Ich bin gar nichts

Alle müssen immer irgendetwas sein. Backst Du ein paar Brote zu viel, bist Du ein Bäcker. Interessierst Du Dich für Raumfahrt, ein Astronaut. Aber was zum Teufel machst Du, wenn Du Dich gerne im All rum treibst und dort Brote backst? 

Bei zwei Betätigungen geht es ja noch. Dann kannst Du einfach sagen: Ich bin ein brotbackender Astronaut. 

Was aber wenn Du zudem noch die Frechheit besitzt Dich für, na ja, sagen wir mal, das Reinigen von Schwimmbädern zu interessieren? Geht auch noch. Dann sagst Du eben: Ich bin ein brotbackender Astronaut der sich für die Reinigung von Schwimmbädern interessiert. 

Und erst das Kacken! Ich meine, jeder von uns hat ein ganz persönliches Interesse daran. Die wenigsten sprechen gerne darüber, aber man kann sich sicher sein, dass jeder weiss was damit gemeint ist.

Ich bin also ein brotbackender, sich für die Reinigung von Pools interessierender Astronaut, der zudem regelmäßig kacken geht.. 

Ihr merkt schon, langsam wird es turbulenter. Aber wer wäre ich, wenn ich Euch mit dieser Erkenntnis aus diesem Schlamassel entlassen würde? Nein, meine lieben Freunde, Ihr kennt mich. Meine Böden sind erst dann hinreichend verbrannt, wenn man sie als Solchen gar nicht mehr erkennen kann. 

Nun hat der brotbackende, sich für Poolreinigungen interssierende und regelmäßig kackende Astronaut, natürlich noch andere Dinge für die er sich interessiert. Nehmen wir den Fussball. Viele interessieren sich dafür. Manche verstehen zwar nicht warum, dabei ist das doch ganz klar. 

Neunzig Minuten 22 erwachsenen Vollidioten dabei zuzusehen, wie sie mit äußerster Inbrunst einem Ball hinterherlaufen ist doch eine Hausnummer. Noch Sinnentleerter wird schwer. Dagegen wirkt selbst der fleißigste Hund wie der besonnenste Faulpelz. 

Nehmen wir also an, der Lieblingsverein des brotbackenden Astronauten, der sowohl kacken muss als sich auch für die Poolreinigung interessiert, wäre Fan des Vereins Bayern München. 

Nicht deswegen weil das der coolste aller Vereine, sondern die Wahrscheinlich hoch ist, dass sich nun die meisten von Euch entsetzt an den Kopf greifen und sagen: Oh mein Gott, doch nicht die. DOCH GENAU DIE, meine lieben Freunde. Papa weiß doch was Eure kleinen Herzchen in Wallung bringt. 

Wenn nun dieser kackende, sich für den Fußballverein Bayern München interessierende Astronaut, der zudem noch gerne seinen Pool reinigt und Brot backt, auf die Idee kommt dazu auch noch zu atmen. Na dann reden wir von einem Pool reinigenden und brotbackenden Astronauten, der Fan von Bayern München ist, kacken kann und dazu noch atmet. 

JA VERDAMMTE SCHEISSE, ABER WAS IST DER TYP DENN DANN? DAS HEISST DOCH, WOMIT VERDIENT ER SEIN GELD???

Na ist doch logisch, mit dem Kacken. Seit Pools Umweltsünder sind, ist es zu gefährlich sich als deren Liebhaber zu outen. Astronaut wird sowieso keiner, auch wenn er es noch so gerne möchte, ist wie beim Lotto und wer Brot backt mag zwar etwas zu essen haben, aber verdienen kann man mit dieser Tätigkeit nichts. 

Die Typen von Bayern machen immer einen riesen Aufriss mit ihrer bajuwarischen Tradition wenn man bei ihnen spielen will. Also ist da auch jeder raus, der über keine Vollklatsche verfügt. 

Irgendwie kommt es mir immer wieder so vor, als würden sich Gartengeräte über ihre Daseinsberechtigung unterhalten, wenn man Menschen dabei zuhört wie sie sich über ihren Job definieren, ganz so als ob sie dies in der Regel ausmachen würde. Komisch, ich kenne vor allen Dingen Leute, die Ihren nur machen um sich über Wasser zu halten und die davon träumen irgendetwas anderes zu tun.

Als es noch Berufe gab, war das vielleicht noch anders, Schließlich kommt Beruf ja von Berufung. Heutzutage aber haben die meisten Jobs. Das bedeutet so viel wie, ich halte meinen Arsch hin für … Eigentlich komisch sich übers gefickt werden zu definieren.

Ich sage meistens irgendeinen Blödsinn wenn mich jemand danach fragt was ich mache. Meisten das was ich gerade tue. 

“Oh, danke der Nachfrage, ich trinke Tee.”

Oder auch gut. 

“Na dass ist ja schön, dass du ein echtes Interesse an mir zeigst, ich kratze mich am Bein weils juckt”. 

Und falls ich gerade nichts tue, oute ich mich als Atmer. Ich fange auch gerne an darüber ins schwadronieren zu geraten. Machen die Anderen ja auch so. Meistens über den Job reden. Auch wenn er einen ankotzt und man gerade frei hat. 

Aber der normale Durchschnittsbürger scheint ein Problem damit zu haben, wenn man ihm den Spiegel vorhält. Lachen können nur die wenigsten über sich. Die nehmen alles bierernst, auch, oder gerade dann, wenn es eigentlich um gar nichts geht.

By the way. Noch ein Nachsatz zu Berufen. Das kann ich nicht so stehen lassen. Natürlich war es früher auch nicht besser. Sogar noch schlimmer. Damals wurde man in den meisten Fällen dazu gezwungen dass zu tun, wofür man vorgesehen war. Wahrscheinlich bezieht sich Berufung darauf. 

“Hey ruf mal den Peter, der soll den Müll raus bringen.” 

Also ist der Peter jetzt Müllmann. Er wurde ja schließlich dazu berufen. Eine nette Umschreibung für Zwang. Warum es dann allerdings nicht Bezwangung heisst, kann ich Euch auch nicht sagen. Ist vielleicht wie mit unserem Grundgesetz. “Die Würde des Menschen ist unantastbar”, sollte man auch nicht wortwörtlich nehmen. Außer vielleicht, man steht darauf verarscht zu werden.

