrückt hat. 

“Du weißt doch dass Deine Oma nicht mehr so gut sehen kann.”

Erst als ich dann wieder zuhause war, hatte ich begriffen, was für eine Chance mir da gerade durch die Lappen gegangen war. Was hab ich mich geärgert! Aber zu spät ist zu spät. Und nochmal wollte ich nicht zu der Alten. Wer weiß denn, zu was die mich noch genötigt hätte.

Das war ganz ähnlich wie beim Arbeitsamt. Zudem ich irgendwann, aus Verzweiflung, gegangen bin um wenigstens ein bisschen Stütze zu beantragen, wenn der Job schon so beschissen lief. 

“Sie sind was?”

“Räuber, sagte ich doch gerade eben. Und ich habe massive Verdienstausfälle zur Zeit. Sie müssen mir helfen. Ich weiß sonst nicht mehr an wen ich mich wenden soll.”

“Warten sie mal einen kurzen Moment”, sagte sie, verschwand daraufhin und kam mit allerlei anderen Leuten im Schlepptau wieder. 

“Wiederholen Sie doch bitte noch mal, was Sie mir gerade erzählt haben.”

Doch dann haben mich alle ausgelacht, als wenn ich kein Räuber sondern eine Witzfigur wäre. Irgendwann ist es mir dass dann zu dumm geworden und ich bin wieder gegangen.  

Auf dieser Basis kann man doch nicht arbeiten!

Das Judomädchen war auch so eine Nummer. Die hatte mich im Schwitzkasten, bis ihre Eltern da waren. Die haben sich dann zwar bei mir entschuldigt, wohl weil sie ihr die Überfallnummer nicht geglaubt hatten, aber Geld bekam ich trotzdem keins. 

Also eine Sache ist sicher. Wenn das nicht langsam mal was wird mit diesem Job, sattle ich um. Poronodarsteller wäre noch so eine Sache die ich mir vorstellen könnte. Da darf man lauter geile Weiber ficken und wird sogar noch dafür bezahlt. Ja, vielleicht schaue ich mir das mal an. Sollen die mich doch alle mal am Arsch lecken mit dem Verbrecherkram. Dann überfallt Euch doch selber, wenn man als Räuber sowieso nur verarscht wird!!!

Herbert

Ich habe mich in meinem Zimmer verbarrikadiert und versuche diese scheiß Welt dort draußen zu lassen. Dorthin wo sie hingehört. Irgendwohin wo ich nicht bin. Doch so sehr ich mich auch abschotte, sie dringt immer wieder auf die ein oder andere Art zu mir herein. Und wenn es nur der Hunger ist, der mich immer wieder aus meiner sicheren Höhle treibt. 

Auch das Scheißen zwingt mich sie zu verlassen. Pissen kann man ganz gut in Flaschen. Deckel drauf und man hat erst mal seine Ruhe. Hin und wieder muss man die Behältnisse zwar leeren, aber eben nur hin und wieder. Wie ich im Zimmer scheißen kann, ohne mir selbst damit ein Bein zu stellen, habe ich aber noch nicht herausfinden können. Es wäre praktisch wenn man seine festeren Ausscheidungen einfach wieder essen könnte. Oben rein, hinten raus und wieder alles von Anfang. Aber so ist das eben mit dem wäre. Es ist nicht. Auch muss ich mich hin und wieder waschen. Da ich niemanden in meine Welt hinein lasse, kann ich mit meiner Hygiene etwas großzügiger sein. Wen juckt es schon wenn ich stinke. Dummerweise irgendwann mich selbst. Also ein weiterer Grund der mich zwingt mein Versteck zu verlassen. 

Ich konnte die Welt da draußen noch nie leiden. Als ich jünger war, flüchtete ich mich regelmäßig in die Abgeschiedenheit der Natur. Aber als ich Älter wurde, begriff ich immer mehr, dass auch Diese ein Arschloch ist. Und je mehr ich den Gedanken verfolgte, umso klarer wurde mir, dass gerade sie das größte Schwein von allen ist. Denn alles um mich herum ist Natur. Natur ist auch wenn da keine Bäume sind. Natur ist immer, solange irgendetwas ist. Natur gibt es auch auf dem Mond. Ist nur eben nicht viel los dort mit ihr. Was aber wiederum auch etwas sympathisches hat. Denn je weniger die Natur irgendwelche Möglichkeiten bekommt, desto weniger kann sie es vergeigen. Die Natur hat uns hervorgebracht. Alleine das zeigt mir deutlich, was für eine blöde Fotze sie doch ist. 

