Nutzlose Eroberungsversuche

Ich muss zu meinem eigenen Bedauern zugeben, dass ich im Bezug auf das andere Geschlecht nie ein sonderlicher Überflieger war. Manchmal wundere ich mich gar, dass ich nicht zu einem jener bedauerlichen Männer wurde, die sich bis in ihre mittleren Jahre hinein, ihre Jungmännlichkeit erhalten mussten. Irgendwie klappte es dann doch. Doch wie das vonstatten ging, ist mir bis heute ein Rätsel.

Aus meiner Sicht lag dies weniger an mir selbst, sondern vielmehr daran, dass das ganze Konzept von Flirt und Eroberung logisch nicht nachvollziehbar ist. Oder sich zumindest äußert diskrepant verhält. Ich zählte immer schon zu den Männern, denen es ein Bedürfnis war, ihren weiblichen Mitgeschöpfen mit Respekt zu begegnen. Leider jedoch schienen Diese gar nicht so behandelt werden zu wollen. Zumindest wenn man ihnen körperlich und nicht nur emotional näher kommen wollte.

So hatte ich immer viele sehr enge Freundschaften zu Frauen unterhalten. Meist deutlich mehr als zu Männern. Ich war derjenige dem sie gerne ihre Sorgen offenbarten, aber nicht derjenige, den sie auch an ihr Höschen lassen wollten. Wenn ich sie dann um ihre Meinung diesbezüglich bat, sagten sie mir in der Regel, dass ich zu nett sei um sexuell attraktiv zu wirken.

Gleichzeitig schimpften sie über die Typen die es nicht waren. Sie litten unter ihnen und verachteten diese, gingen aber dennoch lieber mit denen ins Bett, als mit mir. Natürlich habe ich dann versucht mich genauso wie diese Macker zu verhalten. Aber das fanden sie auch nicht gut und ermahnten mich doch lieber so zu bleiben wie ich bin. Eine ziemlich diskrepante Angelegenheit aus der ich nicht schlau wurde.

Auch die Orte oder die ganze Art, wie so ein Flirt mit Hintergedanken ablief, konnte ich nicht nachvollziehen. Jeder der schon einmal eine gut besuchte Disco besucht hat weiß, dass man vielleicht vieles dort anstellen kann, es jedoch unmöglich ist, sich dort auch nur halbwegs vernünftig zu unterhalten.

Dementsprechend waren die anmach Gespräche auch gelagert. Ich habe mich, wenn sich die Gelegenheit dafür ergab, gerne in die Nähe erfolgreicher Aufreißer gestellt um herauszufinden, welche Themen sie verwendeten um die Damen ihrer Begierde dazu zu bringen sich ihnen körperlich zu offenbaren.

Was ich dort hören musste ergriff mich regelmäßig mit tiefem Entsetzen. Selbst wenn die Frauen ansonsten noch so intelligent waren, in diesem Kontext schienen sie es vergessen zu haben. Diese Phrasen waren so dumm, dass dagegen der Furz eines verpeilten alten Esels Nobelpreisverdächtig ist.

“Hat Dir schon mal jemand gesagt wie hübsch Du bist”, war beispielsweise einer davon. Und ja, dass hatte ich denselben Frauen wenn ich mit ihnen befreundet war, bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesagt. Was aber nie dazu geführt hatte, dass sie in amouröse Stimmung gekommen wären. Vielleicht war es auch mein Fehler gewesen, da ich dies ernst meinte und es vor allen Dingen sagte um meine Freundinnen aufzubauen und nicht um sie aus ihrem Höschen zu bekommen.

In jener lauten Umgebung jedoch, hervorgebracht durch einen Typen der schon einem Großteil ihrer Freundinnen das Herz gebrochen hatte, wirkten solch aufgesetzte Äußerungen wahre Wunder. Sie wendeten dann etwas peinlich berührt ihren Blick ab, lächelten, strichen sich durch ihr Haar und ich konnte vor meinem geistigen Auge sehen, wie sie es gar nicht abwarten konnten bereitwillig ihr Höschen abzustreifen.

Spätestens ein paar Tage später, heulten sie sich dann bei mir aus, welch blödem Arsch sie auf den Leim gegangen wären. Und ich hab mir das dann auch noch angehört und nicht meinerseits die Situation ausgenutzt.

Tja, und so erscheint es mir nahezu als Wunder, dass es dann doch hin und wieder funktionierte. Erstaunlicherweise immer dann, wenn ich mich soweit mit dieser Situation abgefunden hatte, dass mir die Frauen egal geworden waren. Das fanden sie dann reizvoll. Warum dies jedoch so wahr, verstehe ich bis heute nicht.

Frauen wollen gut behandelt werden. Dann jedoch scheint ihre Libido eine Pause einzulegen. Es gibt diesen Spruch, dass nur die bösen Jungs die Herzen der Mädchen erobern würden. Warum auch immer, scheint da etwas dran zu sein.

Eines Tages hatte ich also die Nase endgültig voll und besuchte einen so genannten Pick up Artist Kurs. In diesen Kursen geht es darum, den Teilnehmenden Männern Techniken näher zu bringen, wie sie Frauen ins Bett bekommen. Diese können solche Techniken gar nicht leiden. Warum die Tricks dann jedoch funktionieren, kann ich mir nicht erklären. Also scheint doch etwas dran zu sein.