Das erinnert mich an meine Kindheit. Damals wurde auch versucht mir jedes echte Interesse an etwas auszutreiben. Natürlich immer nur zu meinem eigenen Besten. Ob es darum ging, was ich anziehen wollte, was mir schmeckte und was eben nicht. Was ich lesen wollte (Hey Kids, kleiner Tipp am Rande: Laßt Euch nie von Eurem reaktionären Vater erwischen wenn Ihr de Sade lest. Der kann abgehen wie Schmidts Katze, kann ich Euch sagen. Und ich weiß wovon ich rede. Also besser ab unter die Decke damit. Aber natürlich trotzdem machen. Sonst werdet Ihr noch so wie Eure Alten. Und wer will das schon? Denn unter uns, die können ja für vieles gut sein. Als Vorbilder eignen sie sich nicht. Seht doch nur in was für eine Scheiße sie Euch gebracht haben.)

Also immer nur zu meinem Besten, ja klar. Wenn ich auf meinen Alten, die Lehrer oder irgendeinen anderen dieser anmaßenden Trottel gehört hätte, wäre ich heute einer von ihnen. 

SCHÖNEN DANK AUCH, BIN SCHON SATT!

So bleib ich lieber gar nichts. Hab ich wenigstens meine Ruhe.

“Hey, geh dem mal lieber aus dem Weg, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank!”

Cool dankeschön, absolut Deiner Meinung. Geh mir mal lieber wirklich aus dem Weg, denn ich habe allen Ernstes einen ordentlichen Hau weg. 

Denn wenn es dazu führt, dass ich den ein oder anderen Trottel nicht ertragen muss, so what?! Es soll mir recht sein. 

Also bin und bleibe ich ein Nichts. Am besten ein gar Nichts.

Und ich hoffe, dass ich mir das noch bis ans Ende meiner Tage bewahren kann.

Was bist Du denn für Einer?

Ich sitze in einem Kaffee irgendwo in Berlin. Maybachufer. Ist, glaube ich, Kreuzberg. Kann aber auch sein, dass es was anderes ist. Neukölln? Wedding ist es nicht. Da komme ich her. Das ist woanders.

Auf dem kleinen Tisch an dem ich im Außenbereich sitze steht mein Kaffee und mein Tabak liegt auch dort. Ebenso ein Aschenbecher und das Buch, dass ich gerade lese. 

Der bescheuerte Tisch wackelt wie Hechtsuppe. Obwohl; ich glaube es zieht wie Hechtsuppe. Wie wackelt es dann? Wie Sau? Aber warum sollte ein Schwein wackeln? Vielleicht vor Angst wenn es zum letzten Gang geht und es den Schlachter sehen kann, der schon die Messer wetzt. 

Aber ist auch egal. ich sitze da, sehe zum Kanal hinüber und träume vor mich hin.

Wenn man irgendwo sitzt und vor sich hin träumt, dann sieht man irgendwie durch alles hindurch. So als sei die ganze Welt um einen herum nur ein leichter, durchsichtiger Vorhang, der einen nicht berührt. Egal was dann um einen herum passiert, alles verschwindet hinter diesem Vorhang. Auch wenn es direkt vor den eigenen Augen stattfindet.

Warum ist nur allen so wichtig, ob das eine Kreuzberg ist und das andere der Wedding, oder Mitte, oder was auch immer? Sind doch alles bloß Orte. Der Eine hier, der andere da. Aber Menschen suchen immer so etwas wie Heimat. Einen besonderen Ort, an dem sie mehr sie sind, als sonst wo. Und jeder findet seine Heimat ist die Beste. Ist mir egal. Ich bin dort zuhause, wo ich gerade bin, oder nirgendwo. Oder vielleicht dazwischen. Aber egal wo ich bin, bin ich immer ich. Kein Anderer. Weder besser noch schlechter. Die Leute mit ihren Befindlichkeiten. So wirklich verstanden habe ich sie noch nie.

“Na, was bist Du denn für einer?”

Was ist was? Ich verstehe anfangs nur Bahnhof. Wieder so ein Ding mit dem Träumen. Es geschieht etwas direkt vor mir und irgendwie auch wieder nicht. Schon eigenartig.

Doch sie steht dort direkt vor mir. Ich kann sie deutlich sehen. Auch scheint sie mich zu meinen. Sonst ist niemand da. Vielleicht hat sie aber auch nur nicht mehr alle Tassen im Schrank. Soll es auch geben. Ich beschließe, dass es erst einmal besser ist weiter zu träumen. Zumindest solange bis ich begreife was sie von mir will.

“Wer Du bist? Und was Du machst, meine ich? Sag mal, bist Du bekifft? Ich steh doch direkt vor Dir? HALLO”

O.k. Sie scheint wirklich mich zu meinen. Oder ihr Sockenschuß ist noch größer als gedacht. Wäre nicht das erste Mal, dass ich das erlebe. Ist aber die letzten Jahre anders geworden. Berlin hat sich verändert. Ist kaum wieder zu erkennen. Früher hatte hier jeder einen Knall. Oft sogar einen ziemlich beachtlichen. Kaum eine U-Bahn fahrt verging, ohne dass irgendetwas vollkommen bizarres geschah. Irgendein halbnackter und total verdreckter Typ, der erfundene Opern zum Besten gab und mit einer Socke in der Hand herum ging, anstelle eines Hutes. 

Und solche Dinge waren noch ziemlich gewöhnlich. Mit der Zeit nahm man sie überhaupt nicht mehr wahr. 

Eine der besten Geschehnisse  die ich erlebt hatte war, als eine uralte, gebückte Frau von so einem Fahrkartenheini auf Ihr Billet angesprochen wurde und sie nur ein lautes und mürrisches “Verpiss Dir”, von sich gab. Der ganze Rest des Wagons brach in schallendes Gelächter aus und die arme Kontrollettinase musste sich eine ganze Weile gedulden, bis er endlich an der nächsten Haltestelle flüchten konnte.

