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Die Suppe läuft an mir herunter. Die Waffe in meiner Hand wackelt, da ich wie Espenlaub zittere.

Abdrücken, fertig, gut!

Einfach gesagt. Aber warum zittere ich dann so sehr? Ich schiebe mir das Ding in meinen Mund. Gerade hinein, so tief ich es bekomme. Mein Finger geht zum Abzug. Greift nach ihm. Richtet sich aus. Ist bereit. 

Wenn ich so schiesse, tritt die Kugel am Ende nur am Hals aus. Schlägt ein Loch in die Wand hinter mir. Hinterlässt mich verletzt, aber nicht tot.

Entweder verrecke ich dann langsam, oder irgendein Nachbar ruft Hilfe, die flicken mich zusammen, sperren mich solange ein, bis sie denken, dass ich meine Lektion gelernt hätte und am Ende stehe ich dümmer da, als zuvor.

Warum ist es nur so beschissen schwer sich umzubringen. Diese kleine, scheiss Leben, nachdem mich niemand gefragt hat. Warum zur Hölle werde ich es nun nur so schwer wieder los?

Ich hab noch nie gerne gelebt. Aber ich war immer schon gerne stoned. Auch liebte ich immer schon die Nähe zu einer Frau die mich begehrt. Ihren Herzschlag spüren, ihren Atem. Ihre weichen Brüste. Wie die Warzen sich versteifen, die Hand dann herunter fährt. Zwischen ihre Beine. Klatschnass, im besten Fall. Voll gesogen mit saftiger, tiefer Lust, die einen mitreißt. Wie in einem gewaltigen Strom der einen umfließt und einen einnimmt, nicht um Erlaubnis bittet. Ein reißender Fluss nach der Schneeschmelze. Gewaltig, gewalttätig, echt, tief, ergreifend, verschlingend.

Leider kann man nicht durchgehend ficken oder stoned sein. Alleine schon deshalb, weil man sich das nicht leisten kann. So oder so. Alles kostet seinen Preis und der ist oft weit höher, als er zu Anfang zu sein scheint.

Selten sind die Momente in denen man vollkommen satt ist. Und auch wenn man mal genug bekommen hat, das Gefühl das bleibt ist auch dann nicht angenehm. Es drückt, deutlich. Ein viel zuviel. Eben noch perfekt, der schmale Grat. Kurz darauf dann folgt die Ernüchterung, dass diese Seite des Berges ebenso verklüftet und unwirtlich ist, wie es die andere Seite war.

Der Lauf der Waffe fühlt sich kalt in meinem Mund an. Das Aroma des Waffenöls legt sich über meinen Geruchs und Geschmackssinn. Die ganze Welt scheint mit diesem Balsam der Vergänglichkeit eingesprüht zu sein. 

JETZT DRÜCK ENDLICH AB! TRAU DICH! NUR EIN, ZWEI, MILLIMETER WEIT, DANN IST ES GESCHAFFT. DU MUSST DER KUGEL NUR SAGEN DASS SIE SOLL. DEN REST BESORGT WALTHER.

Ausser die Kugel tritt irgendwo aus, ohne ausreichend großen Schaden anzurichten. Dann bekommt das Horrorhaus meines Daseins einen weiteren Anbau. Von wegen ausgestanden, dann geht es erst so richtig los. 

Denn dann wollen sie dich retten. Natürlich vor dir selbst. Die Welt dort draußen ist nicht das Problem. Die kann niemand ändern und erst recht nicht so biegen, dass sie passt, ob einem das nun recht ist, oder nicht. Nur dich kann man verändern. Und genau das wird dann geschehen. Mit aller Konsequenz.

Spätestens dann wird dir endgültig klar, dass dies nie dein Spiel war und du nie frei entscheiden durftest, ob du es mitspielen willst, oder lieber nicht, oder ob du vielleicht eine andere art von Spiel bevorzugen würdest. Die Freiheit ist ein Gut, dass sich vor allen Dingen auf Papier gut macht. 