Wenn mir alles zu viel wird, hole ich mir einen runter. Es hilft für einen Moment allen Unsinn zu vergessen, indem man sich in Unsinn verliert. Ist aber eben auch natürlich. Das bekomme ich dann zu spüren, wenn die Erregung verflogen ist. Zurück bleibt eine Sauerei, die man wieder loswerden muss. Außerdem zwingt mich diese Betätigung öfter dazu mich zu waschen, als wenn ich ihr entsagen würde. Ich mag ich den Geruch von Fisch nun mal nicht.

Früher habe ich viel gelesen und geschrieben, um mich von der Einsamkeit abzulenken die mein Lebensstil zwangsläufig mit sich bringt. Irgendwann begriff ich dann, dass man in aller Regel für das Außen schreibt. Niemand macht sich die Mühe einen Roman zu verfassen den keiner lesen wird. Auch komponiert man keine Opern, wenn es da nicht andere Ohren als die Eigenen gibt, denen sie zu Gehör kommen könnte. Also lies ich das Schreiben bleiben. Mit dem Lesen verhält es sich leider ganz ähnlich. Man läßt automatisch das Außen nach Innen wenn man etwas liest. Ausser natürlich, man hat es selbst geschrieben. Aber dann braucht man es nicht mehr zu lesen. Man kennt es schließlich schon.

Drogen sind ein tolles Mittel um einen Wall zwischen sich und dem Anderen aufzubauen. Aber die kosten Geld und kommen auch von Draussen. Da ich das Eine nicht habe und das Andere nicht will, hat sich das damit leider auch erledigt. Ich weiß nicht, wie man sich diese Mittel selbst herstellt. Vielleicht würde es mir gelingen etwas alkoholisches aus eigener Kraft zu produzieren. Aber ich mag keinen Alkohol. Alkohol macht alle hohl. Und ich will mich nicht aushöhlen. Ich will nur mit nichts etwas zu tun haben. LSD ist da schon eine andere Hausnummer. Meiner Erfahrung nach die vielleicht Einzige, die das Gebäude auch wirklich wert ist, das man an ihrem Ort erbaut. Aber wie sollte ich das selbst herstellen? Ich hatte nicht einmal Interesse an der einfachen Chemie, die man in der Schule eingeprügelt bekommt. Geschweige denn, dass mein Interesse und damit auch meine Möglichkeiten so weit gingen, diese Substanz herzustellen.

Also liege ich die ganze Zeit in meinem Bett und sehe mal die Decke, mal die Wand an. Je nachdem wie ich mich hin lege. Manchmal sehe ich auch die Matratze vor mir. Aber eher selten. Ich bin nur sehr sporadisch ein Bauchlieger. Da einen die Gedanken oft dahin führen wo sie wollen und nicht dorthin wo man sie haben will, versuche ich so wenig wie möglich zu denken. Einfach kucken. Mehr nicht. Von Zeit zu Zeit die Augen zu und die Pausentaste drücken. Geht aber leider nicht immer. Zwischendurch ist man wach und muss dann halt sehen, wie man damit klar kommt. 

Warum haben mich meine Eltern nur in diese Welt geworfen? Aber das ist eine rein rhetorische Frage. Oh, wir lieben uns so sehr, dass wir es anders gar nicht aushalten als diese Liebe weiter zu geben. Den Schlamassel habe ich jetzt an der Backe. Danke M&P, gut gemacht! Muss wohl so etwas wie selbstlose Liebe gewesen sein, die mich hat entstehen lassen. Gute Nacht, verarschen kann ich mich selber. Aber ich kann eben nicht ständig schlafen. Also bleibt die gute Nacht leider bedingt. 

