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Spucki hieß eigentlich gar nicht Spucki, dass war natürlich nur der Spitzname den ich ihm gegeben hatte. Ich nannte ihn auch nur so, wenn niemand außer uns beiden anwesend war. 

Die anderen nannten ihn Onkel Ernst. Sie waren viel zu pietätvoll um ihn anders zu nennen und mit Sicherheit wären sie bestürzt gewesen, wenn sie erfahren hätten wie ich ihn  nannte, wenn wir unter uns waren.

Ich weiss gar nicht mehr, wie lange Spucki sich schon in seinem Zustand befunden hatte. Er saß meistens in einem Rollstuhl oder lag auf seinem Bett und war weit weg getreten. Keiner seiner Ärzte konnte uns mit Sicherheit sagen, ob er von seiner Umwelt oder auch nur von seinem Zustand irgendetwas mitbekam. Sie gingen eher davon aus, dass dem nicht so war.

Aus seinen Mundwinkeln lief fortwährend ein dünnes Rinnsal Spucke, das immer wieder von einem von uns, oder einer der Krankenschwestern weggewischt wurde. So kam er auch zu seinem Spitznamen. 

Irgendwie fand ich seinen richtigen Namen auch wenig zutreffend, denn er ist ihm, zumindest soweit ich ihn kannte, nie gerecht geworden. 

Onkel Ernst, war alles gewesen, aber niemals ein ernster Mensch. Ich dachte manchmal, dass er vielleicht gerade aufgrund seines Namens immer zu Scherzen aufgelegt gewesen war. Sozusagen zum Trotz. 

Sein Humor, war allerdings nicht jedermanns Sache. So sehr ich diesen auch liebte, stieß er den meisten anderen aus unserer Familie vor den Kopf. Und das wunderte mich auch nicht gerade, denn Onkel Ernst, damals nannte auch ich ihn noch so, hatte wahrlich eigene Vorstellungen von dem was er als lustig empfand. Aber wie schon gesagt, ich war ein Fan seines Humors.

Meistens war dessen Basis sexueller und dazu noch ziemlich derber art. 

Ich kann mich an eine Situation erinnern, als er auf einer Party von mir auftauchte. Ich war vielleicht Anfang zwanzig gewesen und meine Gäste befanden sich in einem ähnlichen Alter. 

Warum kann ich nicht mehr sagen, aber plötzlich stand Onkel Ernst da und trank einfach mit uns. Ganz so, als ob er Teil unseres Kreises gewesen wäre. Er fragte nicht, ob uns das Recht sei, sondern beschloss aus eigenen Stücken an diesem Fest teilzuhaben. 

Die meiste Zeit des Abends saß er auf einer Couch, unterhielt sich, zumeist mit irgendeiner meiner Freundinnen die fast seine Enkelinnen hätten sein können, trank und ließ Unmengen von Joints herum gehen. Meine Gäste und gerade auch die Mädels liebten ihn dafür. 

Auch liebten sie ihn für seine Geschichten. Er hatte fraglos viel erlebt und war immer schon einer der Menschen gewesen, die zu einer intensiven Erfahrung einfach nicht nein sagen können und die Jahre hatten daraus einen reichhaltigen Fundus aus unterhaltsamen und erstaunlichen Geschichten hervor gebracht. Zudem schmückte er sie aus, wo immer sie ihm noch nicht unterhaltsam genug erschienen. 

Das begriff ich erst mit der Zeit, als er Geschichten zum Besten gab, die ich bezeugen konnte. Ich hatte ich sie teils deutlich anders in Erinnerung, wie er sie erzählte.

Ich aber machte ihm keinen Vorwurf daraus. Denn zum Einen nutzte er die Flunkereien nicht um sich aufzuspielen oder gar anzugeben und zum Anderen handelte es sich eben dabei um Geschichten und nicht in Stein gemeißelte Geschehnisse. 

Und sie waren gut. Eine besser als die Andere. Und wenn jemand in der Lage war, aus einer Alltags Begebenheit etwas zu machen, dass man nicht vergessen wollte, dann sollte es ihm, aus meiner Sicht, auch vergönnt sein, dieses Stilmittel zu verwenden.

Aber zurück zur Party; ich schweife ab. Onkel Ernst daß also da, unterhielt sich mit den Mädchen und genoss die Party sichtlich. Plötzlich sprang er auf und schrie aus vollem Hals.

“Seid froh ihr Süßen, dass ich so viel älter bin als ihr, denn ansonsten würde ich Euch hier und jetzt alle schwängern weil ihr so wundervoll seid. Ja, jede einzelne von Euch ist ein wahres Gedicht! Das muss man mal sagen.” 

Er ging dann reihum und gratulierte jeder anwesenden Frau zu ihrem Aussehen, ihrer Ausstrahlung, ihrem Witz oder ihrer Klugheit und passte diese Komplimente so an, dass sich jede Angesprochene in diesen erkannte. Sie liebten ihn alle dafür und fühlten sich geschmeichelt. 

Dann ließ er sich wieder auf die Couch fallen und drehte sich zu dem Mädchen um, dass neben ihm saß. Ihr hatte er noch kein Kompliment gemacht. 