Ein neues Kind ist geboren? Na dann, herzlichen Glückwunsch! Aber wozu eigentlich? Der Knirps ist noch nichts. Alles kann sein und nichts muss. Vielleicht überlebt er die erste Woche nicht. Noch bevor er sich bewusst wurde, dass es ihn überhaupt einmal gab. Wenn er Glück hat. 

Vielleicht tritt er aber auch erst später wieder aus dem Leben. Womöglich nachdem er ewig auf der Stelle getreten ist. Aber wer weiß, vielleicht wird er auch etwas erreicht haben, der neue Mensch. Wird zurückblicken auf ein erfülltes Leben, seine Liebsten bei sich. Gut aufgehoben, behütet, vermisst.

Doch dann will er nicht mehr gehen. Bedauert sein Vergehen und die Zeit die ihm dies aufbürdet. Glück ist vor allen Dingen relativ. 

Vielleicht, vielleicht, vielleicht … vielleicht. 

Ich muss den Lauf höher nehmen. So, dass mir die Kugel durch mein Hirn fliegt und dabei soviel wie möglich zerfetzt. Soviel, dass ein zurück undenkbar ist. So undenkbar, dass sie es erst gar nicht probieren. Am besten so sehr undenkbar, dass ich sofort und für alle Zeiten hinüber bin. Ein Haufen Fleisch, befreit davon zu funktionieren.

Aber was wenn ich mir das falsche Teil meines Gehirns wegballere? Es gibt Menschen, denen sind ganze Eisenstangen mitten durch ihren Schädel geflogen und zuerst schien es so, als hätte dies nicht die geringste Auswirkung auf ihre Persönlichkeit. Bis sie sich dann auffällig veränderten, eine neue Persönlichkeit die Alte ersetzte. Meist irgendwie nicht normal. Aggressiver, ungehemmter, animalischer. Wie ein Pan der jedoch die Frauen davon jagt, anstatt sie anzulocken. Dessen Gestank nicht zu Wollust führt, sondern seine Mitmenschen anekelt. Auch wenn die Frauen ihm gegenüber, noch so brünstig sind.

Kein Mann kann den Pan leiden. Ausser diejenigen, die seinen Tricks auf die Schliche kommen wollen und dabei nicht merken, dass es keinen Trick gibt, dem er sich bedient. Er ist ganz einfach er selbst. Einfach so, als sei das rein logisch und als gäbe es nicht die geringste Alternative dazu. Eine Antwort die so einfach ist, dass sie nur verstören kann.

Du willst so ein Pan sein? Dann lass los. Das ist alles das es braucht. Aber ersetze die Dinge die du gerade verloren hast nicht etwa durch etwas anderes, sondern lass Raum für echte Möglichkeiten. So einfach ist es ein Pan zu sein. Beschämend für einen durchschnittlichen Mann, dass er nicht einmal das auf die Reihe bekommt. 

Also, wenn ich das Ding so halte, dass die Kugel mitten aus meinem Kopf, an seiner höchsten Stelle austritt, dann müsste doch genug kaputt gegangen sein. Aber ist dieser Teil meines Hirns derjenige der unersetzlich ist?

Wenn Einstein recht hatte und wir nur 10% unseres Hirns nutzen, dann wäre es doch wesentlich einfacher die 90% zu treffen in denen eh nichts geschieht.

Würde das dann überhaupt einen Unterschied machen? Ausser vielleicht, dass man danach verstellt ist und einem jeder ansehen kann, dass etwas krasses geschehen ist? Etwas dass sich nicht wegdiskutieren lässt, sondern dass dazu auffordert verdeckt, hinter dem Rücken des Betroffenen, kleine, schmutzige Details auszubreiten? Den Schmutz hervorzuholen, den man selbst in dieses System getragen hat?

Wenn die Cops wirklich etwas finden wollen, dann legen sie eben was hin. Und wenn der anständige Bürger etwas braucht das ihm zeigt, dass er besser ist, als das worauf er mit seinem Finger zeigt, dann bringt er die Sache zur Not auch aus eigenen Stücken zum Laufen. 