Wir lernten dort so durchtriebene Sachen wie zum Beispiel, dass man, wenn man das schönste Mädchen einer Clique kennen lernen will, die am wenigsten attraktive von ihnen ansprechen solle. Der Schönen würde das dann so sehr aufstoßen, dass sie alle weitere Zier über Bord werfen und Euch um den Hals fallen würde. Hört sich bescheuert an, funktioniert aber erstaunlicherweise.

Oder das Gockel Prinzip, das besagt, man solle sich irgendwie bescheuert auffällig kleiden und alleine durch dieses mutwillige und aufgesetzte herausstechen aus der Masse, würden die Damen auf einen aufmerksam. Und das sogar im positiven, Höschen freien Kontext. Scheint genauso bescheuert zu sein, funktioniert aber ebenfalls.

Bedeutet dass nun, das Frauen im Grunde ihres Herzens dämliche Wesen sind, die mit echter Aufrichtigkeit nichts anzufangen wissen. Dies ist eine der Fragen, die ich mir nicht wirklich beantworten will. Gerade weil ich befürchte, dass das Ergebnis mich nicht erfreuen würde.

Hin und wieder gibt es natürlich auch junge Damen, die über diesen Dingen stehen. Solchen vermochte ich dann manchmal, wenn es passte, näher zu kommen. Leider sind diese jedoch eher spärlich gesät. Aber ihr kennt das ja, vergleicht einfach die Einschaltquoten vom Bachelor mit denen der philosophischen Sternstunde, dann wisst Ihr was ich meine. Scheiße ist nun einmal vermittelbarer als Gold.

Oder seht Euch die Anzahl der Likes auf Spotify und Konsorten an. Irgendein immer gleicher Unsinn, der zu 99,9% im Rechner entstanden ist und zu dessen Erschaffung es nahezu keinerlei musikalischer Talente bedarf, toppt mit Leichtigkeit Musik, vor der sich jeder Fachkundige, nur danieder knien kann.

Also scheint die Mehrzahl der Frauen ebenso hohl wie die meisten Männer zu sein. Nur eben mit etwas anderen Auswölbungen.

Dabei scheint mir dies weniger mit ihrem Intellekt als mit ihrer Konformität zu tun zu haben. Je angepasster und widerspruchsloser ein Mensch ist, umso mehr scheint er, oder in diesem Beispiel sie, sich damit abzufinden, für dumm verkauft zu werden. Oder es geradezu zu erwarten.

Kein Pfad kann dann ausgetreten genug sein, kein Cli­ché zu abgegriffen und keine Pointe vorhersehbar genug. Oder wie eine Freundin von mir einmal ihren Bruder ermahnt hat, der es sich ebenfalls schwer mit Frauen tut: “Du darfst nicht so zimperlich sein. Die meisten Frauen wollen nicht gut behandelt werden, sie behaupten es nur.” So etwas aus dem Mund einer lesbischen Emanze zu hören, hat schon etwas Verstörendes.

Kein Loch im Kopf

Die Suppe läuft an mir herunter. Die Waffe in meiner Hand wackelt, da ich wie Espenlaub zittere.

Abdrücken, fertig, gut!

Einfach gesagt. Aber warum zittere ich dann so sehr? Ich schiebe mir das Ding in meinen Mund. Gerade hinein, so tief ich es bekomme. Mein Finger geht zum Abzug. Greift nach ihm. Richtet sich aus. Ist bereit. 

Wenn ich so schiesse, tritt die Kugel am Ende nur am Hals aus. Schlägt ein Loch in die Wand hinter mir. Hinterlässt mich verletzt, aber nicht tot.

Entweder verrecke ich dann langsam, oder irgendein Nachbar ruft Hilfe, die flicken mich zusammen, sperren mich solange ein, bis sie denken, dass ich meine Lektion gelernt hätte und am Ende stehe ich dümmer da, als zuvor.

Warum ist es nur so beschissen schwer sich umzubringen. Diese kleine, scheiss Leben, nachdem mich niemand gefragt hat. Warum zur Hölle werde ich es nun nur so schwer wieder los?

Ich hab noch nie gerne gelebt. Aber ich war immer schon gerne stoned. Auch liebte ich immer schon die Nähe zu einer Frau die mich begehrt. Ihren Herzschlag spüren, ihren Atem. Ihre weichen Brüste. Wie die Warzen sich versteifen, die Hand dann herunter fährt. Zwischen ihre Beine. Klatschnass, im besten Fall. Voll gesogen mit saftiger, tiefer Lust, die einen mitreißt. Wie in einem gewaltigen Strom der einen umfließt und einen einnimmt, nicht um Erlaubnis bittet. Ein reißender Fluss nach der Schneeschmelze. Gewaltig, gewalttätig, echt, tief, ergreifend, verschlingend.

Leider kann man nicht durchgehend ficken oder stoned sein. Alleine schon deshalb, weil man sich das nicht leisten kann. So oder so. Alles kostet seinen Preis und der ist oft weit höher, als er zu Anfang zu sein scheint.

