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“Oh Mann, was für ein Glück dass Du da bist. Wir wissen hier nicht mehr weiter. Da geben wir einen Haufen Geld aus für Software und Support und dann sowas; mal wieder.”

Er geht hektisch vor mir her. Weist mir den Weg durch die riesigen Räume des Großraumbüros. Mir läuft der Schweiß die Stirn herab und auch in meine Arschritze hinein. 

“Du bist wohl mit dem Velo gekommen”, eine kurze Bemerkung, dann ist er wieder in seiner Welt. Wie wärs mit mal einem Schluck Wasser, dann kannst du dir dein Velo Gequatsche in den Arsch schieben, denke ich bei mir, aber lächele ihn an, als würde uns etwas verbinden.

Hundertfünfzig die Stunde, da hält man schon mal den Arsch für hin.

Er führt mich an einen Tisch an dem ich arbeiten kann und gibt mir die Login Daten. “Du kommst klar?” “Ja, alles gut. Ich sag Bescheid wenn ich was brauche.”

Mit Sicherheit jedoch nicht von diesem Typen. Ob der überhaupt irgendetwas kann außer einen auf wichtig zu machen und sich aufzuspielen. Nicht mein Problem. Ich bin wegen der Kohle hier und nur deswegen.

Ich fange an. Plötzlich merke ich dass jemand hinter mir steht. Ein junges Mädchen, vielleicht Anfang 20 welche eine Wasserflasche in der Hand hält. “Ich dachte, dass sie vielleicht ein Wasser wollen”, lächelt sie mich schüchtern an. Wenigstens ein Mensch hier der noch nicht total taub geworden ist, denke ich bei mir und bedanke mich.

Der Typ vom Anfang kommt hektisch heran und schnauzt sie an. “Was stehst du hier um, hast du nichts zu tun?” Ich überlege kurz ob ich auf den Auftrag und den Kontakt scheissen und ihm die Fresse einschlagen soll. Was für ein wertloser Wichser. Sie zuckt zusammen, entschuldigt sich etwas stotternd und weiss nicht so recht wie sie reagieren soll.

“Ich brauche hier jemanden und habe sie gebeten mir ein Wasser zu holen, ist das ein Problem?”, frage ich das Arschloch und sehe ihn durchdringend an. “Nein, nein, kein Problem. Dann hilft Du ihm, kapiert?!”. Augenblicklich zieht er wieder ab um jemand anderem auf den Sack zu gehen. 

“Dankeschön”, 

“Nicht dafür”. 

Ich schiebe ihr einen Laptop rüber, öffne wahllos irgendeine Seite und die Entwicklertools. 

Es spielt sowieso keine Rolle. Es soll nur aussehen, als hätte sie etwas zu tun wenn der Schwachkopf wieder kommt. Der ist wohl der Letzte der den Braten riechen würde. Sobald der Depp Code sieht, steigt er sowieso aus, weil er von nichts eine wirkliche Ahnung hat.

Nach einer guten Stunde ist mein Werk getan. Ich packe meine Sachen zusammen und sehe mich nach dem Idioten um, damit er mir meinen Dienst quittiert.

“Läuft es wieder? Oh Mann, Du bist echt mal wieder unser Lebensretter. Was würden wir nur ohne Dich tun. Du schickst uns die Rechnung? Und tausend Dank nochmal.” 

Schieb Dir Deinen Dank hinten rein du dämliche Mißgeburt. Es ist die Kohle die mich hierher treibt. Nicht dein Scheissladen, nicht du oder all die anderen aufgeblasenen Schwachköpfe die hier um rennen.

“Klar, gern geschehen. Ich muss jetzt los”

Als ich endlich wieder draussen bin, hole ich erst einmal tief Luft. Was für ein Glück, dass ich diesem Dreck zumindest nicht jeden Tag meine Aufwartung machen muss. 

Als ich mein Fahrrad aufschliesse steht die Kleine neben mir.

“Danke nochmal. Ich bin neu hier und irgendwie scheine ich noch alles falsch zu machen.” 

“Du machst überhaupt nichts falsch, Süße, Du bist nur am falschen Ort. Viel zu schade für diesen Haufen Scheisse hier.”

Sie senkt schüchtern lächelnd ihren Blick. “Das ist sehr nett von Ihnen.”

“Hast Du Feierabend?”

“Ja, für heute bin ich fertig.”

“Hunger?”

“Ja, ich muss mir gleich mal was besorgen.”

“Ich auch, leistest du mir Gesellschaft.”

Sie wird etwas rot im Gesicht. “Ja gerne” 

Also gehn wir in ein Restaurant in der Nähe, dass zumindest erträglich ist.

Mit der Zeit wird sie lockerer. Erzählt von sich, ihrer Familie und was sie hierher brachte. Während sie erzählt sehe ich sie verträumt an und denke mir wie stolz ihre Eltern auf sie sein müssen. Ihre Augen sind offen, ihr Lächeln ein einziger Schlüssel für Herzen die noch nicht völlig verkrustet sind. 

Wir sitzen noch eine ganze Weile zusammen. Als wir uns verabschieden tauschen wir unsere Nummern aus und versprechen uns wieder zu sehen. 

Wenigstens ein Mensch der auch das Wort wert war an diesem Tag. Mit Gold nicht aufzuwiegen.