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“Du musst verrückt geworden sein!” In ihrem Gesichtsausdruck liegt eine Mischung aus Sorge und Verärgerung. “Du musst ja wohl wirklich gegen jeden Strom schwimmen, den du finden kannst. Was versprichst du dir nur davon?”

Ich könnte ihr jetzt näher bringen, dass es mir um meine Integrität ginge. Aber dieses Argument würde ebenso im Sand verlaufen, wie es sich schon so oft darin verloren hat. Sie kann das einfach nicht begreifen und ich mache ihr auch keinen Vorwurf daraus. Aus ihrer Perspektive betrachtet würde es mir auch nicht anders gehen. Schließlich liegt ihr etwas an mir und sie macht sich Sorgen um mich. 

Das ich jedoch gerade dieser unverbesserliche Lachs bin, als den meine Taten mich erscheinen lassen, kann ich ihr nicht nahebringen. Schon alleine deswegen nicht, da die sich daraus ergebenden Konsequenzen sie zu sehr erschüttern.

Für sie besteht das Glück des Lebens darin es sich gut gehen zu lassen. Nicht auf eine radikal hedonistische art und weise, das wäre ihr allein schon zu extrem, sondern auf die art, dass ihr unvorstellbar ist, warum man seine Möglichkeiten nicht dafür nutzen sollte sich angenehm im Leben einzurichten.

Dafür ist sie wohl, schlicht und ergreifend, zu pragmatisch veranlagt. Ich überlege wie es jemandem wie Buddha ergangen sein musste. Ob dieser Beziehungen zu normalen Menschen unterhalten hat, bevor er sich entschloss auf den Berg zu gehen um das Geheimnis des Daseins zu ergründen? Wenn dem so gewesen sein sollte, dann hat er bestimmt auch die Erfahrung gemacht das seine Liebsten ihn davon abhalten wollten. 

Letzten Endes bleibt mir nur, ehrlich zu mir selbst zu ein. Der Rest wird sich dann ergeben. Ich habe mich schon zu lange versteckt und so getan als sei ich jemand anderes. Aber ich bin nun mal ich, was immer der Grund hierfür sein sollte. Also lieber loslassen als nicht zu sein. 

Würde ich mich einer anerkannten Glaubensgemeinschaft anschließen und beispielsweise ins Kloster gehen, wäre dies für die Menschen in meiner Umgebung auch nicht einfach zu verdauen. Aber sie könnten sich zumindest auf etwas stützen dass sie zwar nicht verstehen, dass aber zumindest eine ihnen bekannte Historie aufzuweisen hat, an die sie sich anlehnen können. Das könnte sie beruhigen. So aber bleibt ihnen nichts, als mir zu vertrauen. Und das können sie nicht, da ich mich aus ihrer Sicht selbstzerstörerisch verhalte.

Vielleicht wird mich mein Weg irgendwann einmal an einen Punkt führen, an dem vermittelbare Effekte eintreten. So wie ein buddhistischer Mönch eine tiefe Ruhe ausstrahlt die man in einem gewissen Sinn greifen und damit irgendwie auch begreifen kann. Das ist möglich und es ist beileibe nicht so, dass ich den Weg der vor mir liegt als Einen wahrnehme, der ins Verderben führt. Jedoch kann ich auch nicht erkennen, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Ich kann vielmehr gar nichts erkennen. Die Zukunft ist ein undurchdringliches Nichts, dass sich erst noch zu einer Form zusammenfinden muss. Wie sich diese Form dann ausgestalten wird, steht offen. Das einzige das Sicher ist, ist das am Ende der Tod auf mich warten wird. So wie er auf uns alle wartet. Aber es scheint den meisten meiner Mitmenschen ratsamer zu sein, diesen Umstand zu verdrängen. Und letzten Endes spielt es auch keine Rolle. Verpassen werden sie ihn nicht.

Ich habe viele Jahre damit gehadert ich zu sein. Schon seit ich ein Kind war, war ich immer irgendwie anders und ebenso wie sich meine Freundin nun um mich sorgt, haben sich auch meine Eltern und wahrscheinlich mein ganzes Umfeld um mich gesorgt. 

“Aus dir wird nie etwas werden, weil du ein Träumer bist.” Diese Aussage einer entfernt Befreundeten ist irgendwie in meinem Gedächtnis hängen geblieben. Lange Zeit hat mich dies auf eine gewisse Weise wütend gemacht und ich dachte, dass ich es ihr schon irgendwann einmal zeigen würde. 