“Hast du schon gehört was …”

Nur raus aus dieser beschissenen Welt, aber richtig! Nur dass ich eben nicht genau weiß, was das Richtige in diesem Fall ist. 

Vielleicht dann doch vor einen Zug springen. Scheint verbreiteter als der Schuß zu sein. Ist aber eine Sauerei für den Zugführer. Ich kenne welche, die haben ihr ganzen Leben damit gehadert, dass sie diesbezüglich mißbraucht worden sind. Kann mir dann aber auch egal sein. Natürlich aber nur dann, wenn ich mir keinen Schnitzer erlaube.

“Sieh eben selbst zu wie du mit dieser Scheiße hier klar kommst, Zugheini” 

Meine mich liebenden Eltern haben mir diesen Wahnsinn hier angetan. So läuft die Nummer. 

“Wir haben Dir das Leben geschenkt”

Fickt Euch, Ihr habt es nur, verblendet von Geilheit, romantischem Unsinn und konventioneller Feigheit miteinander getrieben weil Ihr Euch nicht zurück halten konntet. Ihr habt mir einen Scheiß geschenkt. 

IHR HABT MIR DAS SCHLIMMSTE ANGETAN WAS IHR MIR HÄTTET ANTUN KÖNNEN!!!

Leider habe ich den Braten zu spät gerochen. Sonst hätte ich Euch schon als kleines Kind erstochen. Sobald ich wusste wie rum man ein Messer hält, hätte ich das getan. Meine mich liebenden Eltern; was für ein Haufen Scheiße soll das denn sein??? Diese erbärmlichen Arschlöcher schaffen es doch nicht einmal sich selbst zu lieben.

Vielleicht sollte ich alle anderen abknallen. Dann hätte ich auch meine Ruhe. Funktioniert aber auch nicht. Zum Einen sind es zu viele und zum Anderen sind Menschen Rudeltiere und damit bin ich das auch. 

Vielleicht nur ein paar schöne, junge Mädels übrig lassen?

Klar doch, weil die ja auch zum Dank für die Nummer mit mir ficken würden. Die würden höchstens dafür sorgen, dass mir das Lachen im Hals stecken bleibt.

Also, wie rum steck ich das Ding jetzt rein, damit es auch seinen Dienst tut?

KLACK!

Verdammt, was war das denn eben? Ich habe doch tatsächlich den Abzug betätigt. Aber es war ein Rohrkrepierer. 

Hast Du noch alle Tassen im Schrank, Alter? Du hältst Dir eine Knarre in den Mund und drückst auch noch ab??? Was stimmt nicht mit dir? 

Und dabei wollte ich es doch so sehr. Aber manchmal sollte man seinen Wünschen gegenüber vorsichtig sein. Schließlich wünscht man sich Bier und Chips zum Blockbuster am Abend und hat dann doch nur scheiße gefressen und gesehen. Sind wir es am Ende selbst, die uns die schlimmsten Dinge antun? So, wie die wenigsten von uns ein Pan sind?

Und sollte ich am Ende ebenfalls eines dieser verabscheuungswürdigen, feigen und rückgratlosen Wesen sein, die mich so sehr anekeln? Ekele ich mich letztlich vor mir selbst? Bin auch ich solch ein Fähnchen im Wind, wie meine Eltern es waren? Ist es vielleicht so wie Milan Kundera es so schön in seiner Geschichte “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” beschrieben hat? Wir scheitern daran, dass das Ergebnis zu offensichtlich ist? Das wir dass, was wir zu erreichen zu versuchen, längst erreicht haben?

Bin ich am Ende gar nicht besser als die Anderen? 

Bin ich vielleicht sogar der Andere für die Anderen?

Dieses Mal hatte ich Glück gehabt. Mehr Glück als Verstand. Es liegt an mir, es nicht mehr soweit kommen zu lassen.