Hätte er die Alte auch nur schräg angesehen, oder gar irgendwelche Mätzchen gemacht, der gesamte Wagen wäre über ihn hergefallen und hätte ihm die Scheiße aus dem Leib geprügelt. Einfach so. Ohne Schläger Ambitionen zu haben, oder sonst was. Sogar der eine Typ im edlen Zwirn hätte da mitgemacht. Damals war vieles noch anders.

Aber heute?

“Was Du machst Mann? Sag mal siehst Du mich nicht?!”

Was will die denn von mir? Kenne ich die? Ich sehe sie genauer an. Sie trägt irgendwelche Sachen, die überhaupt nicht zusammen passen. Gummistiefel, darüber ein gepunkteter Rock und eine Jacke, die so pink ist, dass mir die Augen davon brennen.

Ich scanne sie von oben nach unten. 

“Was willst Du von mir?”

“Was ist das denn für eine Frage? Ich hab doch klar gefragt. Kennst Du meine Sprache nicht?”

Komisch. Ich habe doch ihre Sprache benutzt. Wie sollte ich sie dann nicht kennen? Ich lege den Kopf etwas schief wie ein Hund der sich fragt, was da vor ihm gerade wohl geschehen sein mag.

“Sag mal, bist Du immer so arrogant, dass Du nicht auf eine Frage antwortest die man Dir stellt?”

“Nö, nur zu blöde. Sorry, ist der Klebstoff. Ich sollte wohl weniger dran schnüffeln.”

Sie sieht aus als ob der Blitz neben ihr eingeschlagen hätte. Sie holt tief Luft um loszulegen. Dann scheint sie einen Moment zu überlegen und schnauft dann laut wieder aus, ohne etwas zu sagen. Sie sieht nach rechts und links, will wieder etwas sagen und bricht wieder ab.

“Ach was solls, dann Scheiß doch drauf!”

Mit einer Mischung aus Entrüstung und Enttäuschung stampft sie ab. 

Was war das denn gerade? Und was wollte die von mir? Ich habe nicht die geringste Ahnung und ziehe wieder den Vorhang zu. Es dauert keine zwei Minuten bis sie vor mir steht.

“Sag mal, hab ich Dir irgendwas getan? Ich hab Dich doch nur freundlich was gefragt. Was war denn da jetzt so schlimm dran?”

“Ich hab Dir doch geantwortet.”

Es ist wieder das gleiche Spiel wie zuvor. Sie holt Luft, will loslegen, bricht dann ab, holt wieder Luft und stampft ab. 

Und ich ziehe erneut meinen Vorhang vor. Diesmal dauert es jedoch nur etwa eine Minute bis sie in meine Träume hinein platzt. 

“Echt jetzt? Das Du Klebstoff schnüffelst? Und das soll ich Dir abnehmen? Du hast mich doch nur verarscht.”

“Wie kommst du darauf?”

“Na weil doch kein Mensch der so einen Scheiß macht wie Klebstoff schnüffeln so wie Du in einem Kaffee sitzt, vor sich hin träumt und ein Buch vor sich da liegen hat. Und ganz bestimmt nicht so eins.”

“Du scheinst ja viele Leute zu kennen die Klebstoff schnüffeln, wenn Du so genau weisst, was die so treiben. Vielleicht bin ich ja eine Ausnahme.”

“Eine Ausnahme, klar doch. Ein Typ der in einem Kaffee sitzt und die Kritik der reinen Vernunft vor sich liegen hat und dazu noch ein Jacket trägt, schnüffelt Klebstoff und bezeichnet sich als dumm. Dann wärst Du wirklich eine Ausnahme. Und was für eine. Und das kann ich Dir sagen, obwohl ich noch nie einen getroffen habe, der sich so eine Scheisse in die Nase zieht.”

Ich nehme eine Packung Uhu Kleber aus meiner Tasche und lege sie wortlos vor mir auf den Tisch.

Nun macht sie ein Gesicht als hätte sie nicht einen, sondern alle Blitze die jemals auf die Erde herunter gegangen sind, auf einmal gesehen.

Sie öffnet ihren Mund und schließt ihn wieder. Und öffnet und schließt und öffnet und lässt ihn eine ganze Weile offen stehen. Dann schließt sie ihn und lässt sich neben mich auf einen Stuhl fallen. 

“Ach du heiliges Kanonenrohr. Du schnüffelst wirklich Klebstoff! Ich dachte das sei voll gefährlich.”

“Zumindest macht es ziemlich dumm.”

“Aber warum machst Du es denn dann. Ist der Turn sooo gut?”

“Ne, fühlt sich ziemlich mies an.”

“Aber warum machst Du es dann?”

“Na weil es dumm macht, hab ich doch schon gesagt.”

“Du schnüffelst Klebstoff damit es Dich dumm macht? Warum tust Du denn sowas.”

“Damit ich die dummen Fragen ertrage, die mir so gestellt werden.”

Plötzlich ist sie ganz schnell im Kopf.

“Was bist Du denn für ein Arschloch? Ich hab Dir doch gar nichts getan. Echt jetzt mal. Ich bin doch voll freundlich zu Dir gewesen. Oh Mann, dass ist voll Scheisse von Dir.”

Sie steht auf, lässt traurig ihre Arme hängen und geht enttäuscht weg, ohne weiter etwas zu sagen.

Ich gehe an die Bar und hole ihr einen frischen Minztee und stelle ihn auf den Tisch. 

Nach einigen Minuten ist sie wieder da. Sie hat Tränen in den Augen. 

“Kannst Du mir bitte mal sagen, was diese Scheisse sollte? Hab ich Dir irgendwas getan?”

“Hier ist Dein Tee”

“MEIN WAS???”

“Dein Tee. Ich hoffe Nanaminze ist o.k. Den trinke ich am liebsten. Ich kann Dir aber auch einen anderen holen wenn Du magst.”

Sie trinkt ihren Tee und wir schweigen eine ganze Weile. Dann dreht sie sich um und sieht mir, immer noch mit Tränen in den Augen in Meine. 

“Aber warum?”

“Weil es keine andere Möglichkeit gab.”

Sie sieht mich fragend an, stellt aber keine. 

