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Das Leben ist eigentlich recht eintönig wenn man, wie ich, eine Kuh ist. Morgens wird man gemolken, danach gibts Essen und dann steht man eben so rum. Ein wenig Scheißen, immer mal wieder einen Strahl loslassen wenn es einem danach ist. Viel mehr ist nicht. Ach ja, hätte ich beinahe vergessen. Das sporadische Muhen wenn was passiert das einem auffällt. Dann bedeutet dieses Muh zumeist: “Ja ich will auch essen, her damit”. Oder “häng mir die Maschine an, mein Euter drückt.” Wir Kühe sind nicht so gesprächig und eigentlich auch recht genügsam. 

Aber es gibt da diesen großen Tag. Der irgendwann allen von uns bevorsteht, je nachdem wann man reif dafür ist. Die Einen sind schon als kleine Kälber soweit. Die Anderen müssen sich länger gedulden. Aber irgendwann ist es für uns alle soweit. Dann werden wir abgeholt und es geht auf das was wir das “Muh, muh, m,muh muh, MUH”, nennen. Die große Reise. Von der wir nicht mehr zurückkehren. Sozusagen der ewige Abstecher nach Kuhhimmel. Jede Kuh freut sich darauf, denn dann ist endlich mal Aktion angesagt. Und wäre es nicht ziemlich enttäuschend wenn die meist jahrelange Kuhausbildung die im Groben und Ganzen aus nichts tun besteht, nicht auch für irgendetwas gut wäre? 

Wenn dieser Tag gekommen ist, kann aus einer ansonsten langweilig erscheinenden Kuh plötzlich so vieles auf einmal werden. Steaks, Gehacktes, was zum Kochen und der Rest wird dann zu Hundefutter. Eine ziemlich diversifizierte Karriere, daß müssen Sie schon zugeben.  Vorher gibt es eine kleine Spritze gegen die Aufregung. Denn es ist doch wohl verständlich, daß sich davon plötzlich viel breit macht. Wo doch alle unsere Wege auf dieses eine Ziel hin steuern. Da kann man es schon mal an die Nerven bekommen. Kühe sind ja schließlich keine Kaltblüter. Aber o.k. , ich gebe es zu, der Witz war jetzt etwas flach. Ich bin halt auch nur eine Kuh. 

Bei mir ist es morgen soweit. Ich stehe in meiner Box und bin schon voller Vorfreude. Wie das wohl sein wird? Das Bolzenschußgerät am Schädel, dann ein kurzer aber heftiger Knall, daß einem Hören und Sehen vergeht.

Davon, dass sie einem dann den Hals aufschlitzen, bekommen die meisten von uns, vor lauter lauter, gar nicht mehr richtig was mit. 

Schade, denn eigentlich fängt der Spaß dann doch erst so richtig an. Die Hinterläufe werden fest zusammengezurrt und schwubs geht es auch schon hinauf in die Lüfte. Mit dem Hintern voran, damit das Blut schön aus uns heraus fließen kann. Im Anschluss ist dann schon jemand zur Stelle, der uns mit einer riesigen Säge in einem Zug in zwei Hälften teilt. Aus einer Kuh werden da urplötzlich Zwei; Zauberei. Leider bekommt man dies jedoch als Kuh schon gar nicht mehr mit. Man kann es nur an den Kameraden beobachten, die vor einem dran gekommen sind. 

Lisa war schon immer meine beste Freundin. Auch bei dieser Reise bleiben wir zum Glück zusammen. Als ich sehe wie aus der einen Lisa zwei werden, bin ich ganz beeindruckt. Gleich wird es bei mir soweit sein. 

Viel mehr kann ich zu dieser Sache auch gar nicht sagen. Verständlicherweise. Wie sollte man auch etwas erzählen wenn es einen gar nicht mehr gibt? 

Dann bleibt mir nur noch einen guten Appetit und auch Ihnen eine gute Reise zu wünschen wenn es soweit ist. Denn Sie können ganz beruhigt sein. Zwar treten Menschen nur äußerst selten die Kuhreise an, aber auch Sie werden irgendwann die vergnügliche Erfahrung des großen Ausflugs machen.