Selten sind die Momente in denen man vollkommen satt ist. Und auch wenn man mal genug bekommen hat, das Gefühl das bleibt ist auch dann nicht angenehm. Es drückt, deutlich. Ein viel zuviel. Eben noch perfekt, der schmale Grat. Kurz darauf dann folgt die Ernüchterung, dass diese Seite des Berges ebenso verklüftet und unwirtlich ist, wie es die andere Seite war.

Der Lauf der Waffe fühlt sich kalt in meinem Mund an. Das Aroma des Waffenöls legt sich über meinen Geruchs und Geschmackssinn. Die ganze Welt scheint mit diesem Balsam der Vergänglichkeit eingesprüht zu sein. 

JETZT DRÜCK ENDLICH AB! TRAU DICH! NUR EIN, ZWEI, MILLIMETER WEIT, DANN IST ES GESCHAFFT. DU MUSST DER KUGEL NUR SAGEN DASS SIE SOLL. DEN REST BESORGT WALTHER.

Ausser die Kugel tritt irgendwo aus, ohne ausreichend großen Schaden anzurichten. Dann bekommt das Horrorhaus meines Daseins einen weiteren Anbau. Von wegen ausgestanden, dann geht es erst so richtig los. 

Denn dann wollen sie dich retten. Natürlich vor dir selbst. Die Welt dort draußen ist nicht das Problem. Die kann niemand ändern und erst recht nicht so biegen, dass sie passt, ob einem das nun recht ist, oder nicht. Nur dich kann man verändern. Und genau das wird dann geschehen. Mit aller Konsequenz.

Spätestens dann wird dir endgültig klar, dass dies nie dein Spiel war und du nie frei entscheiden durftest, ob du es mitspielen willst, oder lieber nicht, oder ob du vielleicht eine andere art von Spiel bevorzugen würdest. Die Freiheit ist ein Gut, dass sich vor allen Dingen auf Papier gut macht. 

Ein neues Kind ist geboren? Na dann, herzlichen Glückwunsch! Aber wozu eigentlich? Der Knirps ist noch nichts. Alles kann sein und nichts muss. Vielleicht überlebt er die erste Woche nicht. Noch bevor er sich bewusst wurde, dass es ihn überhaupt einmal gab. Wenn er Glück hat. 

Vielleicht tritt er aber auch erst später wieder aus dem Leben. Womöglich nachdem er ewig auf der Stelle getreten ist. Aber wer weiß, vielleicht wird er auch etwas erreicht haben, der neue Mensch. Wird zurückblicken auf ein erfülltes Leben, seine Liebsten bei sich. Gut aufgehoben, behütet, vermisst.

Doch dann will er nicht mehr gehen. Bedauert sein Vergehen und die Zeit die ihm dies aufbürdet. Glück ist vor allen Dingen relativ. 

Vielleicht, vielleicht, vielleicht … vielleicht. 

Ich muss den Lauf höher nehmen. So, dass mir die Kugel durch mein Hirn fliegt und dabei soviel wie möglich zerfetzt. Soviel, dass ein zurück undenkbar ist. So undenkbar, dass sie es erst gar nicht probieren. Am besten so sehr undenkbar, dass ich sofort und für alle Zeiten hinüber bin. Ein Haufen Fleisch, befreit davon zu funktionieren.

Aber was wenn ich mir das falsche Teil meines Gehirns wegballere? Es gibt Menschen, denen sind ganze Eisenstangen mitten durch ihren Schädel geflogen und zuerst schien es so, als hätte dies nicht die geringste Auswirkung auf ihre Persönlichkeit. Bis sie sich dann auffällig veränderten, eine neue Persönlichkeit die Alte ersetzte. Meist irgendwie nicht normal. Aggressiver, ungehemmter, animalischer. Wie ein Pan der jedoch die Frauen davon jagt, anstatt sie anzulocken. Dessen Gestank nicht zu Wollust führt, sondern seine Mitmenschen anekelt. Auch wenn die Frauen ihm gegenüber, noch so brünstig sind.

Kein Mann kann den Pan leiden. Ausser diejenigen, die seinen Tricks auf die Schliche kommen wollen und dabei nicht merken, dass es keinen Trick gibt, dem er sich bedient. Er ist ganz einfach er selbst. Einfach so, als sei das rein logisch und als gäbe es nicht die geringste Alternative dazu. Eine Antwort die so einfach ist, dass sie nur verstören kann.

Du willst so ein Pan sein? Dann lass los. Das ist alles das es braucht. Aber ersetze die Dinge die du gerade verloren hast nicht etwa durch etwas anderes, sondern lass Raum für echte Möglichkeiten. So einfach ist es ein Pan zu sein. Beschämend für einen durchschnittlichen Mann, dass er nicht einmal das auf die Reihe bekommt. 

Also, wenn ich das Ding so halte, dass die Kugel mitten aus meinem Kopf, an seiner höchsten Stelle austritt, dann müsste doch genug kaputt gegangen sein. Aber ist dieser Teil meines Hirns derjenige der unersetzlich ist?

Wenn Einstein recht hatte und wir nur 10% unseres Hirns nutzen, dann wäre es doch wesentlich einfacher die 90% zu treffen in denen eh nichts geschieht.