Ja, ich war schon immer ein Träumer. Mit dieser Einschätzung hatte sie durchaus recht. Ich habe bis heute jedoch noch nicht verstanden was so schlecht daran sein soll und warum Träumerei als etwas so destruktives verschrien ist. Ich denke es liegt daran, dass der Umstand dass es Menschen gibt die sich zu ihren Träumen bekennen, all jenen die es nicht tun, deren Unvermögen vor Augen führen. Denn letzten Endes sind wir wohl alle Träumer. Zumindest waren wir es gewesen als wir noch unbefangen und leichtfüßig die Welt erkundeten. Damals, als wir noch Kinder waren. 

Aber irgendwann muss einmal Schluss damit sein und man muss sich dem Ernst des Lebens stellen. Andernfalls bleibt man verhaftet in einem Zustand der mit jedem Jahr das voranschreitet, einen immer infantiler erscheinen läßt. 

Was soll eigentlich dieses Erwachsen sein, von dem alle reden und dass so wichtig zu sein scheint, dass sich niemand dem entziehen soll? Wir können doch alle tagtäglich sehen, dass unser Gebaren nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann. 

Wir leben in einer überbevölkerten Welt. Das ist vielen von uns durchaus bewusst. Und trotzdem übergeben wir uns dem Drang nach Fortpflanzung, so als ob diese Dinge nicht am Rande etwas miteinander zu tun hätten. 

Bedeutet Erwachsen zu sein am Ende vor allen Dingen sich den Diskrepanzen zu ergeben, die unsere Herangehensweise ergeben? Nicht zu bezweifeln, was zweifelsfrei nicht passt? 

Ich kann es nicht wirklich sagen. Es ist meine Vermutung und wer bin ich denn schon. Ein weltfremder Spinner der vor sich hin träumt und der nichts vorzuweisen hat, als eine Sehnsucht die ihn leitet und der er sich nie entledigen konnte.

Was ich durchaus versucht habe. Immer und immer wieder und beinahe daran zerbrochen wäre. Was dazu führte, dass ich mein Leben nur betäubt durch Drogen ertragen konnte, die mich so sehr in einen Umhang aus Watte schlossen, dass ich die meisten meiner Tage nur vor mich hin vegetierte. Und wenn es nicht die Drogen waren, dann war es mein Medienkonsum, oder sexuelle Ablenkung, hinter der ich mich verkroch. Oft kamen diese Dinge zusammen und ergaben eine unglückselige Melange aus Hoffnungslosigkeit. Wie viele Jahren waren es letzten Endes, in denen ich mich jeden Tag dafür verfluchte diesem als so elend empfunden Leben kein Ende bereiten zu können.

Ich habe jetzt endlich Abstand von dem alltäglichen Konsum von Drogen finden können. Auch gibt es immer mehr Tage, an denen es mir gelingt mich nicht diesem Irrsinn an Unterhaltung zu ergeben, mit dem ich mich immer so sehr von mir selbst abgelenkt habe. 

Wenn ich gerade nicht die Kraft finde mich mit etwas Konstruktivem zu beschäftigen, lese ich gute Bücher und achte darauf, mich ausreichend zu bewegen. Was jedoch durchaus nicht destruktiv ist. Es lässt sich nur nicht monetär verwenden. Aber wer weiß. Vielleicht ergibt sich ja über die Zeit etwas, dass in der Lage ist meinen Lebensunterhalt zu sichern und für das ich mich nicht verleugnen muss. Schließlich habe ich bisher durchgehalten und schlimmer als dass allein der Freitot einen Ausweg zu bieten scheint, kann es letzten Endes nicht werden.

So fühlt sich gerade jeder Tag für mich an, als wenn ich nach einem schweren Erdbeben aus meinem Keller emporsteigen würde. Benommen und zerzaust, aber erleichtert, dass ich das Chaos überstanden habe.

So gesehen, meine liebe Freundin, mach Dir keine Sorgen um mich. Die Zeit in der dies angebracht gewesen wäre liegt jetzt hinter mir und du hast es zumeist nicht einmal bemerkt, dass ich mich in diesem Zustand befand. Versuche Deiner Wahrnehmung nicht allzuviel Gewicht zu geben und halte dir den Umstand vor Augen, dass sie sich am Ende nur aus Bildern zusammensetzt die an dich herangetragen werden.

Mehr kann ich dir leider nicht bieten. Aber immerhin ist es diese kleine Etwas. Auch wenn dies vielleicht nie erkennbar für dich werden wird.

Ich mache mich nun auf wieder gegen den Strom zu schwimmen. Angezogen von etwas von dem ich nicht sagen kann was es ist. Nur das meine Sehnsucht mich dorthin treibt. Einer Sehnsucht der ich mich nun endlich, mit Haut und Haaren auf Gedeih und Verderb ergeben werde.