“Wenn ich Dich hier jetzt so sitzen sehe, Deine Augen tränen feucht, aber Dein Blick offen und klar. Nicht belegt von irgendwelchen verdeckten Vorhängen hinter denen Du verborgen bleibst, dann kann ich sehen was für ein wundervoller Mensch Du bist. Obwohl ich Deine Träume nicht kenne, kann ich doch ganz klar erkennen, dass Du welche hast. Und ich meine nicht diesen Unsinn den man herunter betet wenn man danach gefragt wird, oder den man sich zurecht legt um einem Zeitgeist zu entsprechen. Nein, ich meine Deine echten Träume. Die sich nicht in Worte fassen lassen, sondern wie eine unbestimmte Sehnsucht nach etwas sind. 

Hätte ich mich auf Deine Art eingelassen, hättest Du mir das nicht zeigen können. Wir hätten irgendeinen belanglosen Unsinn erzählt und dann wären wir wieder unserer Wege gegangen, ohne uns je wirklich begegnet zu sein. Ich hätte Dich nicht zu Gesicht bekommen. Nur Deine Maske und Du hättest nur Meine wahrnehmen können. Das wollte ich uns Beiden ersparen und ich finde dass es das wert war.”

Nun fließen ihr wieder frische Tränen aus ihren Augen, nur dass sie diesmal lächelt. Ein Lächeln dass so rein und herzergreifend unverstellt ist, dass auch mir die Tränen kommen. So sitzen wir schweigend da, sehen uns an, lächeln verträumt und weinen. 

Ist mir doch egal ob das hier scheiß Kreuzberg oder der Arsch von irgendeiner anderen Scheiße ist. Was wirklich zählt ist das es ist. Hier, jetzt und in diesem Moment. 

Wozu doch so eine Packung Klebstoff gut sein kann, die man zufällig einstecken hat. Aber ist es nicht gerade so, dass Klebstoff dazu angedacht ist Dinge zu verbinden?

“Wenn ich so schreiben würde, dass mir alle zustimmen, müsste es so flach sein, dass ich nicht mehr schreiben wollte.”

Es ist schon erstaunlich wie einfach es heute geworden ist, etwas das man erschaffen hat zu veröffentlichen. Und wenn man es nur auf seine Facebook oder Instagram oder sonst eine der vielfältigen sozialen Seiten läd. Und wie alles sich trotzdem immer einem Diktat des Verkaufes unterzuordnen hat. Zu jedem Zeitpunkt den potenziellen Kunden im Auge, der bereit sein könnte dafür zu zahlen. Oft noch lange, bevor sich überhaupt auch nur ein einziger Interessent dafür gefunden hat. 

Man sollte meinen, dass diese mannigfaltigen Möglichkeiten eine nie gekannte Freiheit ermöglichen würden. Aber dem ist so nicht. Vielmehr wird alles zu Content reduziert, ganz so, als ob die Dinge nur noch aus ihrem Schein bestehen dürften und der Inhalt dahinter zurück zu treten habe.

Ich denke dabei zum Beispiel an den neuen Youtube Algorithmus, der unabhängig des jeweiligen Wertes oder der Dringlichkeit dummdreist nach plumpen Indizien Ausschau hält, die irgendeinem potenziellen Werbepartner aufstoßen könnten. Und der dann alles unbarmherzig ausschließt, was nicht diesem primitiven Urteil stand hält.

Ich habe selbst den Fehler begangen, mich von diesem Diktat leiten zu lassen und habe dabei verdrängt, dass dieser Weg den Verlust der Integrität meiner Arbeit zur Folge hat. So wie es allerOrten heute stattfindet.

Wäre dies schon vor fünfzig Jahren so gewesen, es hätte so etwas wie den Rock ´n Roll nie gegeben. Alles was uns aus dieser Zeit geblieben wäre, wäre unsäglich flacher Schlager. Ein Ding wie das Andere, solange bis es bis zur Unerträglichkeit ausgelutscht ist, um dann von der nächsten, unverschämten Oberflächlichkeit abgelöst zu werden. 

Wenn es so weiter geht, bekommt demnächst derjenige den Nobelpreis der sich am meisten anzubiedern versteht. Unsere Kultur bleibt dabei auf der Strecke, wird erlegt und geschändet von einem dumpfen Mammon, der selbst über gar kein Wesen verfügt, sondern sich nur aus unserer Gier rekrutiert. 

Widerworte jedoch sind verboten. Sie schütten Sand ins Getriebe und behindern nur den reibungslosen Ablauf. 

In dieses makabere Spiel ist alles eingebunden. Die Presse, einst Garant für unsere Freiheit, hat sich schon lange kapern lassen von kommerziellen Interessen. Sie hatte sich angemaßt diesen Spagat vollbringen zu können und ist an diesem zerbrochen. Heute schnappt sie nur noch um sich, wenn sie berechtigte Kritik trifft und treibt alles was sich ihr in den Weg stellt in Richtung gefährlicher, rechter Gedanken und Strukturen.

Nein, ich werde mir mein Wort nicht weiter selbst verbieten. Dann schimpft mich ruhig Schimpf und Schande und überschüttet mich mit eurer infarmen Verlogenheit. Aber ich will endlich wieder einmal in den Spiegel sehen können, ohne mich vor mir selbst zu schämen. 

Die Welt da draussen ist am Ende das, was wir aus ihr machen. So wie nur wir selbst Hüter unseres Geistes sein können und diese Verantwortung nicht übergeben dürfen an die Wucht der aktuellen Wellen. 

Es ist gerade einmal einige Jahrzehnte her, da hätten wir lernen müssen, dass Freiheit ein unbequemes Gut sein muss und man sie schützen sollte, gerade auch vor den Dämonen die sich ein bequemes und privilegiertes Leben nennen.

Man braucht nur an irgendeinen dieser Orte gehen, wo sich gerade der Pöpel des Angesagten herum treibt um zu sehen wie verbrannt Erde sein kann. Zertreten unter den abertausenden Füßen die sich der Werte nur bedienen, auf die sie sich berufen. 