Würde das dann überhaupt einen Unterschied machen? Ausser vielleicht, dass man danach verstellt ist und einem jeder ansehen kann, dass etwas krasses geschehen ist? Etwas dass sich nicht wegdiskutieren lässt, sondern dass dazu auffordert verdeckt, hinter dem Rücken des Betroffenen, kleine, schmutzige Details auszubreiten? Den Schmutz hervorzuholen, den man selbst in dieses System getragen hat?

Wenn die Cops wirklich etwas finden wollen, dann legen sie eben was hin. Und wenn der anständige Bürger etwas braucht das ihm zeigt, dass er besser ist, als das worauf er mit seinem Finger zeigt, dann bringt er die Sache zur Not auch aus eigenen Stücken zum Laufen. 

“Hast du schon gehört was …”

Nur raus aus dieser beschissenen Welt, aber richtig! Nur dass ich eben nicht genau weiß, was das Richtige in diesem Fall ist. 

Vielleicht dann doch vor einen Zug springen. Scheint verbreiteter als der Schuß zu sein. Ist aber eine Sauerei für den Zugführer. Ich kenne welche, die haben ihr ganzen Leben damit gehadert, dass sie diesbezüglich mißbraucht worden sind. Kann mir dann aber auch egal sein. Natürlich aber nur dann, wenn ich mir keinen Schnitzer erlaube.

“Sieh eben selbst zu wie du mit dieser Scheiße hier klar kommst, Zugheini” 

Meine mich liebenden Eltern haben mir diesen Wahnsinn hier angetan. So läuft die Nummer. 

“Wir haben Dir das Leben geschenkt”

Fickt Euch, Ihr habt es nur, verblendet von Geilheit, romantischem Unsinn und konventioneller Feigheit miteinander getrieben weil Ihr Euch nicht zurück halten konntet. Ihr habt mir einen Scheiß geschenkt. 

IHR HABT MIR DAS SCHLIMMSTE ANGETAN WAS IHR MIR HÄTTET ANTUN KÖNNEN!!!

Leider habe ich den Braten zu spät gerochen. Sonst hätte ich Euch schon als kleines Kind erstochen. Sobald ich wusste wie rum man ein Messer hält, hätte ich das getan. Meine mich liebenden Eltern; was für ein Haufen Scheiße soll das denn sein??? Diese erbärmlichen Arschlöcher schaffen es doch nicht einmal sich selbst zu lieben.

Vielleicht sollte ich alle anderen abknallen. Dann hätte ich auch meine Ruhe. Funktioniert aber auch nicht. Zum Einen sind es zu viele und zum Anderen sind Menschen Rudeltiere und damit bin ich das auch. 

Vielleicht nur ein paar schöne, junge Mädels übrig lassen?

Klar doch, weil die ja auch zum Dank für die Nummer mit mir ficken würden. Die würden höchstens dafür sorgen, dass mir das Lachen im Hals stecken bleibt.

Also, wie rum steck ich das Ding jetzt rein, damit es auch seinen Dienst tut?

KLACK!

Verdammt, was war das denn eben? Ich habe doch tatsächlich den Abzug betätigt. Aber es war ein Rohrkrepierer. 

Hast Du noch alle Tassen im Schrank, Alter? Du hältst Dir eine Knarre in den Mund und drückst auch noch ab??? Was stimmt nicht mit dir? 

Und dabei wollte ich es doch so sehr. Aber manchmal sollte man seinen Wünschen gegenüber vorsichtig sein. Schließlich wünscht man sich Bier und Chips zum Blockbuster am Abend und hat dann doch nur scheiße gefressen und gesehen. Sind wir es am Ende selbst, die uns die schlimmsten Dinge antun? So, wie die wenigsten von uns ein Pan sind?

Und sollte ich am Ende ebenfalls eines dieser verabscheuungswürdigen, feigen und rückgratlosen Wesen sein, die mich so sehr anekeln? Ekele ich mich letztlich vor mir selbst? Bin auch ich solch ein Fähnchen im Wind, wie meine Eltern es waren? Ist es vielleicht so wie Milan Kundera es so schön in seiner Geschichte “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” beschrieben hat? Wir scheitern daran, dass das Ergebnis zu offensichtlich ist? Das wir dass, was wir zu erreichen zu versuchen, längst erreicht haben?

Bin ich am Ende gar nicht besser als die Anderen? 

Bin ich vielleicht sogar der Andere für die Anderen?

Dieses Mal hatte ich Glück gehabt. Mehr Glück als Verstand. Es liegt an mir, es nicht mehr soweit kommen zu lassen.

Oh Mann, helft mir doch bitte

“Oh Mann, helft mir doch bitte. Ich hab so einen Hunger!” Er steht am Eingang der Bank in dem sich die Automaten befinden und ist offensichtlich verzweifelt. Ich bekomme solche Behauptungen zwar des öfteren zu hören. Schließlich wohne ich in einer der herunter gekommensten Ecken von Berlin. Dass der Leidtragende jedoch bitterlich weint, während er seiner Verzweiflung Ausdruck verleiht, dass ist mir so noch nie bewusst begegnet. 