“Und Du mein Schatz, riechst so atemberaubend gut, dass ich den Rest meines Lebens nur noch davon träume werde, wie ich Deinen Körper von oben bis unten mit meiner Nase erkunde und Deinem Duft huldige. Und eines kann ich Dir sagen” und dabei sah er vielsagend in die Runde, “wenn es an mir läge, würde es nicht beim riechen bleiben.”

Er lachte im Anschluß laut und schallend und alle anderen vielen in sein Lachen mit ein. Auch die Angesprochene, die ihm überhaupt nicht böse war, für seine Ausfälligkeit, sondern die sich ganz im Gegenteil davon geschmeichelt sah. Sie sah ihn sogar allen ernstes an und eröffnete ihm, dass er sich nicht mit seinem Traum zurückhalten müsse. 

Ernst ließ sich das nicht zweimal sagen und verschwand mit ihr, für eine geraume Zeit, in einem der Zimmer. Da die Musik recht laut war und wir zu diskret um zu lauschen, konnten wir nicht hören, ob sie mit der Ankündigung auch ernst machten, oder sich nur dort drinnen unterhielten um uns etwas drauf zu schicken. 

Als sie dann aber endlich wieder heraus kamen, sah die Kleine doch ziemlich zerzaust aus, hatte jedoch ein verträumtes Lächeln auf ihrem Gesicht, dass Bände sprach. Egal was auch immer er mit ihr dort drinnen veranstaltet hatte, sie schien es genossen zu haben. Und warum auch nicht. Erwachsen war sie und wenn Beide sich gut damit fühlten. Ich sah mich nicht in der Position dies zu kritisieren.

Nun aber war von Onkel Ernst nicht mehr viel übrig geblieben. Er hatte vor Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten und seitdem saß er da und ließ sich die Spucke aus dem Mundwinkel laufen. 

Als ich ihn das erste Mal Spucki nannte, kam es mir so vor, als ob er leicht und kaum erkennbar dabei lächelte. Gewundert hätte es mich nicht. Ich kannte seinen Humor und wenn ich mir nicht recht sicher gewesen wäre, dass er seinem Spitznamen etwas hätte abgewinnen können, wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen ihn so zu nennen.

So aber war ich mit mir im Reinen ihn so zu nennen und stellte dies auch nicht in Frage. Er war eben durch seinen Schlaganfall zu Spucki geworden. Onkel Ernst, schien sich davon gemacht zu haben. Spucki hatte nur noch äußerlich etwas mit ihm zu tun.

Eines Tages, als wir ihn alle besuchten, wurde er gerade von einer der Krankenschwestern versorgt. Sie gab ihm wohl irgendein Medikament in flüssiger Form, dass sie auf einen Löffel getropft hatte.

In seinem Gesichtsausdruck lag ein erkennbares Lächeln.

“Ach schau mal, wie der Onkel sich freut, dass wir alle da sind”, sagte meine Mutter. Die anderen pflichteten ihr bei und schienen auch daran zu glauben. 

Ich aber konnte sehen, wie Spucki dem Mädchen durch ihren Ärmel hindurch in Richtung ihrer Brust sah. Er musste dort wohl mehr als nur den nackten Oberarm gesehen haben und ich bin mir sicher, dass dies der Grund für sein Lächeln war. Ich hoffte nur, dass es die Schwester nicht bemerken würde und er es sich dadurch mit ihr verscherzte. Ansonsten gönnte ich ihm seine Freude.

In den darauf folgenden Wochen konnte ich die Szene des öfteren beobachten. Meist war ich alleine bei ihm und wenn ich mir sicher war, dass die Schwester es nicht sah, blinzelte ich ihm verschwörerisch zu. Dann wurde sein Lächeln noch einen Spalt breiter. 

Irgendwie schien er das wirklich Wichtige doch noch mit zu bekommen.

Als ich eines Tages im Aufenthaltsraum des Krankenhauses saß, in einem abgetrennten Bereich in dem das Rauchen erlaubt war, gesellte sich auf einmal Spuckies Schwester zu mir und rauchte auch eine Zigarette. 

“Nur dass das klar ist, ich zeige nicht allen Patienten die ich betreue meinen Busen. Im Grunde mache ich dies sogar nur bei Ihrem Onkel.”

“Aber warum ausgerechnet bei Spucki?” fragte ich sie.

Sie musste lachen. Zuvor hatte ich noch niemandem davon erzählt, dass ich ihn so nannte und tat dies in dem Moment auch eher, weil mich ihre Aussage überrascht hatte und ich darüber vergaß seinen wirklichen Namen zu benutzen.

“Spucki passt schon. Ich bin mir sicher, dass es ihm gefallen würde.”

“Ich denke er versteht dass. Ähnlich wie er auch zu verstehen scheint, was Sie für ihn tun. Zumindest sind dies die einzigen Momente in denen ich eine Regung an ihm erkennen kann. Aber verzeihen Sie mir die Frage, warum tun sie das für ihn?”

“Weil ich ihn irgendwie mag. Ich kenne ihn zwar nur in diesem Zustand, aber er liegt mir am Herzen. Ich glaube ich hätte ihn gemocht, so wie er war.”