Eine der größten Gefahren eines jeden Einzelnen, ist die eigene Eitelkeit. Die den Blick verstellt auf das was um einen herum geschieht und vor allem dem, was man im Herzen trägt. Kein Wunder dass dabei perverse Abnormitäten herauskommen wie wir es in den USA gerade erleben. Das mächtigste Land gelenkt vom entwurzelsten Irren. 

Aber auch wir müssen uns hier an unsere eigene Nase greifen, solange wir sie noch haben. Denn die kommenden Generationen werden uns entsetzt fragen, wie wir, wieder einmal, nicht sehen konnten, was klar umrissen und erkennbar auf uns zukam. Und wie wir den Ernst der Lage dadurch verspotteten, dass wir nichts besseres zu tun fanden, als mit unseren Fingern auf den jeweils anderen zu zeigen. 

“Hier ist die Sau. Verbrennt sie, dann ist wieder Ruhe”, nimmt der altbekannte Irrsinn seinen Lauf und schickt sich wieder einmal an ohne jede Notwendigkeit zu zerstören. Und das was daran glauben muss ist immer zuerst das Reine. Da es sich am wenigsten in Schutz nehmen kann vor dem Schmutz der über es hereinfällt wie eine wilde, zügellose Bestie.

Alles oder Nichts

Es gibt einfach Tage, die sind so ergiebig, dass ich selbst als Atheist geneigt bin, an etwas Übernatürliches zu glauben.  Dabei biedern sich diese Tage nie an. Es kommt einfach, ohne dass man es gedacht hätte und plötzlich wird aus einem vermeintlichen Fehltritt, ein unerwartet großer Gewinn. So ging es mir heute morgen.

Ich hatte die Nacht über durchgeschrieben. Gegen zwei Uhr versuchte ich zwar kurz einzuschlafen, was mir aber nicht gelingen wollte. Vor allem deshalb, da ich diese Sache mit meinem Vater immer noch nicht geklärt hatte. Nennen wir es Ram Dösigkeit, oder geben wir dem Unvermögen eine andere Bezeichnung; unterm Strich läuft es aufs Selbe raus.  Es ist wie es ist. Ich hatte im Laufe des vorherigen Jahres circa zwanzig Briefe an meinen Erzeuger geschrieben, die so in etwa zwischen “soll der Teufel Dich holen” und “ich grolle Dir nicht, werde mich aber nicht mehr mit Dir herum schlagen”, lagen. Abgeschickt hatte ich jedoch keinen von Ihnen.

Denn das ist nun einmal ein wirkliches Problem. Wenn man offen die Beziehung mit jemandem beendet und ihm gerade noch zum Abschied eins mit auf den Weg gibt, dann sollte man sich sicher sein, nicht einige Zeit später den Schwanz einzuziehen. Das wäre als drohst du jemandem ihm aufs Maul zu hauen und versuchst Dich dann mit einer Verwechslung heraus zu reden. 

Lass es bleiben. Das wird Dir, so oder so, nicht bekommen. Wenn du deine Waffe ziehst, dann drück auch den Abzug. Ansonsten laß sie stecken und mache bloß nicht die Pferde scheu; sie könnten schließlich durchgehen.

Gegen sieben Uhr war es dann soweit. Ich hatte das Schreiben Nummer 23, oder so, fertig und einen Moment den Arsch zusammen gekniffen und das Ding per Mail raus gehauen. Puh, weg war der Dreck. Aber was hatte es mir so schwer gemacht? Schließlich hatte ich den großen Teil meiner Kindheit damit verbracht, mir jeden Abend beim Einschlafen, wie ein Mantra, zu schwören ihn zu töten, wenn ich alt genug dafür sei. Alleine schon um diese Zitteranfälle los zu werden, die jedes mal von mir Besitz ergriffen, wenn ich ihn, in seinem beschissenen VW Käfer kommen hörte. 

So machen als ob ich schlafe. Dann den Moment hinter mich bringen, wenn er in unser Zimmer kommt um gute Nacht zu sagen. Spar Dir Deine gute Nacht. Verrecke Du dämlicher Wichser!

Dabei war das noch Jahre vor dem Vorfall gewesen als er mich zum ersten Mal mit einer seiner Dienstwaffen bedroht hatte. Ich hinterlistiger Verbrecher hatte 50,- DM gefunden und diese behalten und noch dazu mit größter Lust und keinerlei schlechtem Gewissen verbraten,  anstatt in die Schule zu gehen. 

Also, wenn man solch einem hoch kriminellen Stück Scheiße wie ich es damals schon war nicht einmal gepflegt die Knarre an den Kopf halten konnte, was durfte man denn dann sonst noch tun? Gerade unter der Prämisse, dass mein Vater nicht irgendwer, sondern eine hohe Respektsperson im Dorf war. So gesehen hatte er ja förmlich die Pflicht dies zu tun. Koste es was es wolle. Und wenn die kleine Drecksau dabei drauf geht; er hat es schließlich darauf angelegt.

-Schieß gefälligst auch, wenn Du die Knarre ziehst –

Es ergaben sich zwei weitere Gelegenheiten. Diesmal war seine Walther Pistole das Mittel der Wahl. Gute deutsche Qualitätsarbeit. PPK. Polizei Pistole Kriminal. Dabei war der Typ doch gar kein Bulle. Man sollte meinen, dass diese Dinger so präzise wären, dass man gar nicht damit vorbei schiessen kann. Insbesondere wenn man direkt vor dem Übeltäter steht. Aber auch diese beiden Male hatte er komplett versagt und nicht einmal das hinbekommen.

  • SCHIESS GEFÄLLIGST AUCH; WENN DU DIE KNARRE ZIEHST –

Was ich damals so Schlimmes ausgefressen hatte, weiß ich nicht mehr. Irgendeine dreiste Lüge meinerseits, oder so. Und jetzt habt Ihr mich an der Backe! Man sollte doch meinen, dass solch ein Versagen, dazu gleich dreiMal begangen, es einfach machen müsste, solch einen nutzlosen Versager in die Wüste zu schicken. 