Irgendein Geräusch dringt zu mir durch. Verdammte Scheisse, was ist das??? Mein Tinnitus ist es nicht, der hört sich anders an. Aber so ähnlich ist das Geräusch und es will einfach nicht aufhören. Ich wuchte mich genervt aus meinem Bett um der Ursache auf die Schliche zu kommen. Es stellt sich heraus, dass es von meiner Wohnungsklingel kommt. Was soll dieser Unsinn? Ich wohne nun schon seit Jahren hier und höre dieses Geräusch zum ersten Mal. Wer wagt so penetrant in meine Welt einzudringen? Als das Geräusch nicht von selbst aufhört und die Klingel nicht ihren Geist aufgeben will, so sehr ich auch mit meinem Fuß dagegen trete, öffne ich dann irgendwann doch die Tür. Bereit dem Verursacher den Marsch zu blasen; wenn nicht sogar mehr. “Jetzt gibt’s was auf die Fresse”, schreie ich, während ich öffne. 

Vor mir steht ein kleines Kind. Wird wohl ein Mädchen sein. Ist zumindest so gekleidet. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Jungen, dem sein kleiner Schniedelwutz im Weg ist. So genau kann man das heutzutage nicht sagen. Verdammter Mist, ich kann doch keinem kleinen Kind die Scheiße aus dem Leib prügeln. Umso so sauerer bin ich auf sie. 

“Was willst Du verdammt!”, schreie ich sie an. 

Sie sagt gar nichts. Sieht mich nur erschrocken und mit großen Augen an und lässt Tränen fließen. Nicht jetzt auch noch die Nummer. Wie soll man denn einen Feind bekämpfen der einem leid tut. Was für eine kleine, durchtriebene Fotze. Kann noch nicht auf den Tisch spucken, bedient sich aber schon solcher unfairer Methoden. Na, dass kann ja was werden. 

“Was Du willst, habe ich Dich gefragt!” 

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis sie mir endlich antwortet. 

“Meine Mamma ist nicht da.” 

“Na und, warum kommst Du dann zu mir? Sehe ich so aus, als ob ich eine brauchbare Ersatzmutter sein könnte?” 

“Aber ich weis doch nicht wohin”

“Na, das weiß ich auch nicht. Ich weiß ja noch nicht mal wo ich selbst hin soll.” 

Sie antwortet nicht, sondern sieht mich nur mit ihren großen, verheulten Augen an. 

Keine Ahnung warum, aber ich lasse sie tatsächlich rein, gehe mit ihr in die Küche, lasse sie auf einem Stuhl Platz nehmen und mache ihr einen Tee. Dann setze ich mich ihr gegenüber und wir schauen uns eine ganze Weile lang schweigend an. 

“Wenn Du Deinen Tee getrunken hast gehst Du.”

“Aber ich weiß nicht wohin.”

“Und woher soll ich das wissen???”

“Aber Sie sind doch erwachsen.”

Oh Scheisse, Kleine. Was macht das für einen Unterschied? Als ob der Mensch mit zunehmendem Alter automatisch weiser würde. Er wird einfach nur älter. Nur weil man ihm ständig einredet, dass er deswegen auch vernünftiger würde, ist es lange noch nicht so. Er macht nur einfach das was von ihm erwartet wird. Und da er meist keine Ahnung hat, äfft er das nach, was er für ein angemessenes Verhalten eines Erwachsenen hält. Ich möchte ihr das erklären. Doch dann fällt mir ein, dass sie noch ein kleines Kind ist und diese Erfahrung noch nicht machen musste. Wie sollte ich ihr also diesen Unsinn erklären. 

Sie nestelt an ihrem Rucksack herum und holt ein verschlissenes Stofftier, das wohl einmal einen Hund darstellen sollte heraus.

“Das ist Herbert.”

Und das ist das einzige was mir noch irgendetwas gibt, aber leider nach Fisch stinkt, möchte ich ihr entgegen schleudern und ihr meinen Schwanz vor die Nase halten. 

Aber dann fällt mir ein, daß sie schließlich auch nichts dafür kann. Sie ist offensichtlich genauso unvermittelt in die Welt geworfen worden wie das bei mir der Fall ist. Das macht sie in einem gewissen Sinne zu einer Leidensgenossin und ohne es wirklich zu begreifen, fühle ich mich seit langer Zeit plötzlich nicht mehr so alleine.

“Also Herbert heißt er. Er soll wohl ein Hund sein.”

