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Die Will Maschine hält mich fest in ihrem Griff. Sie hat mich vollends in Besitz genommen. Wo ich anfänglich dachte, sie würde ihre Umarmung lockern, wenn sie gesättigt ist, merke ich immer deutlicher, sie wird niemals satt sein. Dies ist das Grundprinzip der Maschine. 

“Aber hast Du mich denn jemals mit irgendetwas von diesem ganzen Zeug wirklich glücklich gemacht?”, möchte ich sie anschreien und ihr all die Besitztümer um mich herum entgegenschleudern die sich immer mehr ansammeln und zu keinerlei Ziel führen. 

“Diese ganzen Klamotten, die nur dafür gesorgt haben, dass ich mir besser vorkam als viele der Anderen und die am Ende dazu führten, dass sich Jene von mir lösten die ich aufgrund schnöder Bekleidung verachtete und mir Solche ließ, die sich ebenso verirrt hatten wie ich?”

“Oder diese dämliche Scheißkarre, die mir so sehr zu Kopf gestiegen ist, dass ich den Annoncen viel zu junger Mädchen Glauben schenkte und nicht sah, dass es nur der Status war, den dieses beschissene Stück Blech versprach und der ihr Interesse weckte. Das am Ende dazu führte, das meine wirkliche Liebe mich nicht mehr ertrug und sich von mir löste?”

“War es dieses, aus jeder vernünftigen Fuge geratene Haus, das so herrschaftlich und mondän über allem schwebt und jedem der es sein Eigenen nennt eine Unvergänglichkeit vorgaukelt, die es überhaupt nicht geben kann und das dazu führte dass ich ernstlich am Ende mehr Angst davor hatte, dass es jemand anderem ins Auge fallen würde, der es mir nehmen könnte, als dass ich es genoß?”

“Oder all die Zahlen auf meinem Bankkonto die nie groß genug sein konnten und denen ich hinterher jagte, während das einzige Leben das ich hatte an mir vorüber zog?”

“Du kannst sie haben diese ganze Scheiße! Nimm sie zurück und gib mir dafür mein Leben und meine Lieben, deren Verlust der Preis dieses Besitzes war und der mir nichts dafür hinterließ, dass mir Halt geben kann. Nichts dass auch nur irgendwie einem Traum gleich kommt, sondern nur allgegenwärtig verführerischer Albtraum ist. Nimm all die Dinge und entlasse mich aus diesem Irrsinn, denn ich bereue meinen Weg!”

So schreie ich meine Verzweiflung heraus. Aber da ist niemand, der mir etwas das Eine nehmen könnte um mir das Andere dafür zu geben. Die Maschine hat keine Seele und keine Gestalt. Sie lauert ständig ohne jemals zu sein. Je mehr sich mein Schmerz ins Unermessliche steigert, desto klarer wird mir dieser Umstand. Ich sitze hier inmitten meines Vermögens und bin doch zu nichts in der Lage.

Es gab Zeiten, da war ich glücklich. Hoffnungsfroh weil ich ein Ziel hatte und eine Liebe, mit der ich dieses teilen konnte. Obwohl wir nicht mehr hatten, als es für den Monat gerade so von Nöten war, waren wir erfüllt. Ergriffen von uns und den Möglichkeiten die vor uns lagen. Als dann unsere Tochter auf die Welt kam, vermeintlich viel zu früh und ungeplant, da war es, als könne sich nichts diesem Segen in den Weg stellen, als würden wir ein Spiel spielen, bei dem es nur zu gewinnen gab.

Aber mit den Schritten auf dem Weg zum Erfolg schlich sich irgendetwas ein, dass wir anfangs gar nicht wahr nahmen. Es sei nur eine kurze Periode, durch die wir hindurch müssten, das sagten wir uns immer wieder. Wie ein Mantra beschworen wir es. Solange bis wir fest daran glaubten und den Blick dafür verloren, wohin es uns trieb. 

Und mit dem Erfolg kam die Versuchung, entstand dieser Hunger der so anders war, wie jeder Hunger den wir zuvor gekannt hatten. Es entstand eine pochende Sehnsucht die sich selbst genügte und immer mehr ein Eigenleben zu entwickeln begann. Aber wieder schoben wir alle Bedenken zur Seite und dachten das es sich um einen Preis handeln würde, der nur temporär zu zahlen sei. 

Dies ging so lange, bis wir uns soweit voneinander entfremdeten und damit auch jeder von sich selbst, bis es kein Zurück mehr gab. Keine Paartherapie oder Urlaub oder sonst irgendwas das daran etwas ändern konnte. Daran, dass wir uns auf diesem Weg selbst verloren hatten und das es war, als wären wir von einer hohen Klippe gesprungen und nun verzweifelt versuchten den freien Fall zu bremsen indem wir wie wild mit unseren Armen ruderten. 

Als sie dann auszog und unsere Tochter mit sich nahm, war mir dies sogar ganz recht. Meine Liebsten erschienen mir schon seit längerer Zeit mehr als Belastung denn als Zugewinn und schienen meinem Glück im Wege zu stehen. Natürlich gab es immer wieder Streit, da die Karriere auf der einen und meine Familie auf der anderen Seite an mir zogen. Das Gefühl das es mich dazwischen zerreißt, wurde immer übermächtiger und es entstand eine Belastung der ich mich zunehmend weniger gewachsen fühlte. Als sich dieser Gordische Knoten dann löste, weil meine Frau ihn durchschnitt, war ich froh darüber. Der Druck wich und ich war endlich nicht mehr hin und her gerissen zwischen unvereinbaren Positionen. 

“Dann ist es also eben meine Karriere, die das zentrale Element in meinem Leben ist. Familie ist doch vor Allem eine biologische Falle die uns festhält und verhindert, im Wahn gefangen, immer mehr von uns in die Welt zu setzen, auch wenn wir offensichtlich schon zu viele sind.”

So ging ich auf im Streben nach meiner persönlichen Erfüllung. Und da diese Zeit sehr schnelllebig war und das was laut tönt dazu neigt alles andere zu überdecken, fiel mir gar nicht auf, wie ich mich immer weiter aushöhlte beim Versuch meinem scheinbaren Glück habhaft zu werden. Dabei geriet völlig aus meinen Augen, dass ich mich nur selbst verlor. 

Nun sitze ich hier, inmitten all der Errungenschaften die mir mein Lebensstil ermöglicht und mir wird immer bewusster, dass ich rein gar nichts besitze das von Wert ist. Das Meiste von dem das mich umgibt war nie gedacht dafür die Zeiten zu überdauern und wird nach mir nur die Müllberge mehren die wir vor uns her tragen und die unsere Umwelt belasten. Als Mahnmal eines Wahnes, der sich selbstständig gemacht hat und der nun, im wahrsten Sinn des Wortes mit uns Schlitten fährt. Dabei reden wir uns ein, dass wir obenauf sitzen würden und merken nicht, wie eine Idee Besitz von uns ergriffen hat, die über kein eigenes Wesen verfügt und die deshalb auch niemals inne halten wird. Getrieben von unserer Gier und der wahnhaften Vorstellung dass es immer nur das weitere Paradies hinter dem nächsten Hügel ist, dass uns unser Glück bringen kann.