Sein Schmerz rührt mich und ich würde ihm gerne helfen. Aber ich habe keinerlei Geld einstecken und die letzten zwanzig Euro die ich mir für diesen Monat aus dem Automaten ziehen kann, sind schon fest für Dope eingeplant. Dafür bin ich extra hier her gekommen. Wenn ich ihm von diesem Geld etwas abgeben würde, müsste ich dafür auf meinen Turn verzichten. 

Zwar erscheint mir Hunger als ein dringenderes Verlangen, als den Drang danach High zu werden, aber so leid es mir tut und so hart es auch ist, es handelt sich nicht um meinen Hunger. Als ich wieder auf die Strasse komme bekomme ich ihn kurz zu Gesicht. Vorher habe ich ihn nur hören können. Er stützt sich auf eine Krücke. Die Hose seines rechten Beins ist abgeschnitten und hochgeschlagen, so genau kann ich das auf die Schnelle nicht erkennen. Er trägt einen Verband an eben diesem Bein. Auch ansonsten wirkt er sehr angeschlagen und mein erster Gedanke ist, dass es weniger der Hunger ist, der ihn zu dieser Verzweiflungstat treibt, als vielmehr irgendein Affe der ihm Genick sitzt und nach seinem Tribut schreit.

Verdammt, die Welt kann schon ein unbarmherziges Etwas sein, denke ich bei mir und überlege kurz, ob ich ihm nicht doch irgendwie helfen kann. Aber ich habe keinerlei Geld, außer den besagten und schon fest verbuchten zwanzig Euro bei mir und mein Drang nach Hilfestellung geht nicht soweit, dass ich mir sonst etwas einfallen lasse. So schwinge ich mich auf mein Fahrrad und denke an eine Aussage eines Buches zum Thema Glücklich sein, dass ich vor einigen Tagen gelesen habe. 

“Machen Sie sich frei davon sich von jedem Problem emotional angesprochen zu fühlen, dass nicht das Ihre ist”, stand dort geschrieben. Soll ich die Gelegenheit nun als Test sehen dieses theoretische Wissen in meine Praxis zu übertragen? Oder ist es nur ein Indiz dafür, welche Kälte hinter solchen Aussagen steckt? Ich bin mir nicht schlüssig. Wie immer gibt es gute Gründe die dafür, als auch Solche die dagegen sprechen.

Vor allen Dingen wird mir bewusst, wie sehr auch ich davon gefangen bin ein Heuchler zu sein. Jeden Tag klage ich die Welt an mit dem was ich tue aber wenn ich in der Lage wäre konkret etwas zu tun, rede ich mich mit Spitzfindigkeiten heraus. 

Einen kleinen Moment lang versuche ich einen anderen Schuldigen zu finden. Die Gesellschaft an sich, den Staat, der letztendlich nur ein anderes Wort für Gesellschaft ist, oder die Leute die ebenso diese Freakshow mitbekommen und die nicht geholfen haben, obwohl sie es hätten tun können. 

Aber auch ich hätte helfen können, wenn es mir denn wichtig genug gewesen wäre. Wichtig genug dafür auf etwas zu verzichten auf das ich gerade Lust hatte. Und ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass es immer darauf hinaus läuft. Schließlich lässt sich immer irgendein Verzicht finden, wenn man nur gründlich genug danach sucht. Vielleicht ist diese Welt ja auch deswegen so ein Scheißhaus, weil auch ich meinen Teil dazu beitrage sie dazu zu machen.

Aber jetzt ist es erst mal gut mit den hintergründigen Gedanken. Ich habe das Geld gegen Rauchstoff umgetauscht und werde erst einmal wieder auf Tauchfahrt gehen. Letzten Endes um mich vor dem Schlechten dort draussen zu schützen, zu dem ich selbst gehöre. 

Spucki

Spucki hieß eigentlich gar nicht Spucki, dass war natürlich nur der Spitzname den ich ihm gegeben hatte. Ich nannte ihn auch nur so, wenn niemand außer uns beiden anwesend war. 

Die anderen nannten ihn Onkel Ernst. Sie waren viel zu pietätvoll um ihn anders zu nennen und mit Sicherheit wären sie bestürzt gewesen, wenn sie erfahren hätten wie ich ihn  nannte, wenn wir unter uns waren.

Ich weiss gar nicht mehr, wie lange Spucki sich schon in seinem Zustand befunden hatte. Er saß meistens in einem Rollstuhl oder lag auf seinem Bett und war weit weg getreten. Keiner seiner Ärzte konnte uns mit Sicherheit sagen, ob er von seiner Umwelt oder auch nur von seinem Zustand irgendetwas mitbekam. Sie gingen eher davon aus, dass dem nicht so war.

Aus seinen Mundwinkeln lief fortwährend ein dünnes Rinnsal Spucke, das immer wieder von einem von uns, oder einer der Krankenschwestern weggewischt wurde. So kam er auch zu seinem Spitznamen. 

Irgendwie fand ich seinen richtigen Namen auch wenig zutreffend, denn er ist ihm, zumindest soweit ich ihn kannte, nie gerecht geworden. 