Obwohl ich mich zum ersten Mal mit ihr unterhielt und sie, außer vom sehen nicht kannte, war ich mir recht sicher, dass dem so gewesen wäre. Sie war der Typ von Frau, die bestimmt einen Bezug zu ihm gefunden hätte. Und er auch zu ihr. Ganz unabhängig, ob er ihren Busen hätte sehen dürfen oder nicht. Sie war einfach genau sein Typ. Um dies zu wissen, kannte ich ihn gut genug.

“Aber wie vermeiden Sie, dass die anderen Patienten auch einen Blick erhaschen?”

“Ich ziehe meinen BH wieder an, bevor ich meine Runde fortführe. Außerdem mache ich das ja nicht jeden Tag. Das wäre mir zu stressig. Nur alle paar Wochen mal, wenn ich dazu komme und daran denke. Dann tue ich ihm den Gefallen und ziehe ihn aus, bevor ich zu ihm ins Zimmer gehe.”

Ich war vollkommen baff. Die meisten Menschen geben sich immer einen Anschein von Seriosität und vergessen dabei, dass ihre Handlungen eher dem entsprechen, was man bei einem Kind als braves Verhalten betrachten würde. 

Mich persönlich aber interessiert die friedfertigkeit eines Unbewaffneten nicht sonderlich. Oder anders ausgedrückt, es ist kein besonderes Vermögen die Höchstgeschwindigkeit einzuhalten, wenn der eigene Wagen sowieso nicht in der Lage wäre, diese zu überschreiten. 

Sie aber war von anderer Natur. Ein Mensch, der seine Handlungen auf seinen ureigenen Entscheidungen und Ansichten aufbaut. Ich zog meinen Hut vor ihr. Der Onkel hatte wirklich schon immer ein gutes Gespür für tolle Frauen. Das musste man ihm neidlos lassen. Und auch wenn er es nicht vermocht hatte, eine längerfristig an sich zu binden, war mir doch jede einzelne von Ihnen, die ich kennen gelernt hatte, wesentlich lieber, als die Partnerinnen die der Rest der Familie so anschleppte.

Ich sah sie daraufhin vielleicht nicht mit anderen Augen, positiv aufgefallen war sie mir schon vorher, aber ich freute mich jedes Mal wenn ich sie traf, obwohl wir uns in der Regel nur kurz zu nickten, sie dann ihren Job tat und wieder ging.

Eines Tages sah Spucki zuerst mich an und schielte dann zu ihr herüber als sie ihn wusch. Diese Regung musste ihn viel Kraft gekostet haben. Das konnte man ihm ansehen. Und ich verstand auch sofort was er meinte und dass er richtig damit lag. 

Ich fasste mir also an diesem Tag ein Herz und lud sie auf einen Kaffee ein. Wir sind dann auch nahtlos zusammen gekommen. Schon am ersten Tag hatte ich mit ihr geschlafen und es war eines der erfüllendsten sexuellen Erlebnisse die ich je hatte. 

Ich erzählte Onkel Ernst davon, als ich ihn das nächste mal sah. Spucki wollte ich ihn nun nicht mehr nennen, da er schließlich bewiesen hatte, dass es ihn da drinnen noch irgendwo gab. Und ich war regelrecht erschrocken, als ich merkte, wie er versuchte nach meiner Hand zu greifen. 

Am nächsten Tag dann war er von uns gegangen. 

“Er hatte ein Lächeln auf seinem Gesicht, als ich ihn morgens wecken wollte und bemerkte, dass er tot war”, sagte mir Sabine.

Ich bin heute noch mit ihr zusammen und jeden Tag, selbst dann wenn wir uns auf die Nerven gehen, was selbst in der besten Beziehung nicht immer ausbleibt, muss ich an den Onkel denken und daran, dass Sabine sozusagen sein Abschiedsgeschenk an mich war. 

Geld oder andere Besitztümer konnte er mir nicht hinterlassen, aber es wäre sowieso vermessen, zu denken, dass irgendein Betrag seine Vermittlung hätte aufwiegen können.

Als meine Eltern starben, hinterließen sie mir ein kleines Vermögen. Mein Vater war erfolgreicher Jurist gewesen und war an einer renommierten Kanzlei beteiligt. 

Doch ich hätte dieses Geld jederzeit und unter allen Umständen mit einem lächeln gegen Sabine eingetauscht. 

Denn so nützlich Geld auch sein kann, am Ende zählen andere Dinge weit mehr im Leben. Allem voran die Liebe, dicht gefolgt von anderen Erfahrungen die es wert sind gemacht zu werden.

Und diesbezüglich war Onkel Ernst der vermögendste Mensch, der mir in meinem Leben begegnet ist. Und eines ist klar. Er hatte Geschmack wie kein Zweiter, denn Sabines Brüste sind wirkliche eine Offenbarung. 

Ich muss oft daran denken wie er nach ihnen schielte, wenn ich in den Genuß ihrer wundervollen Erhebungen komme. Und hin und wieder sage ich ihr das auch, worüber sie sich sichtlich freut.