“Ja, und auch ein ganz Lieber.”

Na ja, ein Schöner ist es auf jeden Fall nicht, will ich sagen, halte aber meine Klappe weil ich sie nicht verletzen will. Zudem Herbert mich an mich selbst erinnert. Auch ich habe schon bessere Tage gesehen. Und je länger ich ihn mir anschaue, desto sympathischer wird er mir. Noch ein Leidensgenosse.

“Herbert ist cool”, sage ich etwas unbeholfen zu ihr.

“Er ist lieb und weiss wann ich traurig bin”, antwortet sie mir.

Ihr scheint es wirklich so wie mir zu gehen. Vielleicht bin ich ja doch nicht ganz alleine auf dieser Welt. 

“Und wenn ich traurig bin, dann nimmt er mich immer in den Arm.”

Ich empfinde einen Schlag in der Magengrube, den ich so nicht kenne. Das was sie sagt, macht mich wütend und traurig zugleich. Dabei geht es gar nicht um mich. Sie ist nicht ich, also warum sollte ich mich für ihre Probleme interessieren? Das ist neu für mich und ergibt erst einmal keinen Sinn. Aber je länger ich die Situation auf mich wirken lasse, desto mehr geht mir das was sie sagt zu Herzen.

“Ich wollte ich hätte auch einen Herbert”, sage ich zu ihr.

“Ich kann Ihnen meinen mal leihen”, sagt sie und reicht ihn mir herüber. 

Ohne darüber nachzudenken nehme ich Herbert in den Arm und plötzlich öffnen sich alle Schleusen bei mir und ich heule los. Erst zurückhaltend, dann immer ungenierter, bis ich den armen Herbert völlig mit meinen Tränen durchweiche. Nach einer Weile beruhige ich mich wieder und gebe ihr dass Stofftier zurück.

“Herbert kann gut trösten, nicht?!”

Da ich immer noch am schluchzen bin, finde ich keine Worte und kann nur unbeholfen nicken. 

“Jetzt hat er auch Dich getröstet.”

Sie ist plötzlich zum Du gewechselt. Was für ein Timing. Auf den Punkt genau. Die Kleine hat’s offensichtlich mehr drauf als all die Arschlöcher die sich da draussen ansonsten rum treiben. Dabei ist sie noch so ein Knirps. Ohne dass es mir anfänglich bewusst geworden ist, beeindruckt sie mich immer mehr. Sollte ich gerade dem einzig brauchbaren Menschen auf dieser riesigen Scheißwelt begegnet sein? Was für ein unwahrscheinlicher Zufall.

Dann höre ich ihren Magen knurren. 

“Du musst hungrig sein”, höre ich mich sagen und es ist, als wenn ein anderes Ich auf einmal unbemerkt die Kontrolle über mich übernommen hätte. Sie nickt eifrig. Ihr Hunger muss sogar ganz gewaltig sein, denke ich bei mir.

“Magst Du Nudeln mit Tomatensoße? Etwas anderes habe ich nicht.”

Sie nickt jetzt ganz heftig und lächelt in froher Erwartung.

Ich setze Nudeln auf, öffne mein letztes Glas Soße und hole sogar den Rest Parmesan aus dem Kühlschrank. Was ist nur los mit mir? Normalerweise würde ich diese Dinge niemals mit irgendjemandem teilen. Insbesondere wenn die betreffende Person sich einfach so in mein Leben zwängt. Schließlich bedeutet dies, dass ich deshalb früher wieder in die verhasste Welt da draußen raus muss. Nun aber erscheint es mir als das selbstverständlichste der Welt. Dann gehe ich eben raus. Nicht für alles Geld der Welt würde ich dies freiwillig tun, aber für sie will ich das machen.

Während wir essen, schweigen wir und sehen uns nur gegenseitig an, wie wir unsere Backen füllen und mit großem Vergnügen kauen. Sie schmatzt dabei ein wenig. Ich lasse mich darauf ein und fange auch an zu schmatzen. Dies entwickelt sich immer mehr zu einem Schmatzwettbewerb, den sie aber, scheinbar mit Leichtigkeit, gewinnt. Die hat es wirklich drauf, denke ich bei mir. Und während wir so vor uns hin schmatzen, fangen wir an zu lachen. Die Situation lässt einfach nichts anderes zu. Je mehr wir lachen, umso größer wird der Anteil des Essens der nicht seinen Weg in unsere Münder, sondern auf den Tisch und den Boden und überall hin findet. 