Onkel Ernst, war alles gewesen, aber niemals ein ernster Mensch. Ich dachte manchmal, dass er vielleicht gerade aufgrund seines Namens immer zu Scherzen aufgelegt gewesen war. Sozusagen zum Trotz. 

Sein Humor, war allerdings nicht jedermanns Sache. So sehr ich diesen auch liebte, stieß er den meisten anderen aus unserer Familie vor den Kopf. Und das wunderte mich auch nicht gerade, denn Onkel Ernst, damals nannte auch ich ihn noch so, hatte wahrlich eigene Vorstellungen von dem was er als lustig empfand. Aber wie schon gesagt, ich war ein Fan seines Humors.

Meistens war dessen Basis sexueller und dazu noch ziemlich derber art. 

Ich kann mich an eine Situation erinnern, als er auf einer Party von mir auftauchte. Ich war vielleicht Anfang zwanzig gewesen und meine Gäste befanden sich in einem ähnlichen Alter. 

Warum kann ich nicht mehr sagen, aber plötzlich stand Onkel Ernst da und trank einfach mit uns. Ganz so, als ob er Teil unseres Kreises gewesen wäre. Er fragte nicht, ob uns das Recht sei, sondern beschloss aus eigenen Stücken an diesem Fest teilzuhaben. 

Die meiste Zeit des Abends saß er auf einer Couch, unterhielt sich, zumeist mit irgendeiner meiner Freundinnen die fast seine Enkelinnen hätten sein können, trank und ließ Unmengen von Joints herum gehen. Meine Gäste und gerade auch die Mädels liebten ihn dafür. 

Auch liebten sie ihn für seine Geschichten. Er hatte fraglos viel erlebt und war immer schon einer der Menschen gewesen, die zu einer intensiven Erfahrung einfach nicht nein sagen können und die Jahre hatten daraus einen reichhaltigen Fundus aus unterhaltsamen und erstaunlichen Geschichten hervor gebracht. Zudem schmückte er sie aus, wo immer sie ihm noch nicht unterhaltsam genug erschienen. 

Das begriff ich erst mit der Zeit, als er Geschichten zum Besten gab, die ich bezeugen konnte. Ich hatte ich sie teils deutlich anders in Erinnerung, wie er sie erzählte.

Ich aber machte ihm keinen Vorwurf daraus. Denn zum Einen nutzte er die Flunkereien nicht um sich aufzuspielen oder gar anzugeben und zum Anderen handelte es sich eben dabei um Geschichten und nicht in Stein gemeißelte Geschehnisse. 

Und sie waren gut. Eine besser als die Andere. Und wenn jemand in der Lage war, aus einer Alltags Begebenheit etwas zu machen, dass man nicht vergessen wollte, dann sollte es ihm, aus meiner Sicht, auch vergönnt sein, dieses Stilmittel zu verwenden.

Aber zurück zur Party; ich schweife ab. Onkel Ernst daß also da, unterhielt sich mit den Mädchen und genoss die Party sichtlich. Plötzlich sprang er auf und schrie aus vollem Hals.

“Seid froh ihr Süßen, dass ich so viel älter bin als ihr, denn ansonsten würde ich Euch hier und jetzt alle schwängern weil ihr so wundervoll seid. Ja, jede einzelne von Euch ist ein wahres Gedicht! Das muss man mal sagen.” 

Er ging dann reihum und gratulierte jeder anwesenden Frau zu ihrem Aussehen, ihrer Ausstrahlung, ihrem Witz oder ihrer Klugheit und passte diese Komplimente so an, dass sich jede Angesprochene in diesen erkannte. Sie liebten ihn alle dafür und fühlten sich geschmeichelt. 

Dann ließ er sich wieder auf die Couch fallen und drehte sich zu dem Mädchen um, dass neben ihm saß. Ihr hatte er noch kein Kompliment gemacht. 

“Und Du mein Schatz, riechst so atemberaubend gut, dass ich den Rest meines Lebens nur noch davon träume werde, wie ich Deinen Körper von oben bis unten mit meiner Nase erkunde und Deinem Duft huldige. Und eines kann ich Dir sagen” und dabei sah er vielsagend in die Runde, “wenn es an mir läge, würde es nicht beim riechen bleiben.”

Er lachte im Anschluß laut und schallend und alle anderen vielen in sein Lachen mit ein. Auch die Angesprochene, die ihm überhaupt nicht böse war, für seine Ausfälligkeit, sondern die sich ganz im Gegenteil davon geschmeichelt sah. Sie sah ihn sogar allen ernstes an und eröffnete ihm, dass er sich nicht mit seinem Traum zurückhalten müsse. 

Ernst ließ sich das nicht zweimal sagen und verschwand mit ihr, für eine geraume Zeit, in einem der Zimmer. Da die Musik recht laut war und wir zu diskret um zu lauschen, konnten wir nicht hören, ob sie mit der Ankündigung auch ernst machten, oder sich nur dort drinnen unterhielten um uns etwas drauf zu schicken. 