Tja Scheiße, es ist jetzt 17:34 Uhr, ich habe immer noch nicht geschlafen und meine Rache fühlt sich ziemlich hohl an. Aber ich habe es eben auch mal wieder vergeigt. Wäre ich ein paar Jahre früher dran gewesen, dann wäre seine Tat noch nicht verjährt. Nun aber, nachdem ich endlich meinen nutzlosen Schmarozerarsch hoch bekommen habe, ist die Rache nicht süß, sondern widerlich abgestanden. Wie ein schales Bier nicht mehr erfrischen kann, die Party ihren Höhepunkt weit hinter sich gelassen hat, wenn die Lampen angehen und die Typen mit den Besen kommen und wie ein Wal zum Kotzen stinkt, wenn es ihn an Land getrieben hat und der Blubber aus ihm heraus zu quellen beginnt.

  • schiess gefälligst auch, wenn du die knarre ziehst –

Wenn ich schon nicht schlafen konnte, am frühen morgen. Und wenn die Rache zwar zu spät, aber immerhin überhaupt einmal kam. Dann konnte ich die Zeit auch nutzen etwas Werbung für meinen Blog zu machen. Denn ja, während ich über 30 Jahre alles weg geschmissen habe, kaum dass ich damit fertig war, hat mich der Wahnsinn nun vollends ereilt und dazu geführt, dass ich diesen gemeingefährlichen Scheiss nicht nur unter die Leute bringe, sondern auch noch bewerbe. Wie kann man nur seine Werte so sehr mit Füßen treten? Schließlich war ich mir doch sicher gewesen den Fehler Kafkas nicht zu wiederholen. 

  • Traue niemandem, wenn Du willst dass Deine Bücher vernichtet werden. Verbrenne sie selbst  –

Verbrennen ist ja heute nicht mehr. Eine Festplatte brennt ganz beschissen. Kein lustiges Hakenkreuz Vergnügen. “Wollen sie wirklich löschen?” Verdammt, wie unromantisch ist das denn??? 

Als ich mit Anfang 20 alle meine bis dato geschriebenen Gedichte verbrannte, brauchte ich noch eine ganze Weile dazu. Eben weil es viele waren. Heute passen nahezu unendlich viele davon auf eine durchschnittliche HD und alles ist mit maximal 2 klicks gelöscht. 

“Äh, Chef?! Die Daten sind schon alle gelöscht.”

“Wie, die Daten sind schon alle gelöscht??? Aber wir sind doch noch gar nicht durch. Da kommen doch noch Sieben.”

“Tja, das tut mir ja wirklich leid, aber so ist die moderne Technik.”

“Aber irgendwas muss doch noch da sein, dass wir löschen können?!”

“Nein, ich befürchte es ist alles weg.”

“Diese ganzen schändlichen Schriften in gerade mal zehn Sekunden?”

“Offen gesagt hat es sogar nur 3 Sekunden gedauert. Ich hatte mich nur zuerst nicht getraut etwas zu sagen”

“3 Sekunden?”

“3 Sekunden!”

“Kein Irrtum möglich?”

“Ich befürchte nicht”

“Und was sollen wir jetzt den Leuten sagen? Ich meine, wir haben einen ziemlichen Aufriss wegen dieser Sache veranstaltet. Ob der Führer davon weiß?.”

“Unwahrscheinlich. Der kann keine externe Festplatte anschließen. Sie wissen schon, dass Alter.”

“Oh ja, ich verstehe. Ist eben eher was für junge Leute.”

“Ähm, stimmt wohl.”

“Dann war es das jetzt hier?”

“Sieht ganz so aus. das heisst, wir hätten, streng genommen, noch eine HD mit Ausgaben des Stürmers drauf. Ist dem Müller Franz seine. Hat er sich vom Huber Klaus kopiert.”

“Aber merken die dass denn nicht. Sind doch tausende Leute da. Alle richtig schön aufgeheizt. Nicht das die uns durchdrehen, wenn sie den Schwindel mitkriegen.”

“Ich glaube die Gefahr ist größer, dass sie durchdrehen, wenn wir jetzt die Party beenden. Außerdem kann sowieso keiner von denen lesen.”

“Echt, die können alle nicht einmal lesen? Das kann doch gar nicht sein?!”

“Würden die sonst diese Bücher löschen wollen? Wer löscht denn “Im Westen nichts Neues”, wenn ihm dafür nur sowas wie der Stürmer bleibt?”

“Analphabeten. Im Stürmer gibts Bilder.”

“Sag ich doch”

“Also, her mit dem anderen Ding. Wir löschen jetzt einfach irgendwas. Hauptsache Horroshow.”

“Sie wissen wie man eine Party feiert.”

“Ich bin auch in der 8 Generation Deutsch.”

“Kein Wunder.”

Ach, Festplatten verbrennen ist Scheisse. Das wäre wie die Kreuzigung Christies als CGI Animation. Irgendwann muss auch mal Schluß sein. Sonst wird man am Ende nicht mal mehr ernst genommen. Und das will ich mir gar nicht erst vorstellen. Ein Wichtigtuer den keiner ernst nimmt. Das wäre ja wie ein Intellektueller ohne schwarzen Anzug. Das geht nicht. Das darf nicht. Das ist nicht. Hat nicht zu sein. Nein!

Zurück zur Werbung, es muss leider sein. Schließlich sind wir doch alle brave NeoNeoNazis. Volk und Heimat ersetzt durch Leistung und Produktivität. Der selbe Wahnsinn mit anderen Vorzeichen. Damals ging es um die Rasse, heute darf sich niemand mehr aus dieser Sache raus halten. Egal ob er aus dem Kongo oder aus Luxemburg stammt. Für das 4. Reich sind Rassen nur Ballast. Jeder der Leistung bringen kann, kommt an die Front. Alle anderen werden nun nicht mehr vergast. Zu teuer. Beschissene Public Relation. Lieber diffamieren, ausgrenzen und seine Menschlichkeit in den Vordergrund rücken. Diese erbärmlichen Arbeitslosen Wichser. Eigentlich gehören sie in die Kammern. Aber wir sind ja jetzt zivilisiert. Da wird man sensibler in solchen Dingen. 

Die ärmsten haben natürlich Corona am meisten am Arsch und es wäre am günstigsten Diesen etwas zuzustecken. Drauf geschissen. Die Wirtschaft hat Hunger. Das 4. Reich fordert seinen Tribut. Diese elenden Nestbeschmutzer machen es sich zu einfach. 