Als wir aufgegessen haben sehe ich, dass ihr ganzes Gesicht mit der Soße verschmiert ist. Ich gehe zur Spüle und nehme den Lappen der dort liegt um sie sauber zu wischen. Aber dieser Lappen ist eine Beleidigung für alles was einem lieb und wertvoll ist. Ausgeschlossen ihr damit den Mund zu wischen. Das Scheißding stinkt wie die Hölle. Komisch, ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Aber ich habe leider keine sauberen Tücher mehr.

Da fällt mir ein, dass ich noch einen Packen neue Handtücher habe, den ich mir aber eigentlich aufsparen wollte. Na ja, wenn jetzt nicht der richtige Zeitpunkt gekommen ist davon Gebrauch zu machen, wird er wohl auch nicht mehr kommen. Ich reiße die Verpackung auf, nehme eines der Handtücher heraus, mache es feucht, wobei ich gewissenhaft darauf achte, dass das Wasser angenehm warm ist und säubere sie. Dann greift sie nach dem Lappen und revanchiert sich bei mir. Ich sehe anscheinend auch nicht besser aus als sie.

Plötzlich klingelt es wieder. Ohne weiter darüber nachzudenken, gehe ich an die Tür. Eine Frau steht vor mir, mit sorgenvollem Blick und will mich gerade etwas fragen, als die Kleine an mir vorbei stürmt und in ihre Arme fällt. Ich bitte sie herein und erkläre ihr die Umstände. Sie entschuldigt sich dafür, dass ihre Tochter mich belästigt habe. 

Wenn sie nur wüsste wie wenig in diesem Kontext von Belästigung die Rede sein kann, aber ich weis nicht wie ich ihr das auf die Schnelle erklären soll. Schließlich habe ich selbst keine Ahnung was da gerade geschehen ist. Sie entschuldigt sich immer wieder und erklärt mir, das ihr Job sie des öfteren aufhalten würde und dass sie, gerade als Alleinerziehende, nicht die Möglichkeit habe diesen sein zu lassen.

Ohne darüber nachzudenken biete ich ihr an, dass die Kleine ruhig vorbei kommen könne wenn es später bei ihr wird und ich ihr dann etwas zu Essen machen würde, oder schon einmal anfangen könne mit ihr die Hausaufgaben zu machen. Sie sieht ihre Tochter an und diese teilt, eifrig nickend, ihre Zustimmung mit. 

“Aber nur wenn das wirklich kein Problem für Sie ist.”

Ich bestätige ihr, dass ich die Ressourcen dafür hätte und es mir eine Freude sei. Obwohl ich kein Geld habe, nehme ich ihren Vorschlag mir zumindest etwas dafür zu zahlen nicht an. Irgendwo werde ich die Kohle dafür schon auftreiben, denke ich bei mir. Auch wenn dies bedeutet, dass ich in die Welt da draußen muss und mich nicht mehr so konsequent vor ihr verstecken kann.

Als sich die Beiden verabschieden, bringe ich sie zur Tür. Die Mutter bedankt sich immer wieder und diese Unterwürfigkeit nervt mich. Noch vor einer Stunde, solange war die Kleine in etwa bei mir, hätte ich ihr gesagt, dass sie sich verpissen soll. Jetzt aber muss ich daran denken, wie sie sich für die Kleine den Arsch aufreißt und merke, dass sich ein Gefühl von Respekt in mir breit macht. Ein mir bis dato unbekanntes Gefühl.

Als wir an der Tür sind, greift die Kleine nach meiner Hand, zieht mich zu sich herunter und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Ich muss mich zusammenreißen um nicht vor Rührung los zu heulen. 

Nachdem sie gegangen sind gehe ich zurück in mein Zimmer. Scheiße, wie sieht es denn hier aus, frage ich mich und bekomme einen Schrecken. Das ist doch keine Umgebung in die man ein Kind lassen kann, sage ich zu mir und fange an aufzuräumen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren.