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Ha, ha, ha. Jetzt rennt die Alte hinter mir her. 

Während ich laufe, lache ich mich schlapp. Als ob eine Frau mich einholen könnte. Man weiß doch wie die laufen. Die Arme durch die Luft rudernd als ob sie Fliegen fangen wollten. Kein Wunder dass die nicht vorankommen. Tja Baby, meine Hand an Deinem geilen Arsch wirst Du nicht mehr rückgängig machen können. So sehr Du Dich jetzt auch zum Affen machst. Ich laufe und lache und höre plötzlich Schritte näher kommen. 

Verdammt, hat die Alte jetzt irgendeinen möchtegern Helden gefunden der Ihre Ehre retten will. Damit hab ich aber nicht gerechnet. Da war doch keiner weit und breit. Ich habe extra drauf geachtet. Aber irgendwer kommt näher, das kann ich deutlich hören. Ich drehe meinen Kopf im Lauf um zu sehen mit wem ich es zu tun habe. 

Das kann doch jetzt nicht wahr sein, es ist die Alte! Hab ich wirklich die einzige Frau erwischt die rennen kann? Verdammt! Aber ich habe noch Reserven und ziehe das Tempo an. Zwar bemerke ich augenblicklich, dass meine Lunge diese Geschwindigkeit nicht lange mitmachen wird, aber was soll’s. Für ein paar Meter und damit einen sicheren Vorsprung sollte es reichen. 

Aber Pustekuchen, die blöde Kuh bleibt dran. Auch sie hat ihre Geschwindigkeit erhöht. 

Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Was ist die? Eine Leistungssportlerin? Dann muss ich mein Tempo eben noch etwas erhöhen. Lange wird das nicht gutgehen, ich laufe bereits deutlich erkennbar im roten Bereich. Jetzt muss ich alles dran setzen; es werden keine Gefangenen gemacht! Ein kalter Schrecken ergreift von mir Besitz. Nicht nur, dass sie die Geschwindigkeit halten kann, jetzt fängt sie noch an sich mit mir zu unterhalten. Dabei hört sie sich an, als ob sie schlendernd hinter mir her laufen würde.

“Glaub bloß nicht Du Würstchen, dass ich Dich so davonkommen lasse”, höre ich sie lachend. “Dafür müsstest Du Dich noch um einiges mehr anstrengen. Und jeder Blinde kann sehen, dass Du jetzt schon auf dem Zahnfleisch gehst.”

Plötzlich ergreift mich ein Gefühl der Panik. Ich sehe nochmal über meine Schulter zurück und muss erkennen, dass sie völlig entspannt hinter mir her läuft. Kein Armschlenkern oder sonst eine weibliche Absurdität. Die rennt wie eine junge Göttin. Was zum Teufel habe ich Dir getan, Fortuna, dass Du mir so übel mitspielst? Ist es weil auch Du eine Frau bist? Oh Mann, ich habe doch nicht Dir an den Arsch gegriffen. Was läuft denn hier?

Ich merke schon wie meine Beine weich werden. Demnächst werden sie mir einfach wegknicken. Ich kann nicht mehr. Unmöglich noch viel weiter zu laufen, geschweige denn das Tempo weiter zu erhöhen, was ohne Frage von Nöten wäre, wollte ich ihr entkommen. 

Drauf geschissen, denke ich bei mir. Es braucht eine entscheidende Planänderung. Ich bleibe abrupt stehen und schnelle herum. Für einen Moment kann ich mich aufrecht halten ohne nach Luft schnappend in mich zusammen zu sinken.

Sie hat ebenfalls das Rennen eingestellt und läuft langsam aber zielsicher auf mich zu. Plan A, Plan B, scheiß doch auf die Pläne, dass hier schreit nach einer Verzweiflungstat! 

Als sie bis auf wenige Meter an mich herangekommen ist, falle ich plötzlich vor ihr auf die Knie und fange laut an zu heulen und zu betteln.

“Es tut mir wirklich furchtbar leid. Ich weiß, dass ich ein widerliches Stück Scheiße bin. Aber denk doch bitte auch an meine Mutter. Die muss sich doch schon genug schämen wegen mir. Wenn sie das hier jetzt noch mitbekommt, bricht es ihr das Herz.”

Ich reisse meine Arme hoch und schütze meinen Kopf damit. 

“Tu mir bitte nicht weh, bitte bitte”, bettle ich sie so erbarmungswürdig an wie ich nur kann. 

Zum Glück lässt sie sich anscheinend davon beeindrucken und prügelt nicht gleich auf mich ein.

“Echt jetzt mal, was soll das denn? Schämst Du Dich denn überhaupt nicht?” Sie sieht mich angeekelt an. “Warum hast Du mir gerade an meinen Hintern gegriffen, Du Feiger Typ?”

“Weil ich so armselig bin. Das weiß ich doch. Bitte tu mir nicht weh. Ich mache es auch nie wieder. Ehrlich!”

Und wie ich dies sage merke ich plötzlich, dass meine Blase dem ganzen Druck nicht mehr gewachsen ist. Meine Hose ist nass im Schritt und vor mir breitet sich ein Bach aus, der zwar so aussieht als handele es sich dabei nur um Wasser, von dem wir Beide jedoch wissen, dass es sich um etwas anderes handelt.

Mittlerweile haben sich einige Passanten um uns geschart und nehmen belustigt Anteil an der Freakshow die sich vor ihren Augen abspielt. Als ob die ganze Sache nicht schon peinlich genug für mich wäre. Zum Glück nimmt sie Abstand davon mir meinen dämlichen Arsch zu versohlen. Das würde jetzt gerade noch fehlen. Dass sie mir die Hose runter zieht und mir vor all den Leuten den Hintern versohlt. Aber vielleicht kommt mir die Sache mit meiner Blase auch entgegen und sie ekelt sich zu sehr, um es zu tun.

Ich bleibe zur Sicherheit noch eine Weile da unten auf meinen Knien sitzen nachdem sie gegangen ist. So schnell wie die rennen kann, will ich kein Risiko mehr eingehen. Danach raffe ich mich auf und mache mich vom Acker. 

“Du dämliche Kuh”, denke ich bei mir. “Wenn Du wüsstest das meine Mutter schon lange tot ist.” Zum Glück kann ich schnell schalten, denke ich bei mir und fange schon an mir die Sache gedanklich so zurecht zu legen, dass ich einigermaßen glimpflich davon komme und mir nicht eingestehen muss, was für eine jämmerliche Gestalt ich doch im Grunde genommen bin. 

“Ach, heute Abend noch ein paar Bier, dann sieht die Sache schon anders aus.” Und wer weiß, wenn ich es nur geschickt genug anstelle habe ich mir das Ganze morgen vielleicht schon so zurecht gelegt, dass ich vor mir als der Held dastehe, der ich zwar ohne Frage nicht bin, aber doch gerne wäre. Ich brauche nur irgendeine Storry für die Jungs in der Kneipe, falls sie von dem Vorfall Wind bekommen sollten. 

Hey Mann, die Staaten werden von einem Schwachkopf regiert, die Faschos denken sich einfach irgendeinen Unsinn aus und die Aufgeklärten haben nichts besseres zu tun, als ihre Rechtschaffenheit wie eine Trophäe vor sich her zu tragen. Warum sollte also ausgerechnet ich mir Gedanken machen?!