  • Dieser arme, menschliche Abfall soll gefälligst froh sein, dass er nicht verhungern muss. Ist doch völlig egal, dass andere gar nichts mehr wissen wohin mit ihren Überschüssen. Hier zählt das Leistungsprinzip und nicht dieser beschissene Humanismus. Der hört sich gut an. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch schön. Vor zwei Monaten hatte ich ganze 2 Wochen nichts zu essen. Kann aber nicht sein. Irgendein Heidrich Nachfolger hat es doch genau ausgerechnet. War sowieso viel zu fett. Am oberen Ende des Idealbereichs. Ich sollte dankbar sein. Fasten ist Kur. Die Würde des Menschen ist unantastbar und Friedrich Merz erhält ein Durchschnittseinkommen. 

Dirty Harry hat recht. Ich habe es zu lange nicht verstanden. Der Zyniker weiss dass alles vor die Hunde geht, steht aber mit einer unbändigen Lebensfreude auf.

Es geht los. Ich beginne den Groove zu fühlen. Und jetzt auf zur Mobilmachung. Irgendwie etwas Geld zur Seite bringen. Dann fliegen. So viel man kann. Aber nur mit den ganz alten Maschinen. Je höher der Verbrauch, desto größer die Freude. Leidensgenossen einsammeln. Aluhüte aufsetzen. Scheißegal unser Vermögen ist, dass wir nichts mehr zu verlieren haben. CDU wählen. Oder besser noch FDP. Völlige Freiheit für den Wirtschafts Apparat. Keine Auflagen. Scheiß auf die Umwelt. Die wird dieses kleine Intermezzo überleben. Aber das Gesicht der Vielfraße, wenn die Flut an ihre fetten Waden klatscht. Panik sich breit macht. Und die unbarmherzige Einsicht: Scheiße auch wir sind nur bescheuerte Menschen und wenn der Planet abschmiert, schmieren wir mit. Die größte Show der Menschheitsgeschichte bloß nicht verpassen. Kurz vor 12 anheuern bei einem der Völler. Hauptsache Job, keine Entlohnung nötig. Ich möchte nur sehen wie ihr ebenfalls verreckt. Ist mir bezahlung genug. Ich soll Dir Deinen dreckigen Arsch sauber lecken? Hast Dich vor Angst ganz stinkig gemacht? Kein Problem, ich bin für Dich da. Und da kommt die Flut und sie steigt. Erst die fetten Füße, dann die häßlichen Waden. Keine Sorge, das ganze Gummi in den Titten sorgt für Auftrieb. Kannst Du die Show noch was länger genießen. Noch eine Portion mehr Panik? Gerne doch. Ist reichlich da. Dieses Mal wird wirklich jeder satt. Die Würde des Menschen ist unantastbar.

  • Der Mensch muss sich seine Würde erst einmal leisten können. Keine Leistung, keine Würde. Die schönen Worte gibts gratis. Balsam für die Seele. Lenkt einen Moment ab vom hungrigen Bauch.

Keine Ahnung wie viele alleine in Berlin von der Tafel abhängig sind. Corona hat es unterbunden. Irgendeiner dieser professionellen Lügenbarone steht vor der Kamera. 

“Die Menschen müssen hier nicht hungern. Alles Unsinn. Heidrich der Neue hats berechnet. Zudem ist die Würde des Menschen unantastbar. Unser wunderbares Grundgesetz. Bla, bla, bla…”

Kein amerikanischer Präsident hat so viel für die Schwarzen getan wie Donald Trump. Wieso die Wirklichkeit bemühen wenn sowieso alles vollkommen egal geworden ist. Es funktioniert doch offensichtlich auch so. Als ob wir hier nicht am großen Finale beteiligt wären. Wir legen aber Wert auf Stil. Wenn schon zum Klo runter, dann wenigstens gut gekleidet.

“Hier muss niemand hungern.” Scheiße muss ich dämlich sein. Gerade mal zwei Wochen her, dass der Teller voll war und ich verspüre welchen. 

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Scheiße, jetzt habe ich mir vor lauter lachen in die Hose gepisst. Ich liebe unser Grundgesetz. Diesem Schriftstück ist nicht einmal ein Tucholski gewachsen. Erzähl mir mal einen Witz mit sechs Worten.

Verdammt, bin ich jetzt ein Terrorist? Hab ich gerade wirklich gegen den ersten Paragraphen des Grundgesetzes gewettert. 

DER LIEBE GOTT HAT MARIA GEFICKT. JOSEPH IST EIN CUCKOLD

Scheisse, hilft alles nichts. Alles zu spät. Gott darf tot sein. Das Grundgesetz aber kein Witz. Das geht nicht. Immerhin gehe ich schon nicht mehr wählen. Ist das denn nicht genug Schändlichkeit auf einmal? 

Ob es was hilft wenn ich nochmal hingehe? Ob ich damit was raus reißen kann? Gab es da nicht einmal ein Feld dass man frei ausfüllen konnte? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich war erst einmal wählen. Zu lange her. Am Stammtisch, der Abend zuvor. “Hast DU schon DAS gehört? In der Bild stand dass … Freie Meinungsbildung abgeschlossen. Ab zur Wahlkabine. Kreuz machen. Man hat sich seine Meinung gebildet. Was will man mehr? 

  • Ein Hoch auf die Demokratie!!!

Wir müssen sie schützen, mit allem was wir haben.

Aber was schreib ich rein, falls es das  Feld noch gibt? Addi 2.0 HURRA!!! Bin ich dann ein Nazi. Hab schließlich schon kurze Haare. Ist kein weiter Weg; von dort aus. 

Ist so eine  blasphemische Scheiße durch die Kunstfreiheit gedeckt? Oder muss sich die Kanzlerin jetzt schon wieder für einen ihrer freien Bürger beim Irren vom Bosporus entschuldigen. 

“Ja, ich weiß schon. Dass mit der Kunstfreiheit ist so ein Ding hier. Aber ist am Ende wie das Ding mit der Würde. Hört sich gut an. Muss man es sich aber leisten können. Ebenso wie sein Recht. Ist natürlich auch alles fair. Macht keinen Unterschied ob man mit einem guten Anwalt, oder alleine in den einen Anzug eingeklemmt kommt. Oder gar in Jogginghosen. 

Bei uns sind natürlich nicht alle gleichberechtigt. Jedem der bereit ist bis zwei zu zählen fällt das sofort auf. Es macht sich nur kaum einer die Mühe. Also nicht so eng sehen. Wie wärs mit ner neuen Fuhre Leopard? Natürlich nur für humanistische Zwecke. Stecken Sie doch eine Blume ins Kanonenrohr. Oh Mist, das war zuviel. Hab mir gerade in meinen Schlüpfer gestrullert. Wo war nochmal das Klo?”

Die arme Merkel. Und das alles nur wegen mir. 

Ich fordere die Todesstrafe für mich. Kann man danach ja wieder abschaffen. Zählt eh keiner mit und die die es doch tun, erkennen sehr schnell: Ein armes Schwein weniger. Was soll die Aufregung? 

Aber hey, zurück zum Hauptstrang der Geschichte. Marketing, Blog, Literatur, Erfolg, Kohle, geile Weiber, mannigfaltige Urlaube. Endlich jemand sein. Einer der Guten. Leistungsbereit.

LEISTUNG HEIL!

In einem Literaturforum angemeldet. Jeder kann seinen Senf dazu geben. Der Text wurde nicht anerkannt. Zu viele Fehler. Inhalt nebensächlich. Zu schwer zu lesen. Mehr Gefälligkeit, bitteschön. Wir sind hier schließlich in Deutschland. Führen zwar nicht mehr die weltweite Literaturszene an, aber wenn schon belangslos, dann wenigstens ohne Fehler. 

Was habe ich meinem Werk nur angetan? Hab die Einfachste geschickt. War zu schwer. Hätte einen Text wie den hier schicken sollen. Inklusive meiner Adresse. Würden dann wahrscheinlich schon mit brennenden Fackeln und Teer vor meiner Tür stehen. 

“Da ist er, der Frevler. Holt Euch die Sau! Der Typ scheißt auf Rechtschreibung”

Verdammt, ich hätte es verdient. Bin ganz freundlich geblieben. Dabei hätte sich die Erde dort extrem zum verbrennen geeignet. Schwerstgradige Beleidigungen.

“Ich habe eine Eurer Geschichten überflogen. Keins der Worte wert. Scheißegal ob Fehlerfrei. Ihr armseligen Arschkriecher. Content Deppen. Ein feiger Schriftsteller ist ein beschissener Autor. Wenn er sogar schon vor dämlichen möchtegern Deutschlehrern den Schwanz einzieht.”

Statt dessen ein Haufen verlogener Nettigkeit. “Löscht doch bitte mein Konto bei Euch. Hab die Funktion auf Eurer Seite nicht finden können. Danke und noch alles Gute.”

Aber selbst dran Schuld. Was hab ich mir auch nur dabei gedacht. Veröffentlichen muss doch nicht gleich bedeuten, dass man bis zum Dünndarm eindringt. Du dämlicher Wichser. Stell Dir mal vor, sie hätten die Geschichte veröffentlicht?! 

“Ich finde das ..” “Und ich denke dass jenes” “Aus meiner Sicht …”

Wäre cool gewesen. Wie lange hätte ich es geschafft Gefällig zu sein? Wann hätte ich die Nerven verloren und wäre den Idioten dort an den Hals gegangen? Schwerste Beleidigungen! 

“Ich habe Überschriften, die sind mehr wert als all Eure einfältige Kacke zusammen.”

Scheiße, war das jetzt richtig geschriében? Mache ich es vielleicht irgendjemandem zu schwer? Zu ungewohnt? Zuviel Blasphemie dem Produkt gegenüber? Nicht genug gebuckelt für den Applaus? 

Was soll ich mit Applaus? Was soll der Drang nach Zuspruch? Habe ich nicht gerade deshalb nie etwas veröffentlicht? Selbst damals, als ich ein Angebot eines Verlages hatte? Weil mir klar war, dass der Applaus die Droge sein würde, die mich vollends vereinnahmt und süchtig macht? Gefällig macht? Flach macht? Belanglos macht? Hab ich mir nicht geschworen, dass ich entweder der wichtigste deutsche Schriftsteller sein will, oder in Schimpf und Schande unterzugehen bereit bin? 

Was war da noch mal, und vor allen Dingen: Wer hat das gerade gesagt? War ich das? Derjenige, der all seine Werke verbrannt hat, obwohl er noch furchtbar jung ein Angebot hatte, dass er hätte nicht ablehnen dürfen? Und das nur, weil er gemerkt hat, dass sein Stil schon von einem Anderen vollendet worden war? Hatte ich nicht die wichtigste Förderung meines Bundeslandes mit Füßen getreten, weil sie sich erdreisteten mich um eine Veröffentlichung zu bitten? 

“Wie, Du bist nicht von Suhrkamp? Dann verpiß Dich! Was willst Du von mir?”

Grenzenloser Größenwahn. Irre. Anmaßend als wenn es eine Medaille dafür gäbe. 

Hieß nicht das Credo: Ich gegen die ganze Welt? Und bin ich nicht endlich wieder an dem Punkt angelangt, dass ich mich diesem Wahnsinn zu übergeben bereit bin?

Alles oder Nichts und auf keinen Fall etwas dazwischen!

Ich bin endlich wieder Ich. Jahrzehnte mit dieser furchtbaren Krankheit. Die mich Tag ein Tag aus gequält hat und mir ein Leben nur unter ständigem Einfluss billiger Drogen ermöglichte.

Ja, ich bin wohl wieder da. 

Ist mir offen gesagt scheiß egal, ob Dir mein Text zu schwer zu lesen ist. 

Wenn dem so ist, dann geh woanders hin.

Hier bist Du direkt an der Frontlinie. Eines Spinners der zerschunden ist und pleite. Seit Jahren Arbeitslos und für nichts zu gebrauchen, als sich auf die Suche nach der Essenz des Wahnsinns zu machen, der uns umgibt.

Das hier ist alles. Nur nicht der Ort der schönen Worte und der wird es auch niemals werden.