Als sie dann aber endlich wieder heraus kamen, sah die Kleine doch ziemlich zerzaust aus, hatte jedoch ein verträumtes Lächeln auf ihrem Gesicht, dass Bände sprach. Egal was auch immer er mit ihr dort drinnen veranstaltet hatte, sie schien es genossen zu haben. Und warum auch nicht. Erwachsen war sie und wenn Beide sich gut damit fühlten. Ich sah mich nicht in der Position dies zu kritisieren.

Nun aber war von Onkel Ernst nicht mehr viel übrig geblieben. Er hatte vor Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten und seitdem saß er da und ließ sich die Spucke aus dem Mundwinkel laufen. 

Als ich ihn das erste Mal Spucki nannte, kam es mir so vor, als ob er leicht und kaum erkennbar dabei lächelte. Gewundert hätte es mich nicht. Ich kannte seinen Humor und wenn ich mir nicht recht sicher gewesen wäre, dass er seinem Spitznamen etwas hätte abgewinnen können, wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen ihn so zu nennen.

So aber war ich mit mir im Reinen ihn so zu nennen und stellte dies auch nicht in Frage. Er war eben durch seinen Schlaganfall zu Spucki geworden. Onkel Ernst, schien sich davon gemacht zu haben. Spucki hatte nur noch äußerlich etwas mit ihm zu tun.

Eines Tages, als wir ihn alle besuchten, wurde er gerade von einer der Krankenschwestern versorgt. Sie gab ihm wohl irgendein Medikament in flüssiger Form, dass sie auf einen Löffel getropft hatte.

In seinem Gesichtsausdruck lag ein erkennbares Lächeln.

“Ach schau mal, wie der Onkel sich freut, dass wir alle da sind”, sagte meine Mutter. Die anderen pflichteten ihr bei und schienen auch daran zu glauben. 

Ich aber konnte sehen, wie Spucki dem Mädchen durch ihren Ärmel hindurch in Richtung ihrer Brust sah. Er musste dort wohl mehr als nur den nackten Oberarm gesehen haben und ich bin mir sicher, dass dies der Grund für sein Lächeln war. Ich hoffte nur, dass es die Schwester nicht bemerken würde und er es sich dadurch mit ihr verscherzte. Ansonsten gönnte ich ihm seine Freude.

In den darauf folgenden Wochen konnte ich die Szene des öfteren beobachten. Meist war ich alleine bei ihm und wenn ich mir sicher war, dass die Schwester es nicht sah, blinzelte ich ihm verschwörerisch zu. Dann wurde sein Lächeln noch einen Spalt breiter. 

Irgendwie schien er das wirklich Wichtige doch noch mit zu bekommen.

Als ich eines Tages im Aufenthaltsraum des Krankenhauses saß, in einem abgetrennten Bereich in dem das Rauchen erlaubt war, gesellte sich auf einmal Spuckies Schwester zu mir und rauchte auch eine Zigarette. 

“Nur dass das klar ist, ich zeige nicht allen Patienten die ich betreue meinen Busen. Im Grunde mache ich dies sogar nur bei Ihrem Onkel.”

“Aber warum ausgerechnet bei Spucki?” fragte ich sie.

Sie musste lachen. Zuvor hatte ich noch niemandem davon erzählt, dass ich ihn so nannte und tat dies in dem Moment auch eher, weil mich ihre Aussage überrascht hatte und ich darüber vergaß seinen wirklichen Namen zu benutzen.

“Spucki passt schon. Ich bin mir sicher, dass es ihm gefallen würde.”

“Ich denke er versteht dass. Ähnlich wie er auch zu verstehen scheint, was Sie für ihn tun. Zumindest sind dies die einzigen Momente in denen ich eine Regung an ihm erkennen kann. Aber verzeihen Sie mir die Frage, warum tun sie das für ihn?”

“Weil ich ihn irgendwie mag. Ich kenne ihn zwar nur in diesem Zustand, aber er liegt mir am Herzen. Ich glaube ich hätte ihn gemocht, so wie er war.”

Obwohl ich mich zum ersten Mal mit ihr unterhielt und sie, außer vom sehen nicht kannte, war ich mir recht sicher, dass dem so gewesen wäre. Sie war der Typ von Frau, die bestimmt einen Bezug zu ihm gefunden hätte. Und er auch zu ihr. Ganz unabhängig, ob er ihren Busen hätte sehen dürfen oder nicht. Sie war einfach genau sein Typ. Um dies zu wissen, kannte ich ihn gut genug.

“Aber wie vermeiden Sie, dass die anderen Patienten auch einen Blick erhaschen?”

“Ich ziehe meinen BH wieder an, bevor ich meine Runde fortführe. Außerdem mache ich das ja nicht jeden Tag. Das wäre mir zu stressig. Nur alle paar Wochen mal, wenn ich dazu komme und daran denke. Dann tue ich ihm den Gefallen und ziehe ihn aus, bevor ich zu ihm ins Zimmer gehe.”

Ich war vollkommen baff. Die meisten Menschen geben sich immer einen Anschein von Seriosität und vergessen dabei, dass ihre Handlungen eher dem entsprechen, was man bei einem Kind als braves Verhalten betrachten würde. 

Mich persönlich aber interessiert die friedfertigkeit eines Unbewaffneten nicht sonderlich. Oder anders ausgedrückt, es ist kein besonderes Vermögen die Höchstgeschwindigkeit einzuhalten, wenn der eigene Wagen sowieso nicht in der Lage wäre, diese zu überschreiten. 

