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Man wird der Liebe nicht gerecht, indem man hinter hier her jagt. Vielmehr läuft man Gefahr, sie auf diese Weise zu verscheuchen. Denn sie ist wie ein scheuer Vogel, der sich nur dort länger nieder lässt, wo er sich sicher fühlen kann.

Auch bedeutet Liebe eben nicht sich aufzuopfern. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum. Ebenso wie sie keinem aufgesetzt altruistischen Gehabe bedarf. Nein, im Grunde macht sie es einem sogar ziemlich leicht. Es reicht sich zu lieben um den Schlüssel in die Herzen Anderer zu finden.

Doch obwohl dies auf der einen Seite eine so simple Angelegenheit ist, tut man sich doch im Allgemeinen recht schwer damit, den Blick darauf nicht zu verstellen. Mit all den Annahmen, die den Eindruck machen können, es bedürfe einer regelrechten Kunstfertigkeit um mit der Liebe Du auf Du zu sein. Milan Kundera hat diesem Umstand eine seine Geschichten gewidmet und spricht innerhalb Dieser, von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins.

Eigenartigerweise scheint es mir nämlich genau darauf hinaus zu laufen. Das das Sein wie ein Tanz ist. Etwas, daß man geschehen lassen muss, ohne weiter darüber nachzudenken und dem man nur gerecht werden kann, wenn man es nicht zu bestimmen versucht.

Die Buddhisten sind auf einen ähnlichen Schluß gekommen. Sie sagen, dass man sich von seiner Erwartungshaltung befreien solle und dass gerade darin der Grund aller Übel läge.

Ich habe dies lange falsch verstanden als etwas, das eine Selbstlosigkeit erfordert die gewisse fatalistische Züge aufweist. Ich stellte mir dann die Frage, wohin dies führen müsse und dachte, das Ziel solcher Herangehensweisen würde nur denjenigen Nutzen, die Andere zu ihrem Vorteil missbrauchen. Den Führern im großen und kleinen, die nur allzu oft keine besonnenen Lenker, sondern vielmehr eigennützige Verführer sind. Lediglich auf ihren eigenen Vorteil bedacht.

Doch dies stellt einen Irrtum da. Frei von Erwartungen zu sein bedeutet eben nicht, alles um einen herum einfach so anzunehmen wie es ist. Sondern sich davor zu hüten, in gewisse aufgedrängte Automatismen zu geraten.

“Ich habe gerade dies und das für jene Person gemacht, also steht mir doch zu, dass …”

Mit dieser art zu denken sind die meisten von uns groß geworden. Und auch die moderne, aufgeklärt wissenschaftliche Sichtweise scheint dies zu bestätigen, indem sie das Prinzip von Ursache und Wirkung benennt; den kausalen Zusammenhang. Und obwohl es natürlich so ist, dass das Glas, welches mir aus der Hand gleitet niemals zur Decke fallen wird, darf man nicht den Fehler begehen, hier scheinbar Eins und Eins zusammen zählen zu wollen. Denn diese Sichtweise scheitert daran, das die Kausalität der Liebe nicht unmittelbar zum tragen kommt, sondern oft verschlungenere Wege weg um ihr Ziel zu erreichen.

Ich habe sehr lange gebraucht dies zu begreifen. Und der Weg zu dieser Einsicht war gespickt mir großen Enttäuschungen und Resignationen. Was ist das denn für eine Welt, die sich in einem so wichtigen Punkt nicht an ihre eigenen Spielregeln hält, fragte ich mich oft, ohne eine befriedigende Antwort auf diese Frage zu erhalten. Die einzig logische Schlussfolgerung die sich mir offenbarte war, dass diese Welt eben nur ein schlechter Ort sein könne und der Mensch die Krönung dessen sei.

Dieser Gedanke verselbstständigte sich immer mehr über die Zeit und ebenso wie man eine Meisterlichkeit dadurch erlangt, dass man eine Sache lange und internsiv betreibt, wurde ich, ohne das es mir bewußt wurde, immer mehr zu einem Meister des Schlechten. Mein Blick war geschärft für die Diskrepanzen die sich um mich ergaben und obwohl ich mir Diese nicht erdachte, sondern etwas sah, dass es gab, verlor ich den Blick auf die Dinge, die frei von hinterlistigem Verstellen sind.

Manchmal erscheint es mir, als sei die Welt wie ein Spiegel. Immer bereit dem Betrachter das Bild zu bieten, das er erwartet. Du präferierst das Schlechte, also wird diese Welt auch düster sein. Je mehr sich jedoch der Blick entspannt und die schönen Dinge Einzug halten läßt, desto mehr klart sich die Projektion auf und gibt den Blick auf einen ganz anderen Aspekt des selben Bildes frei.

Mir war schon immer die sentimentale Sichtweise der Gefühlsduseligkeit zuwider. Wie sie uns in aufgesetzter Schönheit begegnet und sich zum Beispiel Schlager oder Mode nennt. Das konnte doch kein Ziel sein, dem man guten Gewissens folgen konnte. Indem man einfach alles ausblendete, dass einem nicht ins zuckersüße Glücksversprechen passte. Dies war mir einer der Belege dafür, dass ich recht hatte mit meiner Annahme, dass die Welt dort draußen von ihrem Wesen her nur schlecht sein könne. Wenn so die Alternative aussehen würde, ein lieber Gott mit Rauschebart und Engel die ihm um die Nase fliegen, eine schöne Maid die weder stinken noch genervt sein kann, dann wollte ich nichts mit diesem vermeintlich Guten zu tun haben, da mir zu jeder Zeit bewusst war, dass diese form von Schönheit eine trügerische sein müsse. Und damit lag ich auch nicht falsch.

Also, lass den Vogel in Dir fliegen. Vertrau drauf wohin er Dich führt. Und versuche nicht ihn zu lenken. Du nimmst ihm nur die Leichtigkeit welche er für seinen Flug bedarf. Dann wird die Liebe tief in Deinem Herzen sein und Dich auch immer umspülen, was immer auch die schwere Welt Dir auf Deine Schultern legen mag.