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Er sitzt da. Vor ihm seine Fotos. Die er einst manipuliert hat. Nun wenden sie sich gegen ihn. Lächelnde Gesichter, zu ihrem Glück genötigt. Erst als die Farce perfekt war, kam der erlösende Moment der Aufnahme. Genau hierfür wurden sie konzipiert. Um der Realität einen Mantel über zu streifen. Sie zum Erfüllungsgehilfen des eigenen Unvermögens zu machen, sie bis zur Unkenntlichkeit zu verzerren.

Doch all diese perfiden Tricks wollen nun nicht mehr funktionieren. Die Lüge verliert ihre Macht, wenn man nicht mehr an sie glaubt. In diesem Moment zerreißt der Vorhang und offenbart den hässlichen Inhalt des Scheins.

Ein Schloss gebaut auf Sand, dass letzten Endes nur darauf wartet verschlungen zu werden. Was lange Zeit absehbar war, ist nun nicht mehr zu bestreiten. Der Weg den er wählte, wird nun selbst ihm offenbar. 

Ein jeder ist vor allem das Produkt der Welt die ihn umgibt. Die ihn formt und sich in ihm abbildet. Und doch ist man nicht nur dass, sondern jeder von uns verfügt über das Vermögen dieser Welt seinen Anschein zu verleihen. Aber dies ist nicht jedem bewusst und es ist nicht einfach dies zu erkennen. Denn es geht darum in einem Meer aus ohrenbetäubenden Krach die eine feine Stimme heraus zu filtern die unberührt ist von dem Getöse. 

Nur weil man schreit, hat man lange noch nicht recht und die Wahrheit ist wie Wasser, dass sich langsam, aber unaufhaltsam und mit großer Macht seinen Weg bahnt. Sich ein Tal gräbt und selbst den härtesten Stein zu zermahlen in der Lage ist.

Aber es braucht Ruhe und Geduld dies zu erkennen. Während die Zeit des Alltags einen in ihrem komprimierten Strudel  mit sich reißt, klingt im Hintergrund die Stimme der Wahrhaftigkeit, die es nicht nötig hat zu schreien und sich ihrer selbst berauben würde, ließe sie sich auf den Sturm ein, der sie umgibt.

Du hast Dir Deine Welt aus Lug und Trug geschaffen, nun gehst Du in ihr unter. Und keiner Deiner sorgsam einstudierten Taschenspielertricks ist in der Lage dich davor zu bewahren. Wo ist der Joker, wer hat ihn gesehen. Eben war er doch noch da. Gerade noch zum Greifen nah. Nun drehen sich die Karten und er ist niemals dort wo man ihn erwartet hätte. 

So sitzt du nun vor deinen Bildern, die eine Geschichte erzählen die so niemals stattgefunden hat. Und du fragst dich verzweifelt wie dass denn sein kann. Schließlich liegt er doch klar vor dir, der Beweis, der nun zu einem Zeugnis deiner Lügen wird und dir dies deutlich zu verstehen gibt. Du aber verschließt nur umso fester Deine Ohren. Immer fester und fester ohne das du bemerkst, wie du dir sie bei dem verzweifelten Versuch zerdrückst, deinen Dämonen zu entkommen.

Das bessere Früher ist ein Konstrukt aus Manipulation. Eine Schutzbehauptung die dich davor bewahren soll der Realität ins Auge zu blicken. Mit all ihrer Kälte die dich in ihr umgibt. Aber ebenso wie das was war nie wiederkehren wird, waren die Zeiten jemals so, wie du sie in deiner Erinnerung behalten hast. Und auch die heutigen Zeiten, das wirst du sehn, klären auf mit den Tagen die vergehen. Wenn sie zum Rüstzeug werden gegen die Hässlichkeit des Folgenden und dich am Ende nur verschließen, statt dir Schutz zu bieten.

Dabei existiert das Glück ebenso wie der Verfall. Doch es ist immer nur ein Moments der dich umgibt. In jedem weiteren Augenblick hinüber. 

Wer versucht das Schöne, Wahre zu bewahren, der muss es loslassen können. Es durch ihn hindurchfließen lassen und nicht von ihm erwarten, dass es bleibt. Denn konserviert erfriert es unmittelbar. Eine wundervolle Rose in Acryl gegossen. Nur noch ein Anschein dessen, was es einmal gewesen ist.

So sitzt er nun vor seinen Fotos und diese bilden noch nicht einmal das Glück vergangener Zeiten ab, sondern offenbaren demjenigen der bereit ist näher hinzusehen, das perfide Schauspiel, dem sie erwachsen sind. Einen lächelnden Mund kann man leicht erzwingen. Die Augen jedoch verweigern sich weit mehr solchen Manipulationsversuchen.

“Lächele doch endlich mal, vorher löse ich nicht aus.”, fällt es Dir nun, bleischwer auf die Füße.