Sie aber war von anderer Natur. Ein Mensch, der seine Handlungen auf seinen ureigenen Entscheidungen und Ansichten aufbaut. Ich zog meinen Hut vor ihr. Der Onkel hatte wirklich schon immer ein gutes Gespür für tolle Frauen. Das musste man ihm neidlos lassen. Und auch wenn er es nicht vermocht hatte, eine längerfristig an sich zu binden, war mir doch jede einzelne von Ihnen, die ich kennen gelernt hatte, wesentlich lieber, als die Partnerinnen die der Rest der Familie so anschleppte.

Ich sah sie daraufhin vielleicht nicht mit anderen Augen, positiv aufgefallen war sie mir schon vorher, aber ich freute mich jedes Mal wenn ich sie traf, obwohl wir uns in der Regel nur kurz zu nickten, sie dann ihren Job tat und wieder ging.

Eines Tages sah Spucki zuerst mich an und schielte dann zu ihr herüber als sie ihn wusch. Diese Regung musste ihn viel Kraft gekostet haben. Das konnte man ihm ansehen. Und ich verstand auch sofort was er meinte und dass er richtig damit lag. 

Ich fasste mir also an diesem Tag ein Herz und lud sie auf einen Kaffee ein. Wir sind dann auch nahtlos zusammen gekommen. Schon am ersten Tag hatte ich mit ihr geschlafen und es war eines der erfüllendsten sexuellen Erlebnisse die ich je hatte. 

Ich erzählte Onkel Ernst davon, als ich ihn das nächste mal sah. Spucki wollte ich ihn nun nicht mehr nennen, da er schließlich bewiesen hatte, dass es ihn da drinnen noch irgendwo gab. Und ich war regelrecht erschrocken, als ich merkte, wie er versuchte nach meiner Hand zu greifen. 

Am nächsten Tag dann war er von uns gegangen. 

“Er hatte ein Lächeln auf seinem Gesicht, als ich ihn morgens wecken wollte und bemerkte, dass er tot war”, sagte mir Sabine.

Ich bin heute noch mit ihr zusammen und jeden Tag, selbst dann wenn wir uns auf die Nerven gehen, was selbst in der besten Beziehung nicht immer ausbleibt, muss ich an den Onkel denken und daran, dass Sabine sozusagen sein Abschiedsgeschenk an mich war. 

Geld oder andere Besitztümer konnte er mir nicht hinterlassen, aber es wäre sowieso vermessen, zu denken, dass irgendein Betrag seine Vermittlung hätte aufwiegen können.

Als meine Eltern starben, hinterließen sie mir ein kleines Vermögen. Mein Vater war erfolgreicher Jurist gewesen und war an einer renommierten Kanzlei beteiligt. 

Doch ich hätte dieses Geld jederzeit und unter allen Umständen mit einem lächeln gegen Sabine eingetauscht. 

Denn so nützlich Geld auch sein kann, am Ende zählen andere Dinge weit mehr im Leben. Allem voran die Liebe, dicht gefolgt von anderen Erfahrungen die es wert sind gemacht zu werden.

Und diesbezüglich war Onkel Ernst der vermögendste Mensch, der mir in meinem Leben begegnet ist. Und eines ist klar. Er hatte Geschmack wie kein Zweiter, denn Sabines Brüste sind wirkliche eine Offenbarung. 

Ich muss oft daran denken wie er nach ihnen schielte, wenn ich in den Genuß ihrer wundervollen Erhebungen komme. Und hin und wieder sage ich ihr das auch, worüber sie sich sichtlich freut.

Fischosophie

Ein Fisch ist nun mal ein Fisch, sagt er sich. Was sollte er dann an Land? Nein, wenn es, wie die Evolution sagt, an der Zeit wäre dass er das Wasser verlasse und dazu bestimmt sei eben jener erste Landfisch zu sein, dann sollte ihn die ganze Geschichte doch mal hinten rum. Er hatte keine Lust da mitzumachen.

Wer weis was ihn dort draußen erwartet? Zwar wusste er, dass er die Luft in ihrer dortigen Form atmen konnte, dass hatte die Evolution ganz ohne weitere Nachfrage so eingerichtet, aber er verspürte keinerlei Verlangen danach von dieser Gabe an Land Gebrauch zu machen.

“Wer sagt mir denn, dass ich dann wieder zurück kommen werde?”, fragte er sich. “Wer gibt mir die Garantie dass dort draussen nicht alles von Monstern wimmelt die nur darauf warten, bis ich so unvernünftig bin, meinen Kopf aus dem sicheren Nass zu strecken.?”

Dabei war das Nass das ihn umgab ebenfalls alles andere als sicher. Viele seiner Freunde hatte schon irgendein Seemonster verschlungen. Ihn selbst hätte es des öfteren beinahe erwischt. Bis dann einer seiner Leute statt dessen daran glauben musste.

“Nein, dass Meer ist kein Zuckerschlecken”, dachte er sich. “Aber hier weiß man zumindest wie es läuft. auch wenn es